Osnabrück
Charlie Watts – der Gentleman der Rolling Stones
Charlie Watts war der ruhige Pool der Rolling Stones. Seit 1963 hat er in der Band das Schlagzeug gespielt –jetzt ist er wenige Wochen nach seinem 80. Geburtstag gestorben.
Charlie Watts war in gewisser Weise immer der ruhige Pol der Rolling Stones. Party, Sex and Drugs and Rock ’n‘ Roll: Das überließ der Drummer lieber den anderen, allen voran den beiden Frontmännern Keith Richards und Mick Jagger. Vielleicht liegt die ruhigere Gangart an seiner musikalischen Herkunft: Watts begeisterte sich in seiner Jugend für Jazz; Miles Davis und John Coltrane waren frühe Idole. Und Charlie Parker: 1961, da arbeitete er schon als Grafikdesigner, entwarf er ein Kinderbuch über den Saxofonisten.
Kurz vor dem Tourauftakt: Charlie Watts ist tot
Das rhythmische Fundament der Stones
Im schnellen Rock-Business war Watts einer der beständigen Musiker. Von 1963 an saß er am Schlagzeug und sorgte mit seinem geraden, trockenen Stil fürs rhythmische Fundament. Dabei war Musiker keineswegs sein Berufswunsch; ausbilden ließ er sich zum Grafikdesigner.
Zum Ruhepol der Stones avancierte Watts auch äußerlich: Er trug auch mal Anzug und Krawatte, wenn er bei den Stones trommelte, den Drumstick in der linken Hand locker zwischen Daumen und Zeigefinger schwingend - Watts sah aus wie ein Jazzschlagzeuger, und das war er auch mit echter Passion - jenseits der Stones.
Bei denen gab er den Beat für den Rock ’n’ Roll vor, knochentrocken, ohne Schnörkel auf den Punkt. Sein Faible für den Jazz lebte er jenseits der Band aus: Neun Jazzalben hat er aufgenommen, mit einer Big Band, mit einem Quintett, mit einer Boogie-Band unter anderem mit dem deutschen Pianisten Axel Zwingenberger. Doch der Jazz blieb Hobby im Leben des Schlagzeugers Charlie Watts.
Im Hauptberuf blieb er ein Rolling Stone, war Herz und Motor der Band. Dafür wähle ihn in der „Rolling Stone“ unter die besten zehn Schlagzeuger des Rocks - ein Erfolgsgeschichte.
Nicht ganz so bruchlos verlief Watts‘ Leben: Er war lange alkoholabhängig, überwand die Krankheit aber aus eigener Kraft. Und 2004 erkrankte der starke Raucher an Kehlkopfkrebs - und saß im nächsten Jahr wieder vollständig genesen hinter dem Schlagzeug der Rolling Stones.
OP Anfang des Monats
Jetzt, Anfang August, musste sich Watts einer Operation unterziehen und sagte deswegen sein Mitwirken bei der anstehenden US-Tour der Rolling Stones ab. Der Eingriff sei erfolgreich gewesen, hieß es damals. Doch an diesem 24. August ist Charlie Watts gestorben, wenige Wochen nach seinem 80. Geburtstag. Das bestätigte sein Agent auf dem offiziellen Instagram-Account der Band.
„Mit großer Trauer geben wir den Tod unseres geliebten Charlie Watts bekannt“, heißt es in den Statement. „Er starb heute friedlich in einem Londoner Krankenhaus, umgeben von seiner Familie.
Charlie war ein geliebter Ehemann, Vater und Großvater und als Mitglied der Rolling Stones einer der größter Schlagzeuger seiner Generation.
Wir bitten darum, in dieser schwierigen Zeit die Privatsphäre seiner Famiile, seiner Band-Kollegen und seiner Freunde zu achten.“
Das erste Konzert der neu aufgenommenen „No Filter Tour“ war für den 26. September in St. Louis (Missouri) geplant; für Watts hätte der Drummer Steve Jordan einspringen sollen. Zum 60. Bandjubiläum im kommenden Jahr hatte Watts gehofft, selbst wieder an Bord sein.