Soziales

Emder Eltern wollen wegen Grundschul-Maskenpflicht laut werden

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 01.09.2021 18:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Maskenpflicht gilt jetzt bei allen Schulformen. Bild: Archiv
Die Maskenpflicht gilt jetzt bei allen Schulformen. Bild: Archiv
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Das neue Schuljahr beginnt an diesem Donnerstag. Ab da müssen auch Grundschulkinder durchgehend eine Maske tragen. Das stößt bei Emder Eltern auf Unverständnis. Sie wenden sich an die Politik.

Emden - Die neue Landes-Corona-Regelung für den Schulbeginn, die vorerst vier Wochen gilt, stößt bei vielen Emder Eltern auf Unverständnis. Einige wollen sich bei dem Schulausschuss des Emder Rats, der an diesem Donnerstagabend in der Nordseehalle zusammenkommt, Gehör verschaffen, wie auf Facebook zu lesen ist. Die Stadt teilte am Mittwoch bereits mit, dass alle 14 Sitzplätze für die Einwohner belegt und weitere Anmeldungen nicht möglich seien. Auf Nachfrage dieser Zeitung hieß es, dass auch keine weitere Bestuhlung möglich sei, weil die Corona-Auflagen nur eine bestimmte Anzahl von Besuchern erlaube. Die Eltern, die jetzt keinen Platz haben, sind verunsichert. In welcher Form sie am Donnerstag trotzdem vor dem Ausschuss zusammenkommen, noch offen.

Was und warum

Darum geht es: Das neue Schuljahr beginnt am Donnerstag, wegen der strengeren Maskenpflicht auch für Grundschulkindern graust es aber Eltern wie Schülerinnen und Schülern.

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, Eltern, Schulen und Lehrkräfte

Deshalb berichten wir: Beim Schulausschuss an diesem Donnerstag wollen Eltern sich Gehör bei der Politik verschaffen. Wir haben im Voraus mit Betroffenen und der Stadt gesprochen.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Laut der neuen Verordnung soll zwar in allen Schulformen Präsenzunterricht gelten, dafür soll bei ungeimpften Kindern mehr getestet werden. In der ersten Woche täglich, danach dreimal in der Woche oder anlassbezogen häufiger. Und: Die Maskenpflicht gilt jetzt bei allen Schulformen. Während des gesamten Schulbetriebs müssen die Mädchen und Jungen unter 14 Jahren eine Stoffmaske tragen, für ältere ist eine medizinische Maske vorgeschrieben. In den Pausen im Freien, in den Mensen beim Essen und Trinken und beim Sportunterricht könnten die Masken aber abgelegt werden, so Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). In den Schulalltag seien „Maskenpausen“ zu integrieren. Dabei solle es mehr Pausen geben, je jünger die Kinder sind.

Luftfiltergeräte lassen noch auf sich warten

Für die Emderin Mareike Sandmann, Mutter von drei Töchtern im Schulalter, ist es unverständlich, warum ihre Jüngste, die jetzt in die zweite Klasse kommt, am Platz eine Maske tragen muss. „Es besteht doch noch die Testpflicht.“ Im Restaurant, im Kino oder am Arbeitsplatz dürfe schließlich im Sitzen auch die Maske abgenommen werden. Auch im Sportunterricht an der Schule werde auf die Maske verzichtet. Die Logik erschließt sich für die Emderin nicht. Ihre jüngste Tochter habe nun schon „keine Lust mehr“ auf die Schule, erklärt sie. Die älteren Töchter hätten über Kopfschmerzen geklagt, die sie durch das ständige Tragen der Masken bekommen hätten. Eine Konzentration auf den Schulstoff sei dadurch erschwert, die Lernmotivation gerade für die Kleinsten ausgebremst. Sie wünscht sich, dass Eltern, Schulen und Lehrkräfte gemeinsam Kritik üben. Sie hat noch einen Platz im Schulausschuss ergattert.

