Kommunalwahl

Statt nur zu meckern, will er selbst aktiv werden

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 31.08.2021 14:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
David Wagner hat in den vergangenen Wochen 3500 Flyer in Bunde und den Ortschaften verteilt, um sich bei den Wählern bekannt zu machen. Foto: Gettkowski
David Wagner hat in den vergangenen Wochen 3500 Flyer in Bunde und den Ortschaften verteilt, um sich bei den Wählern bekannt zu machen. Foto: Gettkowski
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David Wagner ist in Kasachstan geboren, fühlt sich aber eng mit der Gemeinde Bunde verbunden. Der 37-Jährige tritt bei der Wahl am 12. September als unabhängiger Bürgermeisterkandidat an.

Bunde - David Wagner arbeitet als Automatisierungsingenieur bei einer Leeraner Softwarefirma. Nachdem sich die Coronalage etwas entspannt hat, ist der 37-Jährige beruflich wieder ordentlich eingespannt. „Wenn ich frei habe, verbringe ich die Zeit am liebsten zu Hause mit meiner Familie“, erzählt er. Daher schlägt er sein Zuhause im Tjüchenring in Bunde als Treffpunkt für unser Gespräch vor. David Wagner tritt bei der Bürgermeisterwahl am 12. September als unabhängiger Kandidat gegen drei Mitbewerber an.

Weil ihm die Zeit fehlt, von Tür zu Tür zu gehen und sich den Bundern im persönlichen Gespräch vorzustellen, geht Wagner einen anderen Weg, um sich als Bürgermeisterkandidat bekannt zu machen. 3500 Info-Flyer haben er und seine Lebensgefährtin Lilli „in jeden Briefkasten gesteckt, den wir hier in der Gemeinde entdeckt haben“. „Aus Bunde, für Bunde“ lautet Wagners Slogan. „Ich fühle mich hier zu Hause“, sagt Wagner, der gebürtig aus Kasachstan stammt. „Mein Vater war dort in der Stahlverarbeitung, meine Mutter hat als Krankenschwester gearbeitet.“ Wegen seiner deutschen Wurzeln sei er in Kasachstan oft ausgegrenzt worden.

Schnell Anschluss gefunden

Als die Familie 1995 nach Deutschland kam, sei die Situation anfangs nicht leicht gewesen. „In Kasachstan war ich der Nazi, hier in Deutschland war ich der Russe“, blickt er zurück, „zum Glück habe ich in der Schule in Bunde aber schnell Anschluss und Freunde gefunden“. Bunde habe ihn geprägt. Nach seinem Fachabitur in Leer absolvierte er eine Ausbildung als Mechatroniker in Weener und studierte anschließend Mechatronik mit Schwerpunkt Robotik in Hannover. „Dass die Großstadt nichts für mich ist, habe ich während meines Studiums deutlich gemerkt“, sagt Wagner. In Bunde will er sich daher persönlich einbringen. Er hat die Basketballabteilung beim TV Bunde übernommen und peilt jetzt das Bürgermeisteramt an. „Ich will nicht nur über Dinge meckern, sondern ich bin bereit, selbst aktiv zu werden, um sie zu verändern“, nennt er die Motivation für seine Bürgermeisterkandidatur.

Etwas tun will der Vater von zwei Töchtern und zwei Söhnen vor allem für Familien in Bunde. Verbesserungsbedarf sieht er bei den Spielplätzen in der Gemeinde. „Viel Sand und drei Spielgeräte – das reicht einfach nicht“, findet Wagner. Auch für Jugendliche werde in der Gemeinde deutlich zu wenig geboten. „Jugendliche brauchen einen Treffpunkt, wo sie unter sich sein können und wo sich niemand über Lärm beschwert“, findet er.

Idee: Paintball-Gelände in Bunde

Eine Attraktion für Jugendliche aus der Region könnte seiner Ansicht nach ein Paintball-Gelände sein. Wagner ist nach eigenen Worten selbst ist ein Fan dieses taktischen Mannschaftssports. Eine solche Spielmöglichkeit könnte gleichzeitig eine Attraktion für Touristen sein – und für Besucher aus den Niederlanden. Die Kontakte zum Nachbarland könnten nach Vorstellung des 37-Jährigen ohnehin noch vertieft werden. „Das gut ausgebaute Kanalnetz in den Niederlanden könnte man für den touristischen Bereich in Bunde nutzen und Projekte im Bereich Hausboot-Tourismus entwickeln.“

Dass so viele Gebäude im Ortskern von Bunde leerstehen, findet David Wagner schade. Hier seien gemeinsam mit dem Gewerbeverein neue Ideen und Gemeinschaftsprojekte gefragt. Wagner könnte sich gut vorstellen, dass beispielsweise eine Kooperation einer Bäckerei, Konditorei und einer Kaffeerösterei im Ortskern gut angenommen würde. „Auch von den Niederländern.“

Die geplante Ansiedlung von McDonald’s und einer Tankstelle an der Autobahnabfahrt Bunde sieht Wagner dagegen äußerst kritisch – wie auch etliche Bunder. „Wie viele Arbeitsplätze werden dort schon für Menschen aus Bunde abfallen?“, fragt er. Auch das von den Befürwortern vorgebrachte Argument, dass die Gemeinde von den Gewerbesteuereinnahmen profitieren werde, will er nicht gelten lassen. „Für die Gemeinde Bunde selbst bleibt doch nur ein geringer Anteil der Gewerbesteuer.“

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