Kommunalwahl
Diskussion über Bauland, Bürgerbus und Bares
Vier Männer und eine Frau kandidieren für das Bürgermeisteramt in der Samtgemeinde Jümme. Wie sie sich ihre Arbeit vorstellen, welche Ziele sie haben, diskutierten sie mit der Ostfriesen-Zeitung.
Jümme - Themen gibt es in Jümme genug. Einheitsgemeinde ja oder nein? Den Zuzug junger Familien und die Ansiedlung weiterer Gewerbebetriebe fördern – nur wie, wenn es kein Bauland gibt? Was gibt es zu tun, um den Tourismus voranzubringen?
Darüber diskutierten am Montagabend Jessika Tuitjer aus Nortmoor, Meik Mervar aus Stickhausen, Christoph Busboom aus Holtland, Alexander Martens aus Deternerlehe und Mario Leggeri aus Nortmoor in einer Online-Podiumsdiskussion der Ostfriesen-Zeitung. Die Video-Diskussion wurde von OZ-Redaktionsleiterin Nikola Nording und OZ-Redakteurin Christine Schneider-Berents moderiert. Die Aufzeichnung kann jederzeit und von jedermann im Netz angesehen werden.
Nur eine Gemeinde
Jessika Tuitjer sah sich genötigt, an dieser Stelle für die Nortmoorer eine Lanze zu brechen. Deren Bürgerinnen und Bürger werde häufig vorgeworfen, gegen eine Einheitsgemeinde zu sein. Dem sei nicht so. Es müsse einfach mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Alexander Martens plädierte dafür, dass vor einer solchen Entscheidung erst einmal alle Fakten auf den Tisch liegen sollten. Den Leuten müsse klar sein, welche Einsparungen und welche Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch welche Verluste eine Gemeindefusion mit sich bringe.
Drängende Probleme
Alexander Martens sagte: „Jede Gemeinde lebt von Zuzug und Ausbau.“ Er gehört zu den Bürgermeisterkandidaten, die sich ein Punktesystem für die Vergabe von Grundstücken vorstellen können. Generell sehe er hinsichtlich der Entwicklung der Samtgemeinde Jümme jedoch keine großen Probleme. Insgesamt sei man in allen Mitgliedsgemeinden gut aufgestellt, was das Angebot an Kitaplätzen und die Ausstattung der Grundschulen angehe. Nachholbedarf sehe er in der Kommunikation der Verwaltung mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie mit Firmen. Jessika Tuitjer war der gleichen Ansicht. Für Meik Mervar ist vorrangig wichtig, erst einmal auf die Verwaltung zu schauen. Seiner Ansicht nach müsse ein Rathaus wie ein freundliches Kundenzentrum agieren. Dort sollte der Dienstleistungsgedanke im Vordergrund stehen. Dazu passe seine Idee, im Rathaus eine Fachkraft zu installieren, die Privatleuten und Firmen bei der Beschaffung von Fördergeldern behilflich ist.
Mobilität auf dem Lande
Wer in Jümme wohnt, kein Auto hat oder nicht selbst fahren kann, ist auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angewiesen. Ältere und Kranke stellt das vor Probleme, denn ein Bus fährt sie beispielsweise nicht bis vor die Tür einer Facharztpraxis in Leer. Deshalb bietet der Senioren- und Behindertenbeirat in der Samtgemeinde einen ehrenamtlichen Fahrdienst an. Doch reicht der? Wer nur einkaufen möchte, kann diesen Service nicht nutzen. Eine Ergänzung wäre ein Bürgerbus unter der Regie der Samtgemeinde.
Das können sich alle Kandidaten auf das Bürgermeisteramt gut vorstellen. Alexander Martens sieht jedoch erst einmal den Landkreis Leer in der Pflicht, sein Konzept für den Anrufbus zu überdenken. Mit dem komme maximal bis zum Bahnhof in Leer, kritisierte er. Meik Mervar appellierte an die Busunternehmen, ihre Fahrpläne zu überarbeiten.
Möglichkeiten für den Tourismus
Beim Wassertourismus seien längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Es fehle ein Anleger an der Jümme in Höhe der Burg. Mervar forderte Ladestationen für E-Bikes und ein besseres gastronomisches Angebot. Jessika Tuitjer verwies darauf, dass es ein 30-Millionen-Euro-Programm für den Ausbau des Wassertourismus in Ostfriesland gebe, für Jümme bisher aber keine Gelder beantragt worden seien. Das könne sie nicht nachvollziehen. Alexander Martens möchte, dass sich der Fremdenverkehr überall in der Samtgemeinde etabliert. Dafür forderte er bessere Konzepte.
Bessere Radwege
Die meisten Radwege in den Mitgliedsgemeinden seien in einem guten Zustand, fand Alexander Martens. Gleichwohl sah er in Detern Handlungsbedarf. Der Radweg an der Hauptstraße sei in einem sehr schlechten Zustand. Diese Ansicht teilte Jessika Tuitjer.
Sie verwies darauf, dass gerade die Radwege, die – wie der in Detern – an einer Landestraße oder die an einer Kreisstraße lägen, nicht in Schuss seien. Da müsse man bei den zuständigen Behörden mehr den Finger in die Wunde legen. „Jümme muss lauter werden. Jümme muss sich wichtig machen“, forderte Tuitjer.