Bildung
Ostfrieslands Schulen starten mit ausreichend Lehrern
Eine Mitteilung der Erziehungsgewerkschaft GEW lässt aufhorchen: An Niedersachsens Schulen fehlen mehrere hundert Lehrer. Wie sieht es in Ostfriesland aus?
Ostfriesland/Hannover - Ostfrieslands Schüler, Lehrer und Eltern können relativ entspannt ins neue Schuljahr starten: An den Grund-, Haupt-, Ober- und Realschulen sowie an den Gymnasien soll es diesmal so gut wie keine unbesetzten Lehrerstellen geben. Im Rest Niedersachsens sieht es hingegen deutlich schlechter aus.
„Bei uns sieht es nicht so angespannt aus wie andernorts“, sagte Stefan Störmer, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Bezirk Weser-Ems, am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich weiß für Ostfriesland lediglich von einer offenen Stelle am Gymnasium Ulricianum in Aurich.“ Im weiteren Umkreis von Ostfriesland fehlten gerade einmal ein Dutzend Lehrer.
Stellen vorher einfach gestrichen?
Auf einen Wermutstropfen muss Störmer dann allerdings doch hinweisen. Nach dem Einstellungsdurchgang im Winter dieses Jahres seien all jene Stellen einfach gestrichen worden, die man nicht habe besetzen können. „Man hat also den Bedarf für das neue Schuljahr künstlich verkleinert“, so Störmer. Im Bezirk Weser-Ems betreffe dies 30 bis 40 Stellen, landesweit 150. Außerdem seien die Lehrer durch den ergänzenden Distanzunterricht teilweise sogar doppelt belastet.
Betrachtet man das gesamte Land Niedersachsen, sind die Zahlen noch drückender. Von den ausgeschriebenen 1800 Stellen seien bislang nur 80 Prozent besetzt, teilte die GEW in Hannover mit. 1900 Lehrer seien nach dem abgeschlossenen Schuljahr landesweit in den Ruhestand gegangen. Ende August verlassen nach Gewerkschaftsangaben mehr als 1400 Referendare die niedersächsischen Studienseminare. Das Bundesland sei somit auf Kräfte aus anderen Regionen angewiesen.
Mangel an Schulpsychologen
An den Gymnasien sind laut der GEW-Landesvorsitzenden Laura Pooth bislang 98 Prozent der Stellen besetzt, an den Oberschulen 78 Prozent und 74 Prozent an den Haupt- und Realschulen. Zudem würden zahlreiche Schulpsychologen fehlen. „Die verschiedenen Landesregierungen der Vergangenheit haben es verschlafen, genug Ausbildungsplätze zu schaffen und alle Lehrkräfte gleichermaßen gut zu bezahlen. Daher haben insbesondere die Schulformen mit niedrigerer Besoldung und die Berufsbildenden Schulen nun erhebliche Personalprobleme“, sagte Pooth.
In der vergangenen Woche hatte das niedersächsische Kultusministerium mitgeteilt, dass sich alle Schüler auf eine Maskenpflicht im Unterricht einstellen müssen. Wer älter als 14 Jahre ist, muss eine medizinische Masken tragen, bei Jüngeren sei auch eine Stoffmaske erlaubt. „Ich glaube, dass man das nach ein paar Wochen überprüfen muss, weil das natürlich den Unterricht stark erschwert“, sagte Pooth mit Blick auf die Maskenpflicht. Mimik sei für das Lernen sehr wichtig, was durch die Maske eingeschränkt werde.
„Flickenteppich“ bei Luftfiltern
In Sachen Corona-Bekämpfung ist an den Schulen auch in Ostfriesland offenbar noch Luft nach oben. „Wir haben überhaupt keinen Überblick, welche Schulen mit Luftfiltern ausgestattet sind und welche nicht“, beklagt GEW-Bezirkschef Störmer. Er rechnet mit einem „Flickenteppich“, weil einige Schulen von den Gemeinden, andere von den Kreisen getragen würden.
Auch sei zum Teil noch unklar, wo und in welcher Form in dieser Woche die Impfungen für Schüler ab 12 Jahren angeboten würden, die das Land Niedersachsen angeregt hatte. Auch in diesem Fall werde das offenbar von Schule zu Schule, von Gemeinde zu Gemeinde und von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich gehandhabt. Was zunächst als Entlastung für die Eltern gedacht gewesen sei, entpuppe sich nun zu einer neuen Aufgabe.
Mit Material von dpa