Kultur
Ostfriesland-Krimis: Hinter jedem Deich liegt eine Leiche
Glaubt man der Literatur, so ist Ostfriesland Heimat von Mord und Totschlag. Wir haben mit Schriftstellern gesprochen und nach Tipps gefragt, mit denen das Krimi-Debüt auch für Hobby-Autoren gelingt.
Ostfriesland - Saftige Wiesen, Windräder am Horizont, endlose Strände. Doch die ostfriesische Idylle trügt. Wer der Krimi-Literatur Glauben schenkt, muss Ostfriesland für ein raues Pflaster halten. Mord und Totschlag werden in allen Varianten zelebriert. Und immer muss die Idylle als Kulisse für den Schrecken herhalten.
Was und warum
Darum geht es: Die Begeisterung für Ostfriesland-Krimis ist ungebrochen. Manche nutzten die Corona-Zeit, um selbst zum Krimi-Autor zu werden.
Vor allem interessant für: Freunde der Kriminalliteratur und Kultur-Interessierte
Deshalb berichten wir: Die Krimis sind zu einem Wahrzeichen Ostfrieslands geworden. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
Die Faszination, die Ostfriesland-Krimis auslösen, ist ungebrochen. In der ganzen Republik stapeln sie sich in den Regalen der Buchhändler. Peter Gerdes schreibt seit 26 Jahren Ostfriesland-Krimis, war als Verleger tätig und veranstaltet reihenweise Kultur-Events. Er weiß noch genau, wann er die Arbeit an seinem ersten Krimi begann. „Es war der Abend des 6. September 1995“, sagt er. Davor hatte Gerdes, der seit seiner Studienzeit Kurzgeschichten und Lyrik geschrieben hatte, lange Zeit keine literarischen Texte produziert. „Ich wollte aber nochmal die lange Form, einen Roman, probieren“, sagt er.
Weltgeschehen spiegelt sich in Ostfriesland
Eine Idee hatte er im Kopf: Das Todesopfer sollte sein ehemaliger Chef sein. „Ich habe mich an den Computer gesetzt, direkt drei Kapitel geschrieben und sie meiner Frau gezeigt“, sagt Gerdes. Als sie ihn nach der Lektüre fragte: „Und wie geht es weiter?“, wusste er, dass er auf dem richtigen Weg war. Inzwischen hat Gerdes 18 Kriminalromane verfasst, als Verleger zudem viele Veröffentlichungen begleitet und in etwa 100 Kurzkrimis allerlei Verbrechen und deren Aufklärung beschrieben. Dabei bedient sich der geborene Emder, der in Leer lebt und arbeitet, seiner Umgebung als Kulisse. „Ostfriesland ist nicht der Nabel der Welt, aber manchmal spiegelt sich das Weltgeschehen hier“, sagt er.
Warum liegt aber in der literarischen Fiktion hinter jedem ostfriesischen Deich eine Leiche? Peter Gerdes glaubt, dass das an der touristischen Attraktivität liegt. „Es ist eine Urlaubsregion. Die Leute finden es schön und haben einen romantischen Blick auf Ostfriesland“, sagt er. „Viele Autoren haben hier Urlaub gemacht und sagen sich: ‚Mein nächstes Buch spielt in Ostfriesland.‘“
Ostfriesland hat mythische Landschaft
Christine Schmidt ist nicht als Urlauberin nach Ostfriesland gekommen. Trotzdem ist die Emderin unter die Krimi-Autorinnen gegangen und natürlich lässt sie die Handlung ihres Debütromans „Todgeschwiegen“ in der ostfriesischen Idylle spielen. Sie hält Ostfriesland für die ideale Krimi-Kulisse. „Das Graue, der viele Regen, die Einsamkeit – In der Landschaft gibt es einfach etwas Mythisches.“
Schmidt ist keine unerfahrene Autorin. Seit zehn Jahren schreibt sie Theaterstücke für die Ländliche Akademie Krummhörn-Hinte. „Eigentlich war ein Roman mein Projekt für die Rente. Die Handlung stand schon“, sagt sie. Aber dann kam die Pandemie und Schmidt griff in der freien Zeit zur Tastatur. Ein Roman biete ihr ganz andere erzählerische Möglichkeiten als beim Theater. „Ich kann jederzeit Ort und Zeit wechseln, das ist auf der Bühne viel schwieriger“, sagt Schmidt.
Tipps für angehende Krimi-Autoren
In ihrem Krimi-Debüt arbeitet sie die problematische Vergangenheit einer ostfriesischen Familie auf. „Ich glaube, Mord geschieht durch langes Leiden“, sagt Schmidt, die ihr Handwerk in einer Akademie für Autoren erlernt hat. Diesen Tipp gibt sie auch anderen angehenden Schriftstellern. Ihr selbst habe es etwa enorm geholfen, das Buch im Kopf bereits komplett konzipiert zu haben, bevor sie den Text niederschrieb. „Ich habe zunächst alle Szenen in Kurzbeschreibungen verfasst und anschließend ausformuliert“, sagt sie.
Peter Gerdes nennt sich dagegen selbst einen „eher spontanen Schreiber“. „Ich gehöre nicht zu denen, die alles durchplanen, aber grobe Skizzen mache ich schon“, erklärt er. Gerdes hat selbst jahrelang Krimis als Verleger veröffentlicht und weiß, wie man als Debütant bei einem Verlag einen Fuß in die Tür bekommt. „Nicht das ganze Manuskript in einen Umschlag stopfen und zum Rowohlt-Verlag schicken“, rät Gerdes. Es sei wichtig, zunächst einen Verlag zu finden, bei dem das eigene Buch ins Profil passt. Anschließend solle ein Neu-Autor Kontakt zum Verlag suchen, um dann eine Leseprobe, einen Lebenslauf und eine Zusammenfassung der Handlung einzusenden. „Man sollte dabei keine Angst haben, dass jemand die Idee des Buches klaut“, sagt er. Zudem rät er dazu, offen für die Ausbesserungen eines Lektors zu sein. „Gerade Hobby-Autoren wehren sich anfangs oft dagegen.“