Zerrin Mentjes, Vorsitzende des Emder Stadtelternrats, hatte bei Facebook in der Maskendiskussion auf die Sitzung des Schulausschusses hingewiesen. „Für die Eltern ist es unverständlich, dass keinerlei Maßnahmen vom Land Niedersachsen zum Schutz der Kinder getroffen wurden“, erklärt sie auf Nachfrage dieser Zeitung. Seit Monaten fordere der Stadtelternrat Luftfilteranlagen, die im Sommer 2021 immer noch nicht installiert wurden. Auch andere Vorkehrungen wie Trennwände und Co2-Messgeräte ließen auf sich warten. Erst kurz vor den Sommerferien hatte das Land mitgeteilt, dass nun doch Luftfiltergeräte gefördert würden, die genauen Richtlinien dafür standen aber noch nicht fest. Die Stadt Emden steht in den Startlöchern, wie in einem Gespräch mit dieser Zeitung betont wurde. Sobald die Rahmenbedingungen feststehen, soll es sofort in die Ausschreibung gehen, damit schnell Geräte angeschafft und aufgestellt werden können. Pünktlich zum Schulbeginn klappt das aber nicht.

Regelung kommt vom Land: Was tun?

Mentjes habe viele Anfragen von Eltern bekommen, die sich über die Maskenpflicht am Platz trotz der zahlreichen Testungen kritisch geäußert hätten. Kinder unter 12 Jahren können noch nicht geimpft werden, sie werden entsprechend häufig getestet. „Jetzt werden die Maßnahmen auch noch grade für die Kleinsten verschärft“, kritisiert die Vorsitzende. „Ich wünsche mir für Mütter und Väter, die Regelungen ihre Kinder betreffend kritisieren, gehört zu werden.“ Die Eltern hätten das Recht, dass man sie ernst nehme und die Kritik weitertrage.

Aber: „Die Stadt Emden ist nicht der richtige Adressat für die Kritik, da es sich um eine Landesvorgabe handelt“, erklärt Stadtsprecherin Theda Eilers. Auf die Frage hin, wie die Stadt die Regelung einschätzt, heißt es: „Die Stadt Emden hat geltendes Recht umzusetzen, insofern erübrigt sich eine Bewertung.“ Die Regeln würden auf den Erfahrungen anderer Bundesländer, die früher ins neue Schuljahr gestartet sind, beruhen. Dabei handle es sich nun „um Vorsichtsmaßnahmen, um die Infektionen einerseits frühzeitig zu erkennen und andererseits bei Vorliegen von Infektionen die Anzahl der Quarantäne-Maßnahmen zu minimieren“. Nach den erst einmal vier Wochen, die die Regelungen greifen sollen, muss das Emder Gesundheitsamt auswerten, wie viele Infektionsfälle es gab und welche weiteren Maßnahmen sich daraus ableiten lassen. In Emden soll zum neuen Schuljahr auch angepasst werden, dass im Regelfall „künftig beispielsweise nicht mehr ein ganzer Klassenverband in Quarantäne geschickt werden [muss], sofern Hygiene- und Schutzmaßnahmen beachtet wurden“, so Eilers.

Damit sich Emder Eltern beim Land mehr Gehör verschaffen können, rät die Stadt, dass sich der Stadtelternrat an „den Landeselternrat, an die Landesregierung als Urheber der Regelung wenden [sollte], um auf diesem Weg auf eine Veränderung der Regelung zu drängen“. Es sei aber davon auszugehen, dass der Landeselternrat an dem entsprechenden Verfahren ohnehin beteiligt gewesen sei. Auch die Kommunen hätten „wiederholt Anregungen und konstruktive Kritik im Rahmen des Beteiligungsverfahrens zu den jeweiligen Verordnungen“ eingebracht, „die in Teilen auch aufgegriffen wurden“, so Eilers.

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