Soziales
Bestattung im Wald: Bald auch in Popens?
In Aurich wetteifern drei Anbieter um den Betrieb eines Begräbniswaldes. Der größte Anbieter, die Friedwald GmbH aus Hessen, ist wahrscheinlich aus dem Rennen. Kritische Töne kommen von der Kirche.
Aurich - Ein Baum als letzte Ruhestätte, so etwas wird es bald auch in Aurich geben. Die Stadt bekommt einen Begräbniswald, voraussichtlich in Popens. In einer solchen Anlage werden biologisch abbaubare Urnen mit der Asche der Verstorbenen an Baumwurzeln beigesetzt. Die JJ Krematorium Ostfriesland GmbH mit Sitz in Schirum ist Eigentümerin des Popenser Waldes. Sie will dort einen Begräbniswald einrichten und betreiben.
Voraussichtlich ab Mitte kommenden Jahres werden die ersten Baumbestattungen in Popens möglich sein. Diesen Termin nannte Krematoriums-Geschäftsführer Jakob Janssen am Freitag auf Anfrage. Voraussetzung ist allerdings, dass die Stadt ihm den Zuschlag erteilt. Es gibt zwei weitere Bewerber. Der Rat entscheidet darüber am 14. September.
Ortsrat Kernstadt mit klarem Votum
Janssens Konkurrenten sind die Friedwald GmbH aus Hessen, die in Sandhorst einen Bestattungswald anlegen möchte, und die Gedächtniswald Logabirum GmbH aus Sande. Sie schlägt als Standort das Eschener Gehölz vor.
Der Ortsrat Aurich-Kernstadt hat sich am Donnerstagabend mit sieben zu eins Stimmen für den Standort Popens ausgesprochen. Die Stadtverwaltung hatte als Entscheidungshilfe einen Bewertungskatalog erstellt. Darin werden kommunale Interessen, Bürgerinteressen sowie Umwelt- und Naturschutz mit unterschiedlicher Gewichtung berücksichtigt.
Fehlende Barrierefreiheit und fehlender Service
Nach dieser Matrix schneidet das Angebot der Friedwald GmbH, mit mehr als 170.000 Bestattungen pro Jahr Marktführer in Deutschland, deutlich schlechter ab als die beiden anderen. Kritikpunkte sind unter anderem die fehlende Barrierefreiheit, die fehlende Vor-Ort-Betreuung und das fehlende Mitspracherecht der Stadt. Auch in den Punkten Verkehrsanbindung und Naturschutz bekommt die Friedwald GmbH weniger Punkte als die Konkurrenz.
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Bereits 2019 hatte es Kritik gegeben, weil für einen Begräbniswald im Sandhorster Wald im großen Stil Bäume gefällt, der Boden entwässert und Wege für Fahrzeuge angelegt werden sollten. Die Gräflich von Wedelsche Verwaltung schlug daraufhin vor, statt im Sandhorster Wald im Eschener Gehölz einen Gedächtniswald anzulegen. Familie von Wedel betreibt einen solchen Wald in Leer-Logabirum und hat dazu die Gedächtniswald Logabirum GmbH gegründet. Die Anlage im Eschener Gehölz wäre deutlich kleiner als der Friedwald in Sandhorst (6,7 statt 30,7 Hektar). Der nun voraussichtlich lachende Dritte, die Krematorium Ostfriesland GmbH, plant einen 8,5 Hektar großen Begräbniswald.
„Das geht ein Stück weit verloren“
Die Ortsratsmitglieder finden den Standort Popens besser als das Eschener Gehölz, weil dort mehr Platz und mehr Ruhe sei. Im Eschener Gehölz seien sehr viele Radfahrer und Spaziergänger unterwegs, sagte Ingeborg Hartmann-Seibt (SPD). „Das ist viel zu klein. Popens ist besser geeignet.“
Was sagt die Kirche über den Trend zu neuen Bestattungsformen? Die Redaktion hat den Auricher Superintendenten Tido Janssen gefragt. Inhaltlich spreche „nichts gegen Bestattungen am Baum“, sagt der Theologe. Für viele Menschen sei das eine angenehme Vorstellung. Er selbst finde jedoch Friedhöfe schöner, da sie Orte der Gemeinschaft seien, „die auch Geschichten erzählen und Erinnerungen wachhalten“, so Janssen. „Man trifft dort auf Geschichten von Menschen, die in der Stadt ein Gesicht hatten. Das geht ein Stück weit verloren, wenn das immer mehr aufgesplittet wird und die Bestattungsformen immer vielfältiger werden.“ Alternative Bestattungsformen seien auch auf Friedhöfen möglich, zum Beispiel in Form von Rundgräbern mit Bäumen.
Janssen weist zudem auf die finanziellen Folgen hin: Wenn sich immer mehr Menschen gegen eine Bestattung auf städtischen oder kirchlichen Friedhöfen entschieden, dann treibe dies die Friedhofsgebühren in die Höhe. „Das trifft die Armen härter.“ In Aurich gibt es vier städtische Friedhöfe, in Sandhorst, Tannenhausen, Walle und Brockzetel. Der Zentralfriedhof wird von der Lambertigemeinde betrieben.
