Osnabrück

Gipfeltreffen zu Schweinekrise: Kommt jetzt die Ausstiegsprämie?

Dirk Fisser
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Von Dirk Fisser
| 09.09.2021 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schweine im Stall: Die Aufzucht der Tiere ist für die Landwirte derzeit ein Verlustgeschäft. Ein Krisengipfel soll Lösungen suchen. Foto: Sina Schuldt/dpa
Schweine im Stall: Die Aufzucht der Tiere ist für die Landwirte derzeit ein Verlustgeschäft. Ein Krisengipfel soll Lösungen suchen. Foto: Sina Schuldt/dpa
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Die Schweinekrise nimmt kein Ende. Jetzt lädt Bundesagrarministerin Julia Klöckner zum Krisengipfel. Wird dabei auch über eine Ausstiegsprämie für Schweinehalter gesprochen?

Neue Woche, neuer Krisengipfel: Nachdem Wirtschaftsvertreter zuletzt auf Einladung Niedersachsens über die Schweinekrise diskutiert haben, lädt nun die Bundesregierung zum Gespräch. 

Nach Informationen unserer Redaktion ist das digitale Treffen für Mittwoch, 15. September, angesetzt. Eingeladen sind Vertreter aus der Landwirtschaft, vom Handel und Fleischverarbeitern. Auch die Agrarministerinnen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, Barbara Otte-Kinast und Ursula Heinen-Esser (beide CDU) sollen sich dazu schalten. In den beiden Bundesländern werden die meisten deutschen Schweine gehalten.

Bis zu 70 Euro Verlust pro Schwein

Die Lage auf den Bauernhöfen ist seit Wochen prekär. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Krise noch mehr als ein Jahr andauern könnte. Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), sagte unserer Redaktion, die derzeitige Krise sei „ohne Beispiel“. Pro verkauftem Schwein machten die Landwirte derzeit einen Verlust von 60 bis 70 Euro.

(Weiterlesen: Schweinekrise: Ferkel für 20 Euro - „Tränen? Nur noch Resignation“)

Die Ursachen für die Lage sind vielfältig, vor allem die Corona-Pandemie und der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Osten Deutschlands sorgen für ein Überangebot auf dem Markt: So akzeptiert China seit geraumer Zeit keine Ware mehr aus Deutschlands.

Diplomatische Bemühungen, den Importstopp auf die tatsächlich betroffenen Bundesländer zu beschränken, sind bislang gescheitert. Die Ware muss anderweitig vermarktet werden. Auf den deutschen Markt drängen aber beispielsweise zunehmend auch Anbieter aus Spanien mit günstigeren Fleischangeboten.

Weniger Bratwürste

Hinzu kommt ein allgemeines Absatzproblem: Durch Corona wird nach wie vor weniger Fleisch gegessen als in den Jahren zuvor. Die Bratwurst im Stadion und Ähnliches fallen weitgehend aus. Das merken dann auch die Bauern auf der Abrechnung.

ISN-Vertreter Staack sagte: „Wenn wir morgen Fleisch aus Tierwohlställen wollen, müssen wir jetzt dafür sorgen, dass die Betriebe nicht pleitegehen, die den Umbau stemmen sollen.“ Er hat einige Forderungen für das Gespräch am kommenden Mittwoch.

So rief er die Politik dazu auf, eine Herkunftskennzeichnung für Fleischprodukte durchzusetzen. So könnten sich Verbraucher gezielt für Ware aus Deutschland entscheiden. „Im Bereich Frischfleisch im Handel ist das bereits jetzt oft schon der Fall. Aber auch Hersteller verarbeiteter Produkte und die Gastronomie müssen nachziehen. Hier werden jedes Jahr Hunderttausende Tonnen Fleisch umgesetzt.“

Umbau oder Ausstieg fördern?

Staack regte zudem an, eine „Zukunftsprämie für Schweinehaltung“ auf den Weg zu bringen. „Der Fokus sollte dabei auf dem Umbau der Tierhaltung liegen. Angesichts der jetzigen Situation sollte mit der Prämie aber auch der Ausstieg aus der Schweinehaltung gefördert werden können.“

Bislang hatte die Branche dieses Szenario einer Ausstiegsförderung stets abgelehnt. Angesichts der wohl noch lange anhaltenden Preiskrise findet hier aber wohl ein Umdenken statt. Weniger Betriebe am Markt bedeuten eine Reduktion des Angebots.

Ob der Gipfel wirklich Ergebnisse bringen wird, bleibt abzuwarten. Erst am Montag dieser Woche hatte die Landesregierung in Niedersachsen zum digitalen Krisengespräch geladen. Die Zusammensetzung . Ministerin Otte-Kinast sagte im Anschluss: „Die Landwirtschaft ist der Motor im ländlichen Raum. Wenn der stottert, dann läuft hier nichts mehr rund.“

Die Not der Schweinehalter wachse täglich. Bei der Agrarministerkonferenz werde Niedersachsen einen Antrag einbringen, um zwischen Bund und Ländern ein abgestimmtes Vorgehen gegen die Krise zu erreichen. Details sind noch nicht bekannt. Die Agrarministerkonferenz ist vom 29. September bis 1. Oktober in Dresden.

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