Corona-Schutz
Friesland: Patientenschützer stellt Massen-Nachimpfung infrage
Ein Patientenschützer schlägt Bluttests vor, bevor 10.183 „Geimpfte“ in Friesland weitere Spritzen bekommen. Statt der Antikörper-Konzentration solle die T-Zell-Immunität gegen Corona geprüft werden.
Friesland - Der Patientenschützer Eugen Brysch hat die Nachimpfung von bis zu 10.183 Menschen im Landkreis Friesland gegen das Corona-Virus infragegestellt. Das berichtet der Evangelische Presse-Dienst (EPD), der den Vorstand der Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund wie folgt zitiert: „Es ergibt keinen Sinn, Tausende von Menschen auf Verdacht nachzuimpfen. Denn der tatsächliche Immunstatus von Geimpften und Genesenen lässt sich in wenigen Stunden überprüfen.“
Hintergrund der Nachimpfungen ist, dass die Friesländer Kreisverwaltung meint, nicht ausschließen zu können, dass eine Krankenschwester manche Spritzen nur mit Kochsalzlösung gefüllt hat.
Patientenschützer schlägt Blutuntersuchungen vor
Niedersachsens Landesgesundheitsamt hat bekräftigt, dass Antikörpertests „nur eingeschränkt eine Aussage über den Immunstatus“ und damit über den Impfstatus zuließen. Eines der Argumente: „Aufgrund der verstrichenen Zeit seit den Impfungen, könnte auch bei echten Impfungen die Antikörperkonzentration unterhalb der Nachweisgrenze liegen.“ Ein zweites Argument: „Auch bei negativem Antikörpernachweis könnte aufgrund der T-Zell-Immunität ein Immunschutz vorliegen.“
Dazu passend schlägt der „Impfbefürworter und Patientenschützer Brysch“ laut EPD vor, das Blut der Betroffenen im Kreis Friesland auf T-Zell-Immunität zu untersuchen. Brysch: „Diese Gedächtniszellen sind noch viele Jahre nachweisbar. So gibt es auch Klarheit darüber, ob im Kreis Friesland nur wenige oder Tausende Menschen von den Vorfällen im Impfzentrum betroffen sind.“ Wer nachweislich keine Immunität besitze, solle sich nachimpfen lassen.
Labor: T-Zelltest erkennt Reaktion auf Impfstoff
Das Uni-Klinikum Freiburg hat bezüglich mRNA-Impfstoffen, zu denen Biontech zählt, festgestellt: „Zehn Tage nach der ersten Impfdosis besteht ein effektiver Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf.“ Die frühe Schutzwirkung gehe laut Forschungsgruppen-Leiterin Dr. Maike Hofmann auf T-Zellen zurück. Untersucht worden sei das Blut von 32 Personen – beginnend vor der ersten Impfdosis und fortlaufend bis zu vier Monate nach der zweiten Dosis. Die Forschenden hätten so „die Entwicklung der unterschiedlichen Bestandteile der Immunantwort detailliert verfolgen“ können. Wie lange der Schutz nach der zweiten Impfdosis anhält, sollen Folgestudien zeigen.
Das Stuttgarter Labor Enders, das corona-spezifische T-Zelltests anbietet, schreibt: „Mit einem T-Zelltest kann überprüft werden, ob im zellulären Teil des Immunsystems eine Reaktion auf den Impfstoff erfolgt ist.“ Aber: „Inwiefern dadurch ein Schutz von SARS-CoV-2 gegeben ist, lässt sich mit dem Test bisher nicht beantworten.“
Landesgesundheitsamt liefert Argument für Antikörpertests
Demnach könnte ein T-Zelltest zumindest für die 1242 Leute interessant sein, denen das Landesgesundheitsamt zwei Nachimpfungen empfiehlt: Sollten sie positiv getestet werden, müssten sie mindestens einmal Biontech erhalten haben oder infiziert gewesen sein. In beiden Fällen wäre die zweite Nachimpfung hinfällig. So könnte verhindert werden, dass sie womöglich vier Impfdosen bekommen. Biontech erforscht derzeit erst, wie sich drei Dosen auswirken. Erfahrungswerte bezüglich Vierfach-Impfungen gibt es offenbar noch gar nicht.
Mit seinem dritten Argument gegen Antikörpertests liefert das Landesgesundheitsamt ein Argument für 1242 Antikörpertests: „Eine Person, die eine echte Impfung und eine Impfung mit Kochsalzlösung erhalten hat, wird möglicherweise noch Antikörper aufweisen, hat aber nur eine von zwei notwendigen Impfungen bekommen. Auch in diesem Fall müsste also erneut geimpft werden, da sich nicht ermitteln ließe, ob die Person eine oder zwei korrekte Impfdosen erhalten hat.“ Allerdings nur einmal und nicht – wie vom Landesgesundheitsamt für 1242 Personen empfohlen – zweimal. Sie könnten sich also im Falle eines positiven Antikörpertests zumindest eine von zwei Nachimpfungen sparen.