Unwetter
Tornado zerstört in Großheide mehr als 500 Bäume
Nach dem Wind kamen die Sägen: Schon jetzt steht fest, dass mehr als 500 Bäume die Tornado-Nacht nicht überlebt haben – und die Zahl wird immer größer. Von der grünen Idylle ist kaum etwas übrig.
Großheide -Drei Tage nach der Tornado-Nacht vom Montag sind die Menschen in Großheide noch immer im Aufräummodus – und Bürgermeister Fredy Fischer blickt mit großer Sorge auf die Straßen, Wälder und Grundstücke. „Unser Motto ist ‚Zuhause im Grünen‘“, sagt der Verwaltungschef. Viel übrig ist davon allerdings nicht. „Es sind so viele Bäume zerstört worden“, sagt er. Das ganze Ausmaß an Schäden an der Vegetation wird deutlich, wenn man die Zahlen von Holger Boekhoff hört, der als zertifizierter Baumkontrolleur in der Gemeinde unterwegs ist: „Es sind wohl um die 500 tote Bäume, dazu kommen 200, die wir versuchen, zu retten“, sagt der Fachmann. Das seien aber nur die Bäume im Ort Berumerfehn – „in Ostermoordorf werden da noch einige dazukommen“. Und: Er bezieht die Zahl nur auf die Pflanzen an den Straßen, wie viele auf den privaten Grundstücken zerstört oder beschädigt seien, könne er nicht sagen. Doch auch da geht er von einer Vielzahl aus.
Der Experte ist der Meinung, dass Berumerfehn für lange Zeit nicht mehr so aussehen wird wie vor dem verheerenden Sturm – wie auch? Schließlich hat es 150 Jahre lang gewachsene Eichen und 100 Jahre alte Eschen erwischt. „Wir müssen unbedingt etwas tun“, sagt Bürgermeister Fischer. Nur was genau zu tun ist und wie das alles bezahlt werden soll, ist noch unklar. „Wir hatten in der Vergangenheit oftmals Glück mit Fördermitteln“, sagt er. Nach Möglichkeit wolle die Gemeinde versuchen, auch für die Bäume welche zu bekommen. Einer, dem das sehr am Herzen liegt, ist Stephan Achtermann, der örtliche Pastor. „Berumerfehn war ein grünes, ein idyllisches Dorf“, sagt der Geistliche. Vom Grün seien jetzt nur viele Wiesen übrig geblieben, auf denen sonst stolze Bäume gestanden hätten. Auch er hofft auf Fördermittel: „Damit hat es in der Vergangenheit ja ganz gut geklappt.“ Die Häuser der Betroffenen schnell wieder aufzubauen, sei wichtig, keine Frage. „Aber die Natur ist auch ein Kern unserer Gemeinde.“
Hilfswerk sammelt Spenden für Großheide
Das sieht auch Boekhoff so: „Die Häuser sind versichert, deshalb blutet mein Herz an einer anderen Stelle.“ Es sei furchtbar, dass so viel Natur innerhalb von Sekunden zerstört worden sei – und auch danach. „Als ich ankam, waren viele Firmen dabei, Bäume zurückzuschneiden – und haben dabei die Säge sehr oft quer angesetzt“, sagt er. Was er meint: Die Helfer hätten oftmals den ganzen Baum gefällt, obwohl er möglicherweise noch zu retten gewesen wäre. Deshalb habe er versucht, das Tempo deutlich zu drosseln. „Die Schäden sind schon angerichtet, da brauchen wir jetzt nicht noch mehr kaputt zu machen“, sagt er. An machen Stellen sieht aber auch er keine Chancen mehr, zum Beispiel an der Waldschule: „Sie ist umgeben von 200 Bäumen, die alle nicht mehr zu retten sind“, so der Experte. Vom