Technologie

Luca-App machte Emder Firmen Strich durch die Rechnung

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 07.09.2021 18:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In vielen Betrieben haben Gäste die Wahl – und geben doch meist Luca den Vorzug. Foto: Päschel
In vielen Betrieben haben Gäste die Wahl – und geben doch meist Luca den Vorzug. Foto: Päschel
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Auf dem Markt der digitalen Kontaktverfolgung hat die Luca-App die unbestrittene Herrschaft übernommen. Dabei gibt es lokale Alternativen. Der große Erfolg lässt aber auf sich warten.

Emden - Es ist der 28. Februar 2021, 21.45 Uhr. In einem Berliner TV-Studio diskutiert die Moderatorin Anne Will mit ihren Gästen über die Corona-Pandemie. Einer von ihnen ist der Musiker Smudo. Er wird die Sendung nutzen, um vor einem Millionenpublikum ein Programm vorzustellen, von dem bis dahin kaum jemand gehört hatte: die Luca-App. Sie soll es ermöglichen, Besuche in Restaurants, Cafés, Geschäften oder Museen zu dokumentieren. Der Erfolg ist gewaltig. Schon während die Sendung läuft, bricht die App unter dem Ansturm an Anfragen zusammen.

Was und warum

Darum geht es: Lokale Alternativen zur Luca-App haben es schwer.

Vor allem interessant für: Kundinnen und Kunden von Gastronomie und Geschäften

Deshalb berichten wir: In Emden gibt es zwei Firmen, die digitale Lösungen zur Kontaktverfolgung eingerichtet haben. Wir wollten wissen, wie gut sie sich gegen Luca behaupten können.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Die Luca-App hat seit dem Auftritt von Smudo die Herrschaft über einen umkämpften Markt übernommen, auf dem auch zwei Emder Unternehmen mitmischen wollten: der Software-Entwickler Trexxon und die MD Hardware & Service GmbH. Doch die Luca-App des Berliner Software-Entwicklers Nexenio zog schon bald davon und hatte bereits Ende Juni mehr als 20 Millionen Nutzer.

Hochwertige App, aber nur wenige Nutzer

Trexxon Geschäftsführer Frank Deiters sagt: „Luca hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Das Emder Unternehmen ist mit seiner App Visitify in das Geschäft der Kontaktverfolgung eingestiegen. Seit dem 26. Januar kann sie für Android-Mobiltelefone heruntergeladen werden. Vier Wochen später saß Smudo bei Anne Will. Visitify verfügt grundsätzlich über dieselben Fähigkeiten wie die Luca-App. Die Anwendung macht einen hochwertigen Eindruck, ist übersichtlich gestaltet und leicht zu bedienen. Der große Erfolg blieb trotzdem aus. Bis Ende August wurde sie nur einige hundert Mal heruntergeladen. Am letzten August-Wochenende sollte eine Spenden- und Gewinnaktion zumindest für das Emder Stadtgebiet einen neuen Schub geben.

Das Unternehmen hat inzwischen reagiert und die Funktionen der Visitify-App erweitert. Zusätzlich zur Gäste-Registrierung sollen Nutzer von den Betrieben, in denen sie ihren Aufenthalt anmelden, aktuelle Informationen bekommen: etwa die Speisekarte von einem Restaurant oder geänderte Öffnungszeiten vom Kiosk um die Ecke. „Es ist keine Werbe-App“, sagt Betriebsleiter Okko Will. „Es soll um Kundenbetreuung gehen.“ Trexxon gibt nicht auf und hofft, die App für eine Zeit nach der Pandemie rüsten zu können.

Browserbasierte Lösung soll durch Einfachheit punkten

Die Emder MD Hardware & Service GmbH richtete bereits im Herbst 2020 die Internetseite www.saveyourguest.de ein. Ursprünglich entstand das Konzept in Kooperation mit dem TB Twixlum. „Es diente als Lösung für die Kontaktdatenerfassung der Zuschauer zu den Fußballspielen“, erklärt Projektmanager Frank Milich. Das Angebot unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von Luca und Visitify: Für die Nutzung muss keine App auf das Handy geladen werden. Es genügt, die Seite im Internet-Browser aufzurufen. „Der größte Vorteil liegt in der einfachen Handhabung“, so Milich. Zudem stünden Änderungen und Erweiterungen in der Software sofort allen Nutzern zur Verfügung.

Für den großen überregionalen Durchbruch hat das bislang nicht gereicht. Immerhin nutzen nach Angaben von MD Hardware & Service inzwischen 50 Emder Vereine, Firmen und Organisationen das Angebot. Für die Zukunft solle die Koexistenz neben Luca bestehen bleiben. Man wolle auf lokaler Ebene punkten, so Milich. „Wir betreuen etwa die Sommerbühne der Sparkasse und die Emder Börse im September.“

Gastronomen können kaum auf Luca verzichten

Der Vorsitzende des Emder Dehoga-Kreisverbandes Karl-Heinz Wittwer bedauert, dass sich die lokalen Luca-Alternativen bislang kaum etablieren konnten. „Das ist schade, aber am Ende entscheidet das der Gast“, sagt er. „Und mit Luca kommen Gäste eben überall hinein.“ Für die Kundinnen und Kunden sei es schlicht einfacher, eine App in jedem Restaurant und Geschäft nutzen zu können.

Zwar ist auch Wittwer davon überzeugt, dass die Emder Alternativen sich gegenüber Luca nicht verstecken müssten, doch die Vermarktung sei angesichts der Übermacht der Konkurrenz schwierig. „Die Luca-App wurde auch von der Bundesregierung ziemlich beworben“, sagt er. „Lokale Anbieter haben es da einfach schwer.“ Auf Luca zu verzichten, könne sich kaum ein Gastronom leisten. „Aktuell haben wir auch viele überregionale Gäste“, erklärt Wittwer. „Deshalb führt an Luca kein Weg vorbei.“

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