Unwetter

Einige Dächer der Tornado-Opfer sind schon wieder eingedeckt

| | 20.08.2021 16:24 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Walter de Groot und seine Mannschaft sind derzeit dabei, dieses unbewohnbare Haus wieder auf Vordermann zu bringen. Archivbild: Ortgies
Walter de Groot und seine Mannschaft sind derzeit dabei, dieses unbewohnbare Haus wieder auf Vordermann zu bringen. Archivbild: Ortgies
Artikel teilen:

Während auf vielen Grundstücken die Gutachter die Schäden analysieren, sind auf einigen schon die Handwerker angerückt. Die Brandkasse hat sich inzwischen einen Überblick verschafft: Es wird teuer.

Großheide - Vier Tage nach dem verheerenden Tornado in der Gemeinde Großheide sind bei der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse in Aurich etwa 100 Schadensmeldungen eingegangen. Das berichtet Pressesprecherin Signe Foetzki auf Nachfrage der Redaktion. „Wir rechnen allein für die Brandkasse mit einem Schadensvolumen im einstelligen Millionenbereich – und zwar mit keiner Eins vorne“, sagt sie. Die bisher größte Einzelmeldung werde die Versicherung rund 100.000 Euro kosten. Es gebe aber auch verhältnismäßig kleine Meldungen, bei denen es um „ein paar Dachziegel“ gehe.

Anlässlich der aktuellen Lage rät sie jedem Versicherten – „ganz egal, bei welchem Unternehmen“ – regelmäßig zu schauen, ob die aktuelle Police noch passe. „Wintergärten zum Beispiel müssen immer extra im Vertrag auftauchen“, sagt sie. In der Corona-Zeit hätten viele Menschen ihr Geld nicht in einen Urlaub, sondern in die Verschönerung ihres Zuhauses investiert – also in Dinge, die mit dem aktuellen Vertrag möglicherweise nicht abgedeckt seien. „Ich empfehle, sich einfach mal bei der jeweiligen Geschäftsstelle zu melden“, sagt Foetzki. Fragen koste schließlich nichts, „und wenn alles in Ordnung ist, hat man die Sicherheit und alles ist gut.“

„Einige Dächer haben wir schon wieder eingedeckt“

Während auf dem einen Grundstück die Gutachter noch die Schäden analysieren, wird auf einem anderen schon gearbeitet. Doch in vielen Medien ist derzeit von Lieferengpässen bei Baumaterial zu lesen: Wird der Wiederaufbau von Berumerfehn und den anderen in Mitleidenschaft gezogenen Orten dadurch gefährdet? „In Teilbereichen gibt es in der Tat längere Lieferzeiten“, sagt Marco Emken, Geschäftsführer des in Großefehn ansässigen Zentrallagers Nowebau. Doch er gehe nicht davon aus, dass eine Materialknappheit die Arbeiten in Großheide verzögern werde: „Beim Material für Dächer zum Beispiel sieht es eigentlich ganz gut aus.“ Viele Betriebe hätten sich auch bevorratet.

Am Ende komme es darauf an, was genau benötigt werde, sagt Emken. „Das ist eben individuell.“ Das sagt auch Walter de Groot, Inhaber des gleichnamigen Bauunternehmens in Großheide. „Wenn ganz normale Dachziegel gebraucht werden, haben wir die im Zweifel sogar auf Vorrat, wird etwas Exotisches gebraucht, kann das schon ein paar Wochen dauern“, erklärt er. Sein Unternehmen betreut die meisten der plötzlich geschaffenen Baustellen in Berumerfehn und war schon am Montag sozusagen zur Ersten Hilfe im Einsatz. „Einige Dächer haben wir schon wieder eingedeckt“, berichtet er.

Baum kracht in Giebel von Waldschule

Gerade sei man dabei, eines der am heftigsten betroffenen Häuser wieder auf Vordermann zu bringen. Dort hatte der Tornado fast das ganze Obergeschoss weggerissen. Eine junge Frau hatte sich in letzter Sekunde retten können. Schlimme Schäden gab es auch an der Waldschule. Dort war ein Baum in den Giebel gekracht. Die Brieftaubeneinsatzstelle hat es ebenfalls heftig erwischt. „An beiden Gebäuden, die der Gemeinde gehören, sind Maurerarbeiten nötig“, sagt de Groot. Das sei natürlich nicht in ein paar Tagen zu schaffen, aber zum Teil sei das benötigte Material schon bestellt.

Der Auricher Landrat Olaf Meinen appelliert an die Bürger, die sich jetzt zum Beispiel einen Wintergarten aufbauen oder andere nicht so wichtige Handwerkerarbeiten durchführen lassen möchten, im Zweifel etwas zu warten, damit die Kapazitäten für die Arbeiten in Großheide zur Verfügung stehen. „Ich bin mir aber sicher, dass die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Menschen weiterhin so groß sein wird wie bisher“, sagt Meinen der Redaktion. Großheides Bürgermeister Fredy Fischer schließt sich an: „Das Wichtigste ist jetzt, den Wiederaufbau voranzutreiben – dafür wird aber auch jeder Mensch Verständnis haben“.

Wir sammeln Spenden für Großheide

Mit der Gemeinde Großheide sammelt das Hilfswerk „Ein Herz für Ostfriesland“ der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO), zu der unsere Zeitung gehört, Spenden für die Gemeinde. Das Konto lautet: „Ein Herz für Ostfriesland gGmbH“, IBAN: DE28 2859 0075 0011 1112 01 bei der Ostfriesischen Volksbank eG, Leer. Bitte geben Sie als Verwendungszweck „Tornado Großheide“ an. Gespendet werden kann hier auch direkt über PayPal. Wer nicht möchte, dass sein Name in der Zeitung veröffentlicht wird, muss das auf der Überweisung vermerken. Jeder einzelne Spenden-Euro geht nach Großheide. Die Verwaltungskosten der „Ein Herz für Ostfriesland gGmbH“ werden komplett von der ZGO getragen. Es gibt keinerlei Verrechnungen oder Abzüge. Bis zu einer Spende von 199 Euro erkennt das Finanzamt den Einzahlungsbeleg an. Bei höheren Beträgen können Spendenquittungen ausgestellt werden. Nähere Informationen zur Quittung gibt es per E-Mail.

Ähnliche Artikel