Beruf
Auch in Ostfriesland werden immer mehr IT-Fachkräfte gesucht
Informatiker werden in immer mehr Berufen gebraucht. Etwa 86.000 Stellen für IT-Fachkräfte sind bundesweit jedoch unbesetzt. Was wird in Ostfriesland getan, um Software-Entwickler und Co. zu fördern?
Ostfriesland - Wohl kaum eine Fachkraft ist aktuell so gefragt wie Informationstechniker (IT). Mit der Digitalisierung hat die Nachfrage beispielsweise nach Software-Entwicklern, IT-Projektmanagern oder IT-Security-Experten in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen.
Eine Erhebung des Bundesverbands für Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) verdeutlicht, wie hoch der Bedarf an geeigneten IT-Kräften ist: 86.000 Stellen für IT-Experten sind nach neuestem Stand bundesweit nicht besetzt. Im Durchschnitt dauert es nach Angaben von Bitkom sechs Monate, eine offene IT-Stelle zu besetzen. Wie sieht die Situation in Ostfriesland aus? Und was wird gegen den Fachkräftemangel getan?
Informatik als Reguläres Schulfach?
„Natürlich steigt auch in Ostfriesland die Nachfrage aufgrund des digitalen Booms. IT-Kräfte werden überall benötigt“, sagt Andreas Meinders. Er ist Vorstandsmitglied des Software-Netzwerks Leer. Der aus 13 Leeraner Software-Unternehmen bestehende Verein wurde im März 2011 mit dem Ziel gegründet, den Standort Leer für IT-Kräfte interessanter zu machen und junge IT-Talente zu fördern. „Seit der Gründung konnten wir die Zahl an Bewerbungen von IT-Fachkräften aus der Region signifikant erhöhen“, zieht Meinders Bilanz. Dennoch seien für die Förderung von IT-Kräften noch viele Veränderungen notwendig. Den Personalmangel führt Meinders vor allem darauf zurück, dass der Informatikunterricht in den Schulen kein reguläres Unterrichtsfach ist. „Manche Schüler haben überhaupt keinen Zugang zur Informatik, weil sie in der Schule kaum damit in Berührung kommen. Dabei ist die Programmiersprache in der zunehmend digitaleren Welt genauso wichtig wie eine zweite Fremdsprache.“
Das Kultusministerium befürwortet Informatik als reguläres Unterrichtsfach grundsätzlich, verweist aber darauf, dass es nicht genügend Informatiklehrer gebe. Deshalb sei der Alternativplan, Informatik in jedes Schulfach beispielsweise in Form von Programmen wie Word, Excel und Power-Point zu integrieren. „Dann lernen die Schüler lediglich das Anwenden und verstehen nicht die Prozesse dahinter“, kritisiert Meinders. Damit an ostfriesischen Schulen trotz Lehrermangel Informatik unterrichtet werden kann, hat das Software-Netzwerk Leer 2017 das Unterrichtskonzept „It2School“ in die Region geholt. „Wir stellen den Schulen umfassendes Lehr- und Lernmaterial zur Verfügung, mit dem Lehrer einen guten Unterricht machen können, ohne Informatik studiert haben zu müssen“. Insgesamt 14 Schulen seien ostfrieslandweit bisher mit Material rund um das Thema Informatik ausgestattet worden.
Landkreise fördern IT-Talente
Die Ausbildung eigener IT-Kräfte sei elementar, so Meinders. „Es ist schwierig, Leute von außerhalb anzuwerben. Deshalb müssen wir vor Ort gute Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten schaffen.“ Seit dem Wintersemester 2020/21 wird deshalb an der Hochschule Emden/Leer der Studiengang „Informatik im Praxisverbund“ angeboten. Entwickelt wurde er von der Hochschule in Zusammenarbeit mit dem Software-Netzwerk und der „ITAchse“, einem Kompetenzentrum für IT mit Standort in Leer. Die Studierenden sind im Studium während des Semesters zwei Wochentage im Betrieb sowie die gesamten Semesterferien. „Eine hohe Anwendbarkeit des Wissens ist in der IT-Ausbildung sehr wichtig“, so Meinders. Beim Leeraner Software-Unternehmen Orgadata, wo auch Meinders beschäftigt ist, seien derzeit elf IT-Nachwuchskräfte eingestellt, die diesen Studiengang absolvierten. Auch die ostfriesischen Landkreise unterstützen die Förderung von IT-Fachkräften.
Der Landkreis Leer ist seit Januar anerkannter und geförderter „Digital.Hub“ des Landes Niedersachsen. „Der Digital.Hub Ostfriesland (DHO) ist ein Knotenpunkt für digitale Innovationen in Ostfriesland und bringt sie durch Zusammenarbeit, Vernetzung, Förderung und Austausch zusammen“, erklärt Kreissprecher Philipp Koenen. Organisiert werde der DHO in Zusammenarbeit mit den Landkreisen Aurich, Wittmund, der Stadt Emden, der Hochschule und dem Unternehmen Natelberg Gebäudetechnik aus Rhauderfehn als Konsortialpartner sowie über 30 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Bildungseinrichtungen. „Die praktische Arbeit im Hub leisten sechs Fachgruppen – jeweils unter der Leitung von Professoren der Hochschule Emden/Leer. In der Fachgruppe ‚Junge IT-Talente‘ stehen Themen wie die quantitative und qualitative Sicherung des IT-Nachwuchses, studentische Projekte wie Themen für Bachelor- und Masterarbeiten sowie der Erfahrungsaustausch innerhalb der einzelnen Firmen und Partner im Fokus“, so Koenen.
Kreativraum für IT-Interessierte
Das Herzstück des DHO soll ein 100 Quadratmeter großer „Maker-Space“ werden. „Das ist ein offener Kreativraum, in dem Schüler, Studierende, Vereine und Unternehmen digitale Technik ausprobieren können, beispielsweise 3-D-Druck, Drohnen und Programmierung“, so Koenen. Thomas Dreesmann vom Amt für Digitalisierung und Wirtschaft des Landkreises Leer ist der Leiter des DHO. Er ergänzt: „Der Maker-Space soll unter anderem dazu dienen, dem IT-Fachkräftemangel entgegenzutreten. Für ostfriesische Unternehmen ist der DHO gerne Ansprechpartner rund um Fragen und Anregung für das Thema IT und IT-Talente.“ Generell sei es wichtig, dass Unternehmen sich heutzutage aktiv um IT-Kräfte bemühen und präsent seien. „Die sozialen Medien sind beispielsweise eine hervorragende Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen und damit auch zu zeigen, dass man digital gut aufgestellt ist“, so Dreesmann.
Kooperationen und gute Kommunikation seien das A und O, um auch in Zukunft dem IT-Fachkräftemangel in Ostfriesland entgegenzuwirken, betont Meinders. Deshalb arbeite das Software-Netzwerk nicht nur mit vielen Vertretern innerhalb Ostfrieslands zusammen, sondern auch mit internationalen Partnern wie dem Campus Winschoten, einer Berufsschule in den Niederlanden. Im Rahmen der Ausbildung zum Fachinformatiker kommen etwa zehn bis 20 Auszubildende jedes Jahr für sechs Monate nach Ostfriesland, um ein Praktikum in einem der Unternehmen des Netzwerks zu machen. „Immer wieder werden einige von den Studenten aus Winschoten nach ihrer Ausbildung dann in einem der ostfriesischen Betriebe übernommen“, freut sich Meinders. „Ich bin sehr optimistisch, dass der IT-Standort Ostfriesland in den kommenden Jahren für IT-Kräfte attraktiv bleiben wird.“