Kommunalwahl
Immer sportlich bleiben: Helfried Goetz will weitermachen
Sport ist für Helfried Goetz wichtig. Er ist Klootschießer, Läufer, Kampfsportler. Und Bürgermeister von Friedeburg. Ein Gegenkandidat wäre sportlich gut, findet er. Aber man kann nicht alles haben.
Müggenkrug/Friedeburg - Zwischen dem Sportler und dem Rathauschef gibt es einen deutlich hörbaren Unterschied. Ergreift Friedeburgs Bürgermeister Helfried Goetz in Gemeinderatssitzungen das Wort, bleibt die Stimme stets ruhig und besonnen. Das gilt selbst für die oft sehr emotional geführten Kavernenbeiratssitzungen der vergangenen Jahre. Auf dem Sportplatz hört sich das dann ganz anders an: Laute Schreie begleiten seine Würfe beim Klootschießen, da kennt er nix.
„Sport spielt für mich eine absolut große Rolle“, sagt der 49-Jährige bei einem Treffen auf dem Sportplatz des KBV Müggenkrug. Dorthin hat er eingeladen für ein Interview zu seiner erneuten Bürgermeisterkandidatur. Ein Wettbewerb steht an, er nimmt für seinen Verein KBV Wiesedermeer daran teil. Zwei bis dreimal die Woche Sport müsse schon sein, sagt Goetz. Dabei hat er die Wahl: Er geht gern laufen, er hat den grünen Gürtel in der Kampfsportart Taekwondo, früher spielte er Tennis. Aber Klootschießen, das war wohl die erste Liebe. „Das mache ich, seit ich denken kann“, sagt er. Als kleiner Knirps habe er sogar eine Schleuderball-Sonderanfertigung zum Üben gehabt.
Privat
Einen sportlichen Wettkampf um sein politisches Amt gibt es allerdings nicht. Helfried Goetz kandidiert bei der Kommunalwahl am 12. September erneut für das Bürgermeisteramt in Friedeburg, und zwar als einziger. „Stellen Sie sich vor, Sie müssten einen Marathon laufen und da ist niemand, an dem Sie sich orientieren können“, kommentiert Goetz diesen Zustand. Andererseits: So wirklich wünscht er sich einen Gegenkandidaten auch nicht. Und außerdem kennt er es auch nicht anders. Als er sich 2014 das erste Mal als Bürgermeister bewarb, war er auch schon der einzige Kandidat. Goetz ist parteilos.
Der 49-Jährige ist seine Karriere zielstrebig angegangen: Geboren in Wiesedermeer hat er schon seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten im Friedeburger Rathaus absolviert. Es folgten einige Jahre in der Wittmunder Kreisverwaltung und eine Weiterbildung. Dann die Bewerbung um das Bürgermeisteramt in der Heimatgemeinde. „Das Bürgermeisteramt war schon in meiner ersten Zeit im Friedeburger Rathaus auf meiner Landkarte“, sagt er heute. Goetz lebt mit seiner Frau in Reepsholt, auf einem großen Hof. Die beiden Kinder, Tochter und Sohn, sind schon aus dem Haus. Tatsächlich ist der 49-Jährige bereits Opa.
Was ansteht
Das anstehende Großprojekt in der Gemeinde ist die Sanierung des Friedeburger Rathauses. Die Planungen laufen schon eine Weile, nun soll es losgehen. Auch ein neues Feuerwehrhaus gehört in diese Planungen. Goetz wünscht sich auch mehr ärztliche Versorgung in der Gemeinde. Einen Erfolg gab es erst im vergangenen Jahr: In der Ortschaft Horsten siedelte sich eine Hausärztin an, nachdem dort jahrelang schon niemand mehr praktiziert hatte.
Drei Fragen
Was wollen Sie in den kommenden fünf Jahren anders machen?
Ich denke, dass in den vergangenen Jahren vieles schon gut gemacht wurde. Einiges kann man allerdings noch besser machen: Ich denke, dass Transparenz der politischen Entscheidungen sehr wichtig ist. Ich möchte versuchen, Entscheidungen in der Gemeinde und den Weg dorthin offener und nachvollziehbarer zu gestalten. Dies kann zum Beispiel durch Übertragungen von Ratssitzungen im Internet erfolgen.
Was tun Sie gegen den Klimawandel, politisch und persönlich?
Es wurden und werden viele Blühwiesen gesät und Bäume gepflanzt. Bei allen Gebäuden wird auch auf energetische Sanierung geachtet, besonders beim Rathausumbau. Darüber hinaus kann die Gemeinde Friedeburg eine wichtige Rolle in der Energiewende spielen. Die vorhandenen Kavernen können für die Wasserstofftechnologie genutzt werden. Persönlich lege ich Wert auf regionale Produkte. Außerdem ziehe ich die Reparatur von Geräten dem Wegwerfen und Neuanschaffungen vor. Aktuell teste ich gerade ein E-Auto – echt klasse.
In welches Jahr würden Sie reisen, wenn Sie eine Zeitmaschine hätten, und warum? Zeitmaschinen sind nur für Filme gut. Und für Lottospieler. Ich bin gerne im Hier und Jetzt. Die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern. Aber die Zukunft durch unser eigenes Handeln gestalten. Deshalb genieße ich auch zukünftig gute Filme und spiele kein Lotto.
Die Gemeinde verfügt übrigens über noch eine Besonderheit: ein reges Wirtschaftsleben in zwei gut ausgebuchten Gewerbegebieten. „Wir gehören zu den steuerstärksten Kommunen in Niedersachsen“, sagt Goetz, und schiebt gleich hinterher, dass das kein reiner Grund zur Freude sei. Friedeburg müsse wegen seiner Finanzlage stets Geld abgeben, zum einen in die Kreisumlage für den Landkreis Wittmund, zum anderen in den Länderfinanzausgleich des Bundes.