Telekommunikation

Riesenfrust über weiße Flecken im Mobilfunk

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 08.09.2021 19:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Handyempfang ist in abgelegenen Gebieten oft schlecht. Symbolfoto: DPA/Stratenschulte
Der Handyempfang ist in abgelegenen Gebieten oft schlecht. Symbolfoto: DPA/Stratenschulte
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Unterbrochene Gespräche, abreißende Internetverbindungen: Handynutzer im Landkreis Aurich schieben viel Frust. Es gibt Hoffnung auf Besserung. Zumindest ein bisschen.

Aurich - Das Mobilfunknetz im Landkreis Aurich ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Das weiß Landrat Olaf Meinen (parteilos) aus eigener Erfahrung. „Frustrierend ist das“, sagte der Verwaltungschef am Mittwoch in einer Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses. Das Traurige: Besserung ist nur bedingt in Sicht.

Auf Initiative der CDU-Fraktion hielt Matthias Scharf vom Breitbandzentrum Niedersachsen-Bremen einen Vortrag über die Funknetzversorgung im Landkreis Aurich. Auf dem Papier ist diese Versorgung nicht so lückenhaft wie von vielen beklagt.

Vogelinsel Memmert als weißer Fleck

In der südlichen Krummhörn gebe es Probleme, weil in der Nähe der niederländischen Grenze die Leistung der Funkmasten gedrosselt werde, sagte Scharf. „Das tun die Anbieter, um nicht in die Nachbarländer hineinzustrahlen.“ Ansonsten gebe es nur in Pfalzdorf, im Ihlower Forst, auf Juist und auf der Vogelinsel Memmert weiße Flecken. Diese Feststellung rief bei den Politikern ein Raunen hervor. Sie hielten diese Problembeschreibung für die Untertreibung des Jahres.

Das war dem Referenten von vornherein klar. „Ich kann den Frust nachvollziehen“, sagte Scharf. Das Problem sei die Frage, wie man Versorgungslücken definiert. Als unterversorgt nach den Förderrichtlinien gilt ein Gebiet nur dann, wenn keiner der drei Mobilfunknetzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland dort ein brauchbares Funknetz anbietet. Zudem basiert die Übersicht des Breitbandzentrums auf den Angaben der Netzbetreiber selbst, nicht auf Angaben von Nutzern oder betroffenen Kommunen. „Alle drei Provider haben uns die Versorgung geliefert, die sie meinen zu leisten.“ Diese Angaben entsprächen nicht unbedingt der Realität. Womöglich werde die Situation daher zu positiv dargestellt, so Scharf.

Schlechter als andere Länder in Europa

Das war der Moment, in dem der Landrat das Wort ergriff. Er schimpfte wie ein Rohrspatz. Es sei nicht möglich, auf dem Weg nach Hannover störungsfrei zu telefonieren, sagte Meinen. Als Bürgermeister von Großefehn habe er jahrelang für einen Mobilfunkmast in Timmel gekämpft. „Und Ihlow war bis vor zwei Jahren handyfreie Zone.“ Deutschland hinke anderen Ländern in Europa hinterher.

Friedhelm Jelken (CDU) berichtete von einer Reise durch Bulgarien, bei der er vor drei Jahren überall ein einwandfreies Mobilfunknetz vorgefunden habe. Scharf lieferte eine mögliche Erklärung: Das Grundproblem sei die Privatisierung der Telekommunikation. Private Anbieter bauten das Netz nur dort aus, wo es sich wirtschaftlich lohne, und dabei gerieten ländliche Regionen ins Hintertreffen.

„Dabei fallen ländliche Gebiete hinten runter“

Landrat Meinen beklagte, dass der Bund gerade bei der Vergabe der Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G die alten Fehler wiederhole. Er mache die Vorgabe, dass 97,5 Prozent der Bevölkerung versorgt sein müssten. „Dabei fallen ländliche Gebiete hinten runter.“ Meinen forderte, stattdessen 97,5 Prozent der Fläche zu versorgen.

Immerhin machte der Referent den Ausschussmitgliedern ein wenig Hoffnung. Bund und Länder planten neue Förderprogramme für Randgebiete. Der Bund stelle 1,1 Milliarden Euro bereit, mit denen die Mobilfunknetzbetreiber 5000 neue Masten in unterversorgten Gebieten aufstellen könnten. Das Land bezuschusse Kommunen, damit diese in unterversorgten Gebieten Funktürme aufstellen und selber betreiben oder deren Bau und Betrieb ausschreiben könnten. Fazit: Der Landrat und alle anderen müssen sich wohl noch eine ganze Weile über unterbrochene Telefonate und abreißende Verbindungen ins Internet ärgern. Nur den Vögeln auf Memmert dürfte das egal sein.

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