Aufreger

Eltern frustriert: Emotionen kochen im Emder Schulausschuss hoch

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 03.09.2021 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
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Es waren so viele Eltern zum Schulausschuss des Emder Rates gekommen, dass einige der Sitzung im Flur lauschen mussten. Bei den Themen Masken in Grundschulen und Luftfiltern ging es hoch her.

Emden - Es war ein frustrierendes Gespräch für beide Seiten: Zum Schulausschuss des Emder Rates waren am Donnerstabend zahlreiche Eltern gekommen. Weil die Plätze für Einwohner nicht für alle reichten, durften einige bei offener Ratssaal-Tür im Flur der Sitzung beiwohnen. Mitarbeiter des Ordnungsamts waren vor Ort. Applaus sowie kritische Zwischenrufe kamen im Laufe des Ausschusses von zahlreichen Anwesenden.

Was und warum

Darum geht es: Im Schulausschuss des Emder Rates wurde nicht immer sachlich diskutiert. Es ging um emotionale Themen.

Vor allem interessant für: Eltern in Emden, Politik- und Verwaltungsinteressierte

Deshalb berichten wir: Wir hatten vor dem Ausschuss bereits mit frustrierten Eltern gesprochen und haben dann im Ausschuss die Diskussion beziehungsweise Reaktionen verfolgt.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Die Ausschussvorsitzende Doris Kruse musste mehrfach um Mäßigung bitten, einmal schlug sie sogar die Sitzungsglocke, was sehr selten vorkommt. Die Verwaltungsmitarbeiter standen Rede und Antwort, konnten aber die Kritiker nicht wirklich besänftigen - teilweise im Gegenteil. Streitthemen: die für vorerst vier Wochen geltende Maskenpflicht für Grundschulkinder sowie laut Eltern wenig Konkretes zum Thema Luftfiltergeräte.

Die Kritik der Eltern

Die Emderin Susanne Veltrup kam im Schulausschuss zu Wort. Sie wünscht sich ein Treffen zwischen Eltern und Verwaltung. Fotos: Hanssen
Die Emderin Susanne Veltrup kam im Schulausschuss zu Wort. Sie wünscht sich ein Treffen zwischen Eltern und Verwaltung. Fotos: Hanssen
Im Voraus der Sitzung hatte die Stadt bereits über die sozialen Medien sowie gegenüber der Presse mitgeteilt, dass alle 14 Sitzplätze für Einwohner belegt seien - und dass Fragen sowie Kritik zur Maskenpflicht bei der Ausschusssitzung eigentlich nicht geäußert werden dürfen. Denn: Nur zu den Punkten auf der Tagesordnung dürfen sich Einwohner aussprechen. Zur Maskenpflicht stand dort nichts. Dennoch ließ der Ausschuss unter anderem die Emderin Susanne Veltrup zu Wort kommen, die der Verwaltung einen Brief übergab und um ein Treffen zwischen Eltern und Entscheidungsträgern bat. „Ich wäre sehr dankbar, wenn man das mal ansprechen könnte. Wir Eltern werden nie gehört“, sagte sie. Sie hoffe, dass „der Druck und die Sorge“, die sie als Eltern in dieser Zeit empfanden, auch an die zuständigen Stellen weitergeleitet werde.

„Warum machen wir nichts?“, wollte Zerrin Mentjes, Vorsitzende des Stadtelternrats, wissen. Der Stadtelternrat hatte - wie auch die CDU- und die FDP-Fraktion - einen Antrag gestellt, um die Ausstattung der Schulen mit Luftfiltergeräten voranzubringen beziehungsweise etwas über den aktuellen Stand der Maßnahme zu erfahren. Sie fürchte, dass im Winter die Kinder bei offenem Fenster und „mit Maske im Gesicht“ frierend am Unterricht teilnehmen müssen. Die nächste Virus-Variante werde kommen. „Das Virus wird nicht weggehen und dann stehen wir wieder am Anfang“, betonte sie. Deswegen hätten die Schulen längst mit Filtergeräten oder -anlagen ausgestattet sein sollen.

