Mein Garten und ich
Grünes Reich unter hohen Bäumen
Mit Stauden fing alles an – doch nach und nach wurde aus dem früheren landwirtschaftlich genutzten Grundstück ein kleiner Park. Anke und Heinrich de Vries haben hunderte Bäume gepflanzt.
Ostfriesland - Alles begann mit Stauden, die Anke de Vries am Haus Anfang der 90er Jahre einpflanzte. Mehrere Fichten, die am Haus standen, wurden entfernt, „mit großem Gerät“, wie die 56-Jährige erzählt. Dort legte sie Beete an. Aber dabei blieb es nicht: Heute ist das Grundstück, auf dem ihre Schwiegereltern eine kleine Landwirtschaft betrieben hatten, ein Park mit hohen Bäumen, Teichen und geschwungenen Wegen. Hunderte Bäume hat ihr Mann Heinrich de Vries gepflanzt, die ein grünes Dach bilden.
Wie stark sich alles verändert hat, belegt ein Artikel über den Garten der Familie de Vries in dem Buch „Gärten in Ostfriesland“ von Cordula Hamann. Die Bremerin hatte das Grundstück in Südarle 2011 in diesem Buch beschrieben und in Fotos vorgestellt. An welchen Stellen die Bilder entstanden, ist noch ohne weiteres nachzuvollziehen – aber es wirkt zum Teil ganz anders. „Die Bäume sind viel größer geworden, und die Buchsbaumeinfassung im Gemüsegarten gibt es nicht mehr“, sagt Anke de Vries.
Buchshecken sind verschwunden
Diese formale Gestaltung des Gemüsegartens hat sie aufgegeben. Stattdessen gibt es ein großes Gewächshaus an der Stelle. Jetzt, im Spätsommer wachsen noch Bohnen in den Gemüsebeeten und Kapuzinerkresse legt ihre Triebe mit orangen Blüten über den Boden. Die 56-Jährige zeigt auf die abgeernteten Erdbeeren: „Die müssen noch geteilt und neu gesetzt werden.“
Wenn man wollte, könnte man auf dem Grundstück im Moor stundenlang spazieren gehen. Die Wege führen meist sanft geschwungen durch die verschiedenen Abteilungen. Wir sind in einem kleinen Birkenwäldchen angekommen, das Heinrich de Vries auf der ehemaligen Kuhweide gepflanzt hat. Die hellen Stämme leuchten auch bei wenig Licht, doch die lichteren Baumkronen lassen noch Sonne durch. Nur ein Stückchen weiter ist eine kleine Allee zu erkennen, die zum Haus zurückführt, aber wir gehen weiter.
Am Teich wurde oft gefeiert
Ein Weg endet an der Grundstücksgrenze, aber nicht der Blick: Der schweift über die Landschaft auf die Nachbarhäuser. „Das wirkt wie ein Fenster“, findet Anke de Vries. Wir schlagen den Weg unter den Bäumen ein, und kommen an einem großen Teich wieder heraus. Der Boden ist feucht, die Räder des Rasentraktors haben Spuren hinterlassen. Trotzdem ist man verblüfft, an dieser Stelle an so einen großen See zu kommen.
„Wir hatten Glück, am Boden ist eine dicke Lehmschicht“, sagt sie. Als 1995 der Bagger anrückte, um nach den Ideen ihres Mannes den Boden abzutragen, war das nicht bekannt. Aber der Untergrund sorgt dafür, dass das Wasser nicht abfließt, ganz ohne Abdichtung mit Folie oder Ähnlichem. An manchen Stellen sei der Teich vier bis fünf Meter tief.
Karpfen knabbern an Seerosen
An dem Gartenhaus mit Holzterrasse direkt am Wasser liegt ein kleines Boot, mit dem man über das Gewässer paddeln kann. Auch zum Schwimmen sei der Teich geeignet. Seit ihr Sohn Graskarpfen in dem Teich ausgesetzt hat, haben die Seerosen weniger Blätter. Anke de Vries bedauert das ein wenig, aber es sei eben Natur.
Genauso sieht sie das mit den Nacktschnecken, die in diesem Jahr ihren Hostas zugesetzt haben. „Ich habe um die hundert verschiedene Sorten“, sagt Anke de Vries. Die meisten wachsen in Töpfen, viele stehen im Schatten mehrerer Bäume am Haus. Schneckenkorn will sie nicht streuen, weil dort im Schatten auch Tigerschnegel leben – diese geschützte Schneckenart würde durch das Gift Schaden nehmen.
Es blüht noch im Staudenbeet
Die Terrasse direkt am Haus sei im Sommer das Wohnzimmer, sagt sie. Das Ehepaar betreibt selbst keine Landwirtschaft, die habe ihr Sohn übernommen. Er hält eine Herde Charolais-Rinder, die man in der Ferne grasen sieht. Die Kinder leben mit im Haus.In den Staudenbeeten blüht es noch üppig: Auf den Blüten des Kerzenknöterichs saugen viele Bienen Nektar – de Vries’ sind Imker und haben mehrere Völker – und auf den gelben Blüten des Sonnenhuts lassen sich Schmetterlinge nieder.
Seit Anfang der 2000er Jahre öffnet Anke de Vries den Garten für Besucher, den Anstoß dazu habe ein Seminar bei der Landwirtschaftskammer gegeben, „Bäuerinnen öffnen ihre Gärten“, später „Bauerngärten im Nordwesten“. Mit Corona kamen die Besuchertage zum Erliegen, aber wer den Garten mit den hohen Bäumen und Familie de Vries besuchen möchte, kann sich unter Tel. 04936 / 1862 anmelden.