Verkehr

Das hilft gegen Raser vor der eigenen Haustür

Nora Kraft
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Von Nora Kraft
| 07.09.2021 11:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Charlotte, Janneke, Yannick und Stine (von links) gehen in den evangelischen Kindergarten Leer an der Logabirumer Straße. Hier fahren die Autos oft mit zu hohen Geschwindigkeiten vorbei. Foto: Ortgies
Charlotte, Janneke, Yannick und Stine (von links) gehen in den evangelischen Kindergarten Leer an der Logabirumer Straße. Hier fahren die Autos oft mit zu hohen Geschwindigkeiten vorbei. Foto: Ortgies
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Sie sind nicht nur laut, sondern auch gefährlich: Raser vor der eigenen Haustür. Nicht alle Maßnahmen sind erlaubt, um sie zu stoppen.

Was und warum

Darum geht es: Oft bringen Anwohner Bobbycars und Schilder an ihren Gartenzäunen an, um Raser auf das Tempolimit aufmerksam zu machen. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten.

Vor allem interessant für: Familien mit Kindern und Anwohner in Wohngebieten, die gegen Raser in der Straße vorgehen wollen.

Deshalb berichten wir: Nicht alle eigenständigen Versuche, Raser zu stoppen, sind erlaubt. Wir haben nachgefragt, was geht.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.kraft@zgo.de

Leer - Raser sind gefährlich: Ob auf Autobahnen, im Stadtzentrum, vor Schulen und Kindergärten oder in Anliegerstraßen. Besonders in Wohnsiedlungen sieht man vielerorts Schilder in Vorgärten, die Schnellfahrer stoppen sollen. Auch mit Bobbycars, die gerne an Gartenzäune gekettet werden, erhoffen sich Bürger Aufmerksamkeit. Wir haben uns umgehört, ob solche Maßnahmen erlaubt sind und welche weiteren Möglichkeiten es gibt, Rasern Einhalt zu gebieten.

Um Verkehrsteilnehmer auf das Tempolimit vor der eigenen Haustür aufmerksam zu machen, sei das Aufstellen von Schildern oder Bobbycars im eigenen Vorgarten erlaubt, sagt Polizeisprecherin Svenia Temmen von der Polizeiinspektion Leer-Emden. „Sobald Anwohner jedoch in den Straßenverkehr eingreifen, ist das verboten und wird von uns verfolgt“, so Temmen.

Aktives Eingreifen in den Verkehr wird geahndet

Werfen Anwohner beispielsweise Bälle auf die Straße, um Raser zu bremsen, zähle das als aktives Eingreifen in den Verkehr und sei eine Verkehrsbehinderung, die geahndet werden müsse. Im Gebiet der Polizeiinspektion Leer-Emden seien solche Vorfälle eher selten, sagt Temmen. Bringen Anwohner allerdings Schilder an städtischen Einrichtungen oder an Straßenlaternen an, rücke nicht gleich die Polizei aus. Es sei dann Sache der Stadt, wie sie damit umgehe, so die Polizeisprecherin. „In erster Linie geht es ja auch darum, dass dort, wo Anwohner Schilder und insbesondere Bobbycars aufstellen, Kinder wohnen“, sagt Karl-Heinz Hellmers. Der Geschäftsführer der Verkehrswacht Aurich wohne selber in einer Siedlung, in der viele Kinder an den Straßen spielen. Dort habe die Verkehrswacht an einer Kreuzung, die von Autofahrern oft zu schnell befahren wird und die wegen großer Hecken schlecht einsehbar sei, grüne Männchen aufgestellt.

Sie sollten auf die Geschwindigkeitsbegrenzung aufmerksam machen. Mit Erfolg. Nicht nur, dass die Autofahrer vorsichtiger fuhren, auch die Kinder wurden sich der Gefahr schnell fahrender Autos bewusst. Hellmers betont, dass Warnschilder Aufmerksamkeit erregen sollten, aber nicht im öffentlichen Verkehrsraum, außerhalb von privatem Grund, aufgestellt werden dürften, da sie sonst den Verkehr behindern würden. Mit den Bannern zum Schulstart, die insbesondere auf Kinder im Straßenverkehr deuten, verhalte es sich ähnlich wie mit den Schildern, so Hellmers. „Die Erstklässler-Banner befestigen wir an Geländern oder Bauzäunen“, sagt er. Sie könnten dort problemlos angebracht werden, solange sie freie Sicht böten und den Verkehr nicht behinderten.

Den Kontakt zu Verkehrswacht und Polizei suchen

Besorgte Anwohner können Warnschilder und Spielzeugautos problemlos im Vorgarten platzieren. Aber wie verhält es sich mit einer Blitzer-Attrappe am Gartenzaun? „Im eigenen Garten kann alles aufgestellt werden“, sagt Hellmers. Eine Blitzer-Attrappe unterscheide sich schließlich kaum von einem Vogelhäuschen. Allerdings empfiehlt Hellmers den Anwohnern, bei Ärgernissen über Raser sich mit der Verkehrswacht in Verbindung zu setzen. „Schilder für den Vorgarten gibt es auch bei uns“, sagt er.

Schilder der Verkehrswacht stehen neben einem kleinen roten Trecker auch auf dem Grünstreifen vor dem evangelischen Kindergarten Leer. „Die Schilder haben wir auf Initiative der Eltern aufgestellt“, sagt Sonja Weelborg. Die kommissarische Leiterin des Kindergartens könne aber nicht sagen, ob die Geschwindigkeiten auf der oft zu schnell befahrenen Logabirumer Straße dadurch wirklich niedriger würden.

Wenn die Autofahrer immer noch rasen, solle die Polizei hinzugezogen werden, empfiehlt Hellmers. Denn Verkehrswacht und Polizei seien einige problematische Stellen bereits bekannt. „Wir sind hilfsbereit, wir kümmern uns“, sagt er. Hellmers arbeitet eng mit der Polizei zusammen. „Bei der Verkehrswacht sind aktive Leute der Polizei, da besteht ein nahtloser Übergang. Wir schauen uns dann die Örtlichkeiten an und überlegen, was wir dort machen können“, sagt Hellmers. Ob an der Stelle sogar ein höheres Tempolimit festgelegt wird, müsse dann mit dem Landkreis besprochen werden, sagt er. An der Logabirumer Straße werde bereits öfter geblitzt, und das helfe, so Weelborg.

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