Hamburg

Nach #allesdichtmachen: Jetzt wettert Til Schweiger gegen das Impfen

Justus Wilke
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Von Justus Wilke
| 06.09.2021 15:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Til Schweiger, Schauspieler und Regisseur, spricht sich in einem Trailer gegen Kinder-Impfungen aus. Foto: dpa/Tobias Hase
Til Schweiger, Schauspieler und Regisseur, spricht sich in einem Trailer gegen Kinder-Impfungen aus. Foto: dpa/Tobias Hase
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Im April hatten bei #allesdichtmachen zahlreiche Schauspieler die Corona-Politik kritisiert. Nun sorgt ein ähnliches Video für Wirbel; unter anderem mit Til Schweiger, der die Kinder-Impfung als „entsetzlich“ bezeichnet.

Der deutsche Regisseur und Schauspieler Til Schweiger hat sich gegen die Corona-Impfung von Kindern ausgesprochen und damit für viel Wirbel im Netz gesorgt. In einem Trailer zum Dokumentarfilm „Eine andere Freiheit“ sagte er: „Für Kinder ist dieses Virus absolut harmlos und die Gefahr von so einer Impfung, die man nicht erforscht hat, ist ungleich höher als der Virus selber, deswegen halte ich persönlich das für entsetzlich, entsetzlich finde ich das.“

Dass alle Corona-Vakzine vor ihrer Zulassung in mehreren Studien erforscht und getestet worden sind, verschweigt der Schauspieler. In ihrer Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren schreibt die Ständige Impfkommission (Stiko), dass in der Altersgruppe „nach gegenwärtigem Wissenstand die Vorteile der Impfung deutlich die möglichen, sehr seltenen Impfnebenwirkungen“ überwögen.

Zahlreiche weitere Schauspieler beteiligt

Der etwa sechsminütige Trailer ist mit Klaviermusik unterlegt, Schweigers Szene ist mit einem einem kontrastreichen Schwarz-weiß-Effekt bearbeitet worden. Neben Schweiger, der aus Filmen wie „Keinohrhasen“, „Kokowääh“ sowie aus dem Hamburger „Tatort“ bekannt ist, kommen in dem Trailer weitere, Schauspielerinnen und Schauspieler zu Wort. Unter anderem äußern sich Nina Proll, Miriam Stein, Dietrich Brüggemann und Christine Sommer, die jeweils auch in Videos zu #allesdichtmachen zu sehen waren. Brüggemann war vor knapp einem halben Jahr eine zentrale Figur der Aktion. Darüber hinaus beteiligten sich laut Videobeschreibung mehrere Ärzte und Wissenschaftler an dem Film.

Somit haben wie schon bei der Aktion #allesdichtmachen mehrere deutschsprachige Schauspieler mit einem Video für viel Wirbel im Netz gesorgt. Im April hatten unter anderem Jan Josef Liefers und Ulrich Tukur (beide „Tatort“) sowie Volker Bruch („Babylon Berlin“) oder Wotan Wilke Möhring („Männerherzen“) mit ironisch gemeinten Kurzvideos die Corona-Politik der Bundesregierung sowie die Berichterstattung der Medien kritisiert.

Schweiger: „Grundgesetz außer Kraft gesetzt“

Schweiger spricht in dem Trailer außerdem von einer angeblichen Gesetzesänderung, die das Grundgesetz außer Kraft gesetzt habe. „Damit werden die Leute praktisch erpresst oder verführt, indem man sagt: Wir geben euch einen Teil eurer Grundrechte, die man uns ja eigentlich wegen der Verfassung nicht nehmen darf, aber dann könnt ihr wieder reisen und die Kinder können wieder ohne Angst zu Oma gehen.“

Mehr zum Thema:

Der Film „Eine andere Freiheit“ wurde von den Regisseuren Patricia Josefine Marchart und Georg Sabransky realisiert, denen offenbar auch die zuständige Produktionsfirma „Schutzfilm“ gehört. Auf YouTube hat der Kanal lediglich 3160 Abonnenten (Stand Montagmittag), nach Angaben des „Stern“ waren es am Sonntagabend sogar nur 1900. Der Film ist nach „Schutzfilm“-Angaben ausschließlich aus Spendengelder finanziert worden. Der insgesamt 80-minütige Dokumentarfilm soll in Kürze veröffentlich werden, heißt es auf YouTube. Zum Erscheinungsort gibt es keine Angaben.

Hashtag „Schweiger“ hoch im Kurs

In den sozialen Medien trenden derweil die Hashtags „Schweiger“ und „False Balancing“. False Balancing ist ein Begriff, der eine falsche Ausgewogenheit in der medialen Berichterstattung bezeichnet. Das Phänomen trifft zu, wenn beispielsweise im Wissenschaftsjournalismus Meinungen von Minderheiten den Aussagen von Experten gleichgestellt werden, was die Wissenschaftler weniger glaubwürdig erscheinen lässt.

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