Berlin

Das Rätsel um den Nutzen der Luca-App ist ein Skandal

Mark Otten
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Von Mark Otten
| 27.08.2021 10:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
In diesem Geschäft in Berlin heißt es: Warum testen, wenn es die Luca-App gibt? Die Chance ist groß, dass das zuständige Gesundheitsamt kaum Daten über das System abgerufen hat. Foto: imago images/Stefan Zeitz
In diesem Geschäft in Berlin heißt es: Warum testen, wenn es die Luca-App gibt? Die Chance ist groß, dass das zuständige Gesundheitsamt kaum Daten über das System abgerufen hat. Foto: imago images/Stefan Zeitz
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Wenn es so weitergeht, werden die Ausgaben für die Luca-App einen ganz besonderen Platz finden: Im Schwarzbuch für Steuergeldverschwendung. Dazu ein Kommentar.

Die Vorgänge rund um die Luca-App sind nicht weniger als skandalös. Wie kann es sein, dass die Bundesländer in Summe fast 22 Millionen Euro Steuergelder für dieses System ausgeben und anschließend nicht einmal wissen, ob und in welchem Umfang ihre ohnehin überforderten Gesundheitsämter es nutzen? Stattdessen zucken die zuständigen Stellen mit den Achseln oder verweisen auf die PR-Aussagen des Herstellers und sogar Medienberichte. Unfassbar.

Ländern im Luca-Blindflug - trotz aller Warnungen

Besonders vor dem Hintergrund, dass es seit Monaten Warnungen vor schweren Sicherheitslücken und Sorgen um mangelhaften Datenschutz bei Luca gibt, sollten die zuständigen Stellen doch ganz genau hinsehen, wie es um das kostspielige System steht und gegebenenfalls nach Alternativen suchen. Warum das nicht passiert ist, bleibt ein Rätsel.

Luca und der Promi-Bonus

Das gilt auch für die Frage, warum sich die Länder trotz aller Bedenken und Warnungen von Experten und verfügbaren Alternativen für Luca entschieden haben. Die Vermutung liegt nahe, dass ein gewisser Promi-Bonus, den der an Luca beteiligte Rapper Smudo dem System mit seinen TV-Auftritten ohne Zweifel eingebracht hat, eine Rolle gespielt hat.  

Nach allem, was bisher bekannt ist, ist Luca ein ziemlicher Flop: In rund 60 Fällen soll das System dabei geholfen haben, Infektionsketten zu erkennen - bundesweit, wohlgemerkt. 

Die Kosten-Nutzen-Rechnung geht nicht auf

Sicherlich ist es bequemer, einen Pixelcode mit dem Smartphone zu scannen, als ständig die Kontaktdaten in Papierlisten einzutragen. Doch der Preis für diese Leistung ist viel zu hoch - Stichwort Datenschutz - und der Nutzen minimal. 

Die kommenden Monate werden spannend

Ob das Luca-System für die Bundesländer noch an Wert gewinnen kann oder doch reine Geldverschwendung verbucht werden muss, werden die kommenden Monate zeigen, wenn immer mehr Menschen zurück zur Normalität finden und sich in Bars, Restaurants, Discos und Fitnessstudios begegnen. Doch als Zwischenfazit steht fest: Die Luca-App ist bei weitem nicht der digitale Pandemielöser, den die Politiker einkaufen wollten und viele Menschen und Kritiker der Corona-Warn-App des Bundes herbeigesehnt haben.

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