Plattdüütsch
Mit plattdeutschen Texten in eine ungewohnte Klangwelt
Zehn Titel hat die CD von Sabine Herrmann. Die Musikerin aus Hude hat in den Liedern ihrer ostfriesischen Herkunft nachgespürt. Das letzte Stück ist jedoch ein Klassiker in völlig neuem Gewand.
Hude/Klostermoor - Als Kind hat Sabine Hermann kein Platt gesprochen. Es ging ihr wie vielen ostfriesischen Kindern in den 60er und 70er Jahren: Die Eltern sprachen mit ihr Hochdeutsch. „Dabei hätte Platt meine Muttersprache sein sollen“, sagt die 52-jährige Musikerin. Doch nun hat sie zu ihren Wurzeln zurückgefunden.
Was und warum
Darum geht es: Sabine Hermann hat ihre erste CD mit plattdeutschen Texten vorgestellt. Die Huderin ist in Klostermoor aufgewachsen.
Vor allem interessant für: Menschen, die Plattdeutsch sprechen und mögen.
Deshalb berichten wir: Die Lieder auf dem Album „Sangen“ haben bis auf eine Ausnahme plattdeutsche Texte, die Kombination mit Electronicsound ist ungewöhnlich. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
„Sangen“ ist der Titel ihrer neuen CD, auf der bis auf eine Ausnahme alle Lieder plattdeutsche Texte haben. Sangen ist zugleich der Mädchenname ihrer Mutter. Hermann sieht die Arbeit an den Liedern als Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft: „Mir ist dadurch bewusst geworden, wie ostfriesisch ich wirklich bin.“ Es ist ihre dritte CD, doch die erste, die sie auf Plattdeutsch aufgenommen hat. Die meisten verbinden mit plattdeutscher Musik Folkmusik von Jan Cornelius, Helmut Debus und Laway oder Schlager von Godewind und Ina Müller. „Sangen“ dagegen hat dagegen einen ungewöhnlichen Sound.
Musik im Studio entwickelt
Über andere Musiker lernte Hermann den Produzenten Gregor Hennig kennen. Mit ihm hat sie alle Stücke im Studio Nord Bremen aufgenommen. Er schlug ihr vor, mit elektronischen Klängen zu arbeiten, im Stil von Massive Attack oder London Grammar. „Diese Musik kannte ich vorher gar nicht“, sagt Hermann. Sie hörte sich ein und fand Gefallen daran. Sie brachte den Gitarristen Valentin Hebel mit, außerdem haben Hauke Krone (Bass und andere Instrumente) und Gregor Hennig selbst mitgewirkt. Sabine Hermann singt alle Stücke, außerdem spielt sie Klavier, Spinett sowie Synthesizer.
An drei Wochenenden seien alle zehn Stücke eingespielt worden. „Das war eine spannende Reise“, sagt Hermann über die Studioarbeit. Zum Teil sei die Musik erst bei der Aufnahme entwickelt worden. Durch den ungewohnten Sound sei die plattdeutsche Sprache in die Moderne getragen worden. „Damit will ich zeigen: Das geht nicht verloren“, sagt sie.
Talent früh entdeckt
Sabine Hermann macht fast ihr Leben lang Musik. Als Dreijährige habe sie auf der Bontempi-Tischorgel ihrer Eltern Melodien gespielt, die sie vorher gehört habe. Die Eltern wollten das fördern und fuhren mit ihr zu Radio Stein nach Leer, wo sie Orgelunterricht bekam. Als sie neun Jahre alt war, kauften die Eltern ein Klavier, später kam Unterricht an der Kirchenorgel hinzu. Sabine Hermann, die damals noch Santjer hieß, spielte mehrere Jahre die Orgel im Gottesdienst.
Naheliegend, dass sie später Musik studierte, jedoch auf Lehramt. Erst spät habe sie angefangen, eigene Lieder zu schreiben. „Als ich im Studium Jazzmusik kennengelernt habe, bekam ich erst eine Vorstellung davon, dass Musik mehr sein kann als das Nachspielen von Klavierstücken“, sagt sie.
Mutter half bei den Texten
2009 erschien ihr erstes Album, 2014 das zweite. Die Lieder dafür schrieb sie auf Englisch oder Deutsch. 2016 habe sie beschlossen, sich musikalisch mit Ostfriesland und Platt auseinanderzusetzen. Alle Texte habe sie mit ihrer Mutter Käthe Santjer abgeglichen, bei der Schreibweise half unter anderem die ostfriesische Künstlerin Annie Heger, auf deren Musiklabel Kosmopolit das Album erschienen ist.
Sabine Hermann ist sicher, auf diesem Weg weiterzumachen. Wer sie einmal live erleben will, kann das bei Auftritten am 7. Januar in Aurich und am 8. Januar in Leer tun. Bis dahin kann man die CD „Sangen“ anhören. Sie kann zum Preis von 16,99 Euro (inklusive Versand 20 Euro) über die Internetseite www.sabinehermann.com bestellt werden (auch als Download).
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