Kriminalität
Gründer des „Emirats Ostfriesland“ ist „mutmaßlich gefährlich“
Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft hat einen Mann aus dem Verkehr gezogen, der als Vertreter eines „Emirats Ostfriesland“ agiert. Sie fürchtet, dass er gefährlich geworden ist.
Ostfriesland/Berlin - „Ich befinde mich in Untersuchungshaft wegen dem sogenannten Emirat Ostfriesland“, schrieb derjenige an unsere Redaktion, der bislang als einziger Vertreter dieses angeblichen Emirats aufgefallen ist – indem er Briefe nach Ostfriesland schickte und Video-Botschaften veröffentlichte. Er bezeichnet sein Emirat als „eigentlich etwas ganz harmloses – doch die Generalstaatsanwaltschaft Berlin vermutet mehr dahinter“.
Die Generalstaatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann „mutmaßlich gefährlich geworden ist“. Das schreib sie, wie sich jetzt auf Anfrage unserer Zeitung herausstellte, am 23. Juli auf dem Kurznachrichten-Portal Twitter. Dort ist von einem „psychisch erkrankten, schuldunfähigen 40-jährigen Mann“ die Rede, „der in den letzten Jahren lediglich durch eine Vielzahl willkürlich bundesweit versandter islamistischer Missionierungs-SMS auffällig war“. Aber: „Nach mehreren Gewalttaten, derer er dringend verdächtig ist, ist er auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Berlin vorläufig im Krankenhaus des Maßregelvollzugs Berlin untergebracht.“ Ein Sprecher der Ermittlungsbehörde erläuterte, dass es sich um eine „geschlossene Psychiatrie“ handle.
Ein „Einzeltäter“, der offenbar wollte, dass Soldaten getötet werden
Ermittelt wird demnach wegen Sachbeschädigung, Diebstahl und des Aufrufs zum Töten von Bundeswehrsoldaten. Laut Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft soll der Mann einen Bundeswehrsoldaten aufgefordert haben, Kameraden zu töten. Unsere Zeitung berichtete im Juni, dass er Mitte Mai in einem Youtube-Video dazu aufgerufen habe, ostfriesische Soldaten anzugreifen und Deutschland-Flaggen von Masten zu reißen.
Der Mann bezeichne sich als Gründer des „Emirats Ostfriesland“, so der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft. Es handle sich aber um einen „Einzeltäter“. Und: „Er hat nichts mit Ostfriesland zu tun.“ Der Mann habe sich willkürlich Personen ausgeguckt und sie aufgefordert zum Islam überzutreten – sonst passiere was. Darüber hatte unsere Zeitung bereits im Jahr 2017 berichtet.
Generalstaatsanwaltschaft will den Mann in der Psychiatrie unterbringen
Ziel der Generalstaatsanwaltschaft sei es, den Mann weitergehend in der Psychiatrie unterzubringen, erklärte der Pressesprecher. „Ob endgültig“, das müsse in einem Unterbringungsverfahren geklärt werden.
Der jüngste Brief des Mannes an die Redaktion ist am „19.01.1443“ verfasst. Das ist ein Datum aus dem islamischen Kalender, das wohl dem 28. August 2021 entspricht. „Nach all dem, was mir in der Bundeshauptstadt Berlin widerfahren ist, spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, nach Ostfriesland auszuwandern“, schreibt er. „Auch wenn das hieße, dass ich vorerst in einem Obdachlosenheim unterkommen müsste.“
Brief: „Gott sei Dank“ haben die Taliban Afghanistan „befreit“
Dann folgt ein Satz, in dem nicht etwa Allah erwähnt wird: „Gott sei Dank ist es den Taliban gelungen, Afghanistan zu befreien.“ Anschließend bedauert der Mann, dass er dieses Mal „leider ohne Stempel“ schreibe. Ein Brief aus dem Frühjahr trug den Stempel: „Emirat Ostfriesland i. G. - Rechtsabteilung“. In einem Bericht unserer Zeitung aus dem Jahr 2020 ist ein Video erwähnt, in dem sich der Mann als Mitglied der Rechtsleitung bezeichne. Außerdem sagte er damals offenbar: „Diejenigen, die das ,Emirat Ostfriesland‘ als blanken Unsinn beziehungsweise Ostfriesenwitz abtun, haben entweder keine Ahnung oder sie lügen.“
In dem bereits erwähnten Brief aus dem Frühjahr stand: „Wir rekrutieren Kämpfer gegen die sogenannte Bundesrepublik Deutschland – indem wir existieren.“ Außerdem bekannte er sich darin zu „Allahu-Ekber-Anrufen in Wiesmoor“.