Wahl-Umfragen
Die Qual der Wahl
Olaf Scholz zieht plötzlich Armin Laschet und Annalena Baerbock in den Umfragen zur Bundestagswahl davon. Aber das liegt nicht an der SPD. Vielmehr quält viele Deutsche eine Frage besonders.
Olaf Scholz macht für die SPD den Phönix aus der Asche: Vor wenigen Monaten sah es noch so aus, als ob die Union ein Abo aufs Kanzleramt hätte, nachdem sich Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock mit einer Serie von Fehlern selbst ins Abseits geschossen hatte. Doch auch der CDU-Kanzlerkandidat zeigt Schwächen. Allein die Bilder von Armin Laschets Lachen bei der Flutkatastrophe haben Vertrauen gekostet. Scholz dagegen hat sich bislang keinen groben Schnitzer erlaubt. Er sprüht nicht vor Charme, aber er wirkt solide und strahlt eine gewisse Verlässlichkeit aus.
Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Die Umfragewerte der SPD sind nur Mittelmaß und eine Momentaufnahme. Im Grunde dümpeln Union, SPD und Grüne um die 20-Prozent-Marke herum. Hinter den Schwankungen in den Umfragen verbirgt sich eine tiefe Verunsicherung vieler Bürger. Es stehen drei Kandidaten zur Wahl, aber kein Anwärter aufs Kanzleramt, bei dem eine Mehrheit spontan begeistert ruft: Der oder die bringt Deutschland bei Klimaschutz und Digitalisierung wieder nach vorn.
Diese Bundestagswahl wird angesichts der vielen Unentschlossenen und Zweifelnden spannend wie selten. Viele Bürger quälen sich diesmal nicht mit der Frage, was das Beste für Deutschland wäre, sondern grübeln darüber: Was ist das kleinere politische Übel?