Helgoland
48,5 Kilometer: Ostwestfale will vom Festland nach Helgoland schwimmen
Zwei Stunden und 15 Minuten brauchen Touristen mit dem Motorschiff von St. Peter-Ording nach Helgoland. Diese 48,5 Kilometer will André Wiersig schwimmen – als erster Mensch überhaupt.
„Weit draußen, wo ich kein Land mehr sehe, bei meterhohen Wellen sowie Eiseskälte, den Strömungen ausgesetzt und in Begleitung aller Lebewesen, die dort zuhause sind, zu schwimmen - das ist meine große Passion“, erklärte der Ozeanschwimmer André Wiersig.
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Der 49-Jährige, der in Paderborn in Ostwestfalen lebt, hat sich fest vorgenommen, es als erster Schwimmer überhaupt vom Festland zur zum Kreis Pinneberg gehörenden Hochseeinsel Helgoland zu schaffen. Damit wolle er sich „einen langgehegten Traum erfüllen“, verriet Wiersig. „Bei Helgoland kam mir immer dieser Gedanke: Kann diese Insel schwimmend erreicht werden?“
Geplanter Startpunkt ist der weite Sandstrand vor St. Peter-Ording (Nordfriesland). „Neben der langen Distanz und den Wassertemperaturen sind die starken Strömungen und Gezeiten der Nordsee die größte Herausforderung“, weiß Wiersig. Sein Team würde deshalb „in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie nach einem passenden Zeitfenster suchen, um Ende August oder Anfang September den Versuch zu starten“.
Kemmerichs Idee wurde bis heute nicht realisiert
Die Idee, nach Helgoland zu schwimmen, entwickelte 1927 zuerst der Nordfriese Otto Kemmerich, der von 1886 bis 1952 lebte und als Deutschlands erster professioneller Schwimmer gilt. Bis heute hat allerdings kein Schwimmer diesen Traum realisieren können. Jedoch geht es Wiersig, der sich als „Sprecher der Meere“ sieht, keineswegs um einen Eintrag in die Rekordlisten. „Ich liebe das Meer und sehe mich als Teil davon - und meine Aufgabe darin, zu erzählen, wie es dort draußen ist“, betonte der Ostwestfale.
Wiersig schwimmt nach den traditionellen Regeln der englischen Channel Swim Association (CSA), die seit 1927 das Ärmelkanalschwimmen organisiert. Demnach darf er lediglich eine Badehose und eine Schwimmbrille tragen. Es ist ihm nicht erlaubt, sich - und sei es nur kurzzeitig - an einem Boot festzuhalten oder fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Offizieller an Bord des Begleitschiffes, das die Navigation sicherstellt, wird auf die Einhaltung der Regeln achten. Eskortiert wird der Schwimmer außerdem von seinem Schwager Jürgen Peters, der ihm von einem Kajak aus die hochkalorische Nahrung anreicht. Für die Sicherheit des Athleten während des waghalsige Projekts ist somit hinreichend gesorgt.
Wiersig bewältigt die „Ocean’s Seven“
Gemeinsam mit seinem Partner hat Wiersig als erster Deutscher und 16. Mensch die „Ocean’s Seven“ komplettiert. Diese anspruchsvollste Herausforderung des Freiwasserschwimmens orientiert sich an den „Seven Summits“ im Extrem-Bergsteigen. Nach der erfolgreichen Querung des Ärmelkanals (2014) durchschwamm Wiersig auch den 42 Kilometer breiten, warmen Kaiwi-Channel vor Hawaii (2015), den kalten North Channel vor Schottland (2016), den Catalina-Channel vor Los Angeles (2017), die stürmische Tsugaru-Straße in Japan (2018) sowie schließlich auch die stürmische Cook Strait in Neuseeland und die Straße von Gibraltar (2019).
„Nachts allein im Ozean“ heißt das Buch, in dem Wiersig von seinen langen und außergewöhnlichen Abenteuern berichtet. Beachtlich: Sämtliche Meerengen meisterte Wiersig gleich bei seinem ersten Versuch - als bisher einziger aller 21 Schwimmer, die bei der siebenteiligen Langstreckenschwimmherausforderung „Oceans’s Seven“ das Ziel erreichten. Doch auch diese Bestleistung war nicht Wiersigs ursprüngliches Vorhaben - ihn zieht es aus anderen Gründen hinaus: „Nirgends kann ich den Meeren näher sein als dort, weit draußen, nur in Badehose und Schwimmbrille - puristisch“, sagte der Botschafter der deutschen Meeresstiftung, um hinzuzufügen: „Wo Jahrmillionen alte Gesetze gelten, bin ich gerne zu Gast.“
Mindestens zwölf Stunden im Wasser
Auf seinem Weg nach Helgoland wird das Wasser den Schwimmer wieder länger beherbergen. Mindestens zwölf Stunden wird es dauern, bis Wiersig Helgoland erreichen wird. Damit benötigt er mehr als fünfmal so viel Zeit wie die Touristen auf den Motorschiffen.