Das erwiderten Verwaltung und Politik

Für Thomas Sprengelmeyer, Leiter des Fachbereichs Jugend, Schule und Sport, und Volker Grendel, Leiter des Fachbereichs Gesundheits und Soziales, blieb nicht viel Spielraum für Erwiderungen. Denn: Die neuen Vorgaben zum Schulbeginn stammen von der Landesregierung. Die Stadt Emden ist verpflichtet, die Vorgaben umzusetzen. Er sei hoffnungsvoll, dass es in drei bis vier Wochen eine Lockerung der Grundschul-Maskenpflicht und anderer Maßnahmen geben werde, so Sprengelmeyer. Das Land Niedersachsen habe die Regeln aus der Erfahrung der Bundesländer abgeleitet, bei denen der Schulbeginn die Inzidenzwerte deutlich in die Höhe getrieben hatte, erklärte Grendel.

Volker Grendel, Leiter des Fachbereichs Gesundheits und Soziales, musste sich zahlreichen Fragen stellen.
Volker Grendel, Leiter des Fachbereichs Gesundheits und Soziales, musste sich zahlreichen Fragen stellen.
Auch die leidige Situation rund um die Luftfiltergeräte sei eine Folge der Landesregelungen, so Grendel. Denn: Erst kurz vor den Sommerferien hatte das Land mitgeteilt, jetzt doch Luftfiltergeräte und -anlagen zu fördern. Genaue Richtlinien zur Art der Geräte folgten erst in den Sommerferien. Erst ab da habe die Stadt eine Ausschreibung starten, also Firmen um Angebote für Anschaffung und Ausstattung der Schulen bitten können. Laut Gesetz darf die Stadt nicht einfach einen lokalen Anbieter aussuchen und das Ausschreibeverfahren überspringen.

Hier wurde es laut

Die Ausschreibung läuft nun bereits - und endet am 7. September. In der Woche darauf könne entsprechend schon mehr zu den Bewerbern und deren Angeboten mitgeteilt werden, so Sprengelmeyer. Sobald einer ausgewählt ist, könnten Geräte bestellt werden. Die Idee der Stadt: erst einmal mobile Geräte bestellen und dann langfristig Anlagen in die Schulen einbauen. In ein paar Wochen könnten die Schulen dann schon mit den Luftfiltergeräten ausgestattet sein, so Sprengelmeyer. Diese Aussage kritisierte Katja Lechner, Lehrerin und Vertreterin der Arbeitnehmerverbände im Ausschuss, scharf. Sprengelmeyer solle nicht behaupten, dass die Geräte so zeitnah geliefert werden können, meinte sie. „Denn das stimmt nicht, es wird nicht mehr in diesem Schuljahr stattfinden“, sagte sie. Landes-, bundes- und sogar weltweit würden derzeit die Geräte und Anlagen bestellt. Eine rasche Auslieferung in Zeiten, in denen ohnehin viele Lieferungen verzögert seien, halte sie für unmöglich. „Sie fahren nicht gut damit, etwas zu erzählen, um die Leute ruhig zu stellen“, sagte sie unter dem Applaus der Eltern.

Grendel hatte auf die Kritik der Eltern auch unter anderem betont, dass die Maßnahmen von der Landesregierung als demokratisch legitimierte, also von der Mehrheit der Menschen in Niedersachsen gewählte, Institution kamen. „Die Regierung versucht einen Weg zu finden“, betonte er. Aber: In Corona-Zeiten gebe es so viele Interessengruppen, dass jede Entscheidung bei bis zu 40 Prozent der Leuten auf Widerstand stoße. Lechner warf ihm daraufhin vor, die Zuhörer belehren und mit seiner Erklärung der legitimierten Landesregierung stumm stellen zu wollen. „Sie können den Eltern nicht sagen, dass sie nicht mehr selbst nachdenken sollen“, meinte sie. Das wies Grendel zurück. „Ich habe dargestellt, dass die Landesregierung das Recht hat, Gesetze zu erlassen.“ Politik funktioniere durch Opposition.

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