Trauer
Feuerbestattungen sind auch bei Hunden und Katzen im Trend
Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, ihre Haustiere auf einem Friedhof beisetzen zu lassen oder die Urne zu Hause aufzubewahren. Für Tierhalter geht es dabei auch um Trauerbewältigung.
Südbrookmerland - Hunde und Katzen sind für viele Menschen nicht einfach nur Haustiere. Sie sind für manche Familienmitglieder. Umso schmerzhafter ist es, wenn die Tiere sterben. War es früher normal, in so einem Fall das Tier im Garten zu begraben, wenden sich seit einigen Jahren immer mehr Menschen an einen Tierbestatter. Dieser kümmert sich um alles, was mit der Beerdigung zu tun hat. Die Tierhalter können ihr Haustier zum Beispiel kremieren lassen und die Urne mit nach Hause nehmen oder ihr Tier auf einem Friedhof beerdigen lassen. Doch nicht nur für Hunde und Katzen gibt es eine Feuerbestattung. In Deutschland finden sich auch einige auf Pferde spezialisierte Krematorien.
Was und warum
Darum geht es: Immer mehr Menschen lassen ihre Haustiere auf Tierfriedhöfen bestatten oder bewahren die Urne zu Hause auf.
Vor allem interessant für: Tierfreunde.
Deshalb berichten wir: Wir haben uns gefragt, wie die Nachfrage nach Tierbestattungen ist und ob es ähnlich wie bei Menschen Trends gibt bei den Bestattungsarten. Die Autorin erreichen Sie unter: i.kluth@zgo.de
„Es ist salonfähig geworden, sein Tier bestatten zu lassen“, sagt Andrea Rump-Hensen. Die Tierbestatterin hat 2006 den Kleintierfriedhof in Südbrookmerland übernommen, den es bereits seit 1999 gibt. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Das hänge auch damit zusammen, dass Hunde und andere Tiere einen anderen Stellenwert bekommen hätten. Martin Struck, Vorsitzender des Bundesverbands der Tierbestatter, schätzt, dass heutzutage rund 30 Prozent der Haustierbesitzer die Leistung von Tierbestattern in Anspruch nehmen. „Genaue Zahlen sind schwierig, die haben wir nicht.“ Aber es gebe immer mehr Haustiere und damit habe auch die Arbeit der Tierbestatter zugenommen, so Struck.
„Es ist nicht einfach, ein Grab auszuheben“
Wie bei den Menschen gebe es auch einen Trend bei der Bestattungsform, sagt Rump-Hensen: „Es gibt nur wenige Erdbestattungen. Die meisten machen Feuerbestattungen. Da gab es in den vergangenen acht Jahren einen Wandel.“ Von den insgesamt 1440 Gräbern auf dem Kleintierfriedhof in Südbrookmerland – die meisten für Hunde und Katzen – seien nur wenige Urnengräber. Meistens werde die Urne mit nach Hause genommen, so Rump-Hensen.
Individuelle Gestaltung
Als sie den Kleintierfriedhof das erste Mal gesehen habe, sei für Andra Harbig wiederum sofort klar gewesen, dass sie ihren Hund dort begraben lassen will. „Im Garten wäre das nicht gut gegangen. Zuhause ist zu viel Action mit dem anderen Hund und den Kindern“, sagt Harbig. Da könne sie auch nicht so gut abschalten wie auf dem Friedhof. „Hier hat man einen Anlaufpunkt an einem neutralen Ort und wird nicht abgelenkt.“ Als ihre Australian Shepherd-Hündin Filou 2020 gestorben war, hat sich Harbig für eine Erdbestattung entschieden. Eine Kremierung käme für sie nicht in Frage. „Verbrennen – den Gedanken finde ich schrecklich.“ Auf die Gestaltung des Grabes und insbesondere des Grabsteines habe sie sehr viel Wert gelegt. „Das ist von vorne bis hinten meine Handschrift, im wahrsten Sinne“, sagt Harbig. Wie für Monika Frerichs sei auch für Harbig die Unterstützung bei der Trauerarbeit durch die Tierbestatterin sehr wertvoll gewesen. „Allein hätte ich das nicht gekonnt. Der Tag war katastrophal“, sagt Harbig
Der Ablauf sei jedes Mal ganz individuell und richte sich nach den Wünschen des Tierhalters, sagt Andrea Rum-Hensen. Die Tiere könnten vorher nochmal aufgebahrt werden, mit Kerzen und frischen Blumen umgeben, sodass die Tierhalter nochmal Abschied nehmen können. „Dann kann man zusammen zum Grab gehen und das Tier hineinlegen.“ Für viele sei es wichtig, dabei zu sein. Andere wiederum wollen erst hinterher dazukommen, sagt Rump-Hensen. Bei einer Feuerbestattung bringe sie die Tiere zum Kleintierkrematorium nach Osnabrück und übergebe anschließend die Urne an die Tierhalter. Für einen großen Hund koste eine Feuerbestattung inklusive einer Standardurne 350 Euro.
Eine Schutzmauer gegen den Schmerz
Um mit dem Schmerz und der Trauer der Menschen umgehen zu können, habe sie eine Schutzmauer um sich herum aufgebaut, sagt Rump-Hensen. „Das muss man, um das nicht an sich rankommen zu lassen.“ Besonders emotional seien Beerdigungen, wenn die Tiere durch ein Unglück verstorben sind. „Schrecklich ist es auch, wenn von alten Menschen der letzte soziale Partner verstirbt. Ich habe es im Laufe der Jahre mehrmals erlebt, dass alte Menschen nach dem Tod ihres Tieres krank geworden und selbst gestorben sind.“ Das sei besonders traurig, so Rump-Hensen.
Auf einzelnen Friedhöfen in Deutschland wird mittlerweile auch eine Beisetzung von Mensch und Tier angeboten. „Danach werde ich oft gefragt. Aber das darf ich hier nicht“, sagt Rump-Hensen. Sie gehe aber davon aus, dass es in einiger Zeit mehr Friedhöfe in Deutschland geben werde, die das anbieten. Martin Struck, Bundesvorsitzender der Tierbestatter erklärt, dass auf diesen Friedhöfen der Mensch zuerst beigesetzt werden müsse in einer Urne. „Erst dann kann das Tier in einer Urne beigesetzt werden, da es juristisch eine Grabbeigabe ist“, so Struck.