Wahlen
Wahlkampf muss man sich erstmal leisten können
Kandidaten, die ohne Unterstützung einer Partei antreten, müssen den Wahlkampf allein finanzieren. Oder doch nicht? Woher kommt das Geld und was kostet ein Wahlkampf eigentlich?
Aurich - Wer als Kandidat ohne finanzielle Unterstützung einer Partei oder Gruppe bei einer Wahl antritt, sieht sich der Frage gegenübergestellt, wie der Wahlkampf finanziert wird. Werbeagentur, Druckerei, professionelle Fotografen, Radio- und Zeitungsannoncen – die Ausarbeitung des Programms und der Wahlwerbung kann teuer werden.
Was und warum
Darum geht es: Es kommt im Wahlkampf nicht nur auf das Geld, sondern vor allem auch auf den Unterstützerkreis an.
Vor allem interessant für: politisch Interessierte.
Deshalb berichten wir: Angesichts vieler großflächiger Banner und Plakate entlang der Straßen wollten wir wissen, was Einzelkandidaten finanziell stemmen müssen für den Wahlkampf und woher das Geld dafür kommt. Die Autorin erreichen Sie unter: i.kluth@zgo.de
Vor dieser Herausforderung stand auch Horst Feddermann (parteilos), als er 2018/19 bei der Bürgermeisterwahl in Aurich angetreten ist. „Es war klar, dass der Wahlkampf sehr teuer werden wird und ich nicht alles selber finanzieren kann“, sagt Feddermann rückblickend. Eine Faustregel sei, dass ein Wahlkampf zwischen 50 Cent bis einen Euro pro Einwohner koste.
Wahlkampf-Gelder gespendet
Finanzielle Unterstützung habe er von der AWG und privater Seite bekommen. „Aber ich wollte unabhängig bleiben“, sagt Feddermann. „Deshalb habe ich von Anfang an gesagt, dass ich alles, was an Spenden eingesetzt wird, im Falle eines Wahlsieges einem gemeinnützigen Verein spende.“ Das habe er dann auch getan und die Summe nach seiner Wahl zum Bürgermeister an den Verein „Apfel“ gespendet, der sich für Adoptiv- und Pflegeeltern in Ostfriesland einsetzt. Den größten Teil der Wahlkampfkosten habe Feddermann aber aus seinem Ersparten selbst finanziert.
Insgesamt habe ihn der Wahlkampf rund 13.000 bis 14.000 Euro gekostet. Damit sei er noch „sehr gut bei weggekommen“, sagt Feddermann. „Das Doppelte wäre nicht ungewöhnlich gewesen.“ Er habe Glück gehabt, dass ihn Freunde und Bekannte in Eigenleistung bei der Wahlwerbung unterstützt hätten. „So konnten die Kosten geringer gehalten werden“, sagt Feddermann. Sponsoren und Unterstützer spielten eine große Rolle, „aber man muss schauen, dass man nicht abhängig wird“, betont Feddermann.
Mehrere Tausend Euro an Kosten
Die Bedeutung des Unterstützerkreises, der hinter den Kandidaten stehe, heben auch Nicolaus Hippen und Julian Preuß von der Werbeagentur BeBold in Aurich hervor. „Geld ist gar nicht das Wichtigste“, sagt Preuß. „Es braucht Leute, die sich auskennen.“ Das Kreativduo, das unter anderem schon für Olaf Meinen gearbeitet hat, versteht sich als Teil des Wahlkampfteams und arbeitet in Gesprächen eine Werbestrategie mit den Kandidaten aus. „Wir besprechen die komplette Marschroute, machen die Konzeption“, sagt Hippen. Wie sollen die Kandidaten dargestellt werden? Was steht auf den Bannern? Fotos und Farben müssten ausgewählt und eine Bildsprache gefunden werden. Sollen die Wähler in der Anrede geduzt oder gesiezt werden? Wichtig sei, dass die Werbestrategie zu den Kandidaten passe. „Wir stülpen niemandem einen Anzug über und sagen, den trägst du jetzt“, so Hippen.
Nach der Ausarbeitung der Ideen gehe es an die Umsetzung. Druckvorlagen für großflächige Banner, Plakate, Flyer und andere Werbeartikel wie Kugelschreiber müssten gestaltet werden. Ebenso Webseiten und Auftritte in den sozialen Netzwerken. „Gerade auch die Gestaltung von Flyern ist sehr umfangreich“, sagt Hippen. Alles in allem könne für die Konzeption und Gestaltung durchaus ein Betrag in Höhe von 10.000 Euro zusammenkommen, sagt Preuß. Gebe es aufwendigere Fotoaufnahmen, könnten nochmals rund 3000 Euro hinzukommen.
„Was kosten Ideen?“
Ein großer Teil der Wahlkampfkosten werde zudem von der Produktion verursacht – also in der Druckerei, von Radiowerbung und Anzeigen in der Zeitung. So könnten pro großflächigem Banner, das an Bauzäunen befestigt wird, um die 60 Euro bei einer Druckerei fällig werden. Nähere Angaben zu den Kosten machten die Druckereien, die wir angefragt haben, allerdings nicht.
Hippen und Preuß weisen darauf hin, dass dies nur Richtwerte sind, die je nach Auftrag und Umfang stark variierten. Letztlich sei es auch so, dass sie gar nicht alles in Rechnung stellen könnten, was an Leistung anfalle. Und noch ein Aspekt komme hinzu: „Was kosten Ideen?“, fragt Hippen rhetorisch. „Meistens zu wenig“, sagt Preuß und ergänzt: „Es ist nicht greifbar, wie genial ein Satz ist.“