Freizeit

Leeraner Stadtverwaltung will Gallimarkt absagen

Katja Mielcarek
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Von Katja Mielcarek
| 03.09.2021 18:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Gallimarkt, wie ihn viele Leeraner und die Besucher aus der Region lieben, wird es in diesem Jahr wohl nicht leben. Foto: Ortgies/Archiv
Ein Gallimarkt, wie ihn viele Leeraner und die Besucher aus der Region lieben, wird es in diesem Jahr wohl nicht leben. Foto: Ortgies/Archiv
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Die Zeichen für den Gallimarkt stehen in diesem Jahr schlecht. Die Leeraner Stadtverwaltung spricht sich wegen der Vorgaben des Landes gegen ihn aus. Noch ist das letzte Wort aber nicht gesprochen.

Leer - Karl-Heinz Langenscheidt, der Chef der ostfriesischen Schausteller, hatte noch einmal alles gegeben: Bei der OZ-Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten in Leer am Mittwoch hielt er aus dem Publikum ein flammendes Plädoyer für ein Stattfinden des Gallimarktes in diesem Jahr. Geholfen hat es wahrscheinlich nicht. In den Unterlagen für die Sitzung des nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschusses am Mittwoch hat die Stadtverwaltung zahlreiche Argumente gegen einen Gallimarkt in diesem Jahr aufgeführt. Sie schlägt den Politikern vor, den traditionsreichen Jahrmarkt abzusagen.

Was und warum

Darum geht es: Die Entscheidung trifft am Mittwoch der Verwaltungsausschuss, aber die Stadtverwaltung hat sich festgelegt: Sie hält es in diesem Jahr nicht für angebracht, den Gallimarkt stattfinden zu lassen.

Vor allem interessant für: Schausteller, Freunde des Gallimarktes und diejenigen, die Angst hatten, dass dessen Durchführung womöglich für einen deutlichen Anstieg der Corona-Zahlen führen würde.

Deshalb berichten wir:

Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de

Stattdessen solle geprüft werden, ob ein Bliede-Park angeboten werden könne. Das ist ein deutlich kleinerer Jahrmarkt in einem abgezäunten Bereich. Mit dieser Art von Veranstaltungen ziehen die ostfriesischen Schausteller seit Monaten durch Nordwest-Deutschland und halten sich so ein Stück weit über Wasser.

Corona-Verordnung des Landes setzt hohe Hürden

Als Hauptgrund für ihre Entscheidung führt die Stadtverwaltung vor allem die neue Corona-Verordnung des Landes ins Feld. Sie verlangt, dass bei Großveranstaltungen ein Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten werden kann. Für die Besucher würden die so genannten 3-G-Regeln gelten, sie müssten also geimpft, genesen oder frisch negativ getestet sein.

Beides bedeutet, dass der gesamte Veranstaltungsplatz eingezäunt sein müsste und eine Einlasskontrolle eingerichtet wird. Die sei aber angesichts der vielen Zugänge „nahezu aussichtslos“, schreibt die Verwaltung. Ebenfalls vom Land gefordert werde, dass die Kontaktdaten aller Besucher festgehalten werden. Vor Ort sei dafür nicht die Zeit, so dass ein internetbasierter Verkauf personalisierter Tickets auf die Beine gestellt werden müsste. Um den verlangten Ausschluss von erkennbar alkoholisierten Personen zu gewährleisten, müsste ein zusätzlicher Sicherheitsdienst engagiert werden – Konflikte seien vorprogrammiert.

Schausteller sind einsichtig

„Den Gallimarkt macht eines ganz besonders aus, nämlich dass es sich bei diesem um eine Innenstadtkirmes handelt“, schreibt die Stadtverwaltung. Den Markt mache aus, dass Menschen aus der ganzen Region ohne Bedingungen gemeinsam feiern könnten. „Das Gütezeichen Gallimarkt würde einen dauerhaften Schaden erleiden, wenn der Markt nicht wie üblich durch seine hochwertige Gestaltung Anklang finden kann, was mit den einzuhaltenden Maßnahmen allein aus wirtschaftlicher Sicht nicht umsetzbar wäre.“

Diese Argumente haben mittlerweile auch Karl-Heinz Langenscheidt überzeugt, der am Donnerstag ein Gespräch mit Bürgermeisterin Beatrix Kuhl (CDU) hatte. „Die Menschenmassen, die wir zum Gallimarkt erwarten, können wir nicht so kontrollieren, wie das notwendig wäre“, sagte er am Freitag. Er setzt nun große Hoffnung auf einen kleineren Freizeitpark, wie sie unter anderem in Papenburg, Emden oder Aurich stattgefunden haben oder stattfinden werden.

Dieser „Bliede-Park“ bestünde aus deutlich weniger Fahrgeschäften und Buden als der Gallimarkt, wäre etwa zehn Tage lang und fände auf einem abgezäunten Bereich statt. „Irgendetwas müssen wir doch machen“, sagt er, „die Menschen wollen doch wieder Abwechslung und ein bisschen Normalität haben“.

Das letzte Wort hat am Mittwoch der Verwaltungsausschuss. In der Region sind in den letzten Wochen unter anderem der Kramermarkt in Oldenburg und das gleichnamige Fest in Delmenhorst abgesagt worden. Der Freimarkt in Bremen dagegen, der vom 15. bis 31. Oktober geplant ist, soll stattfinden.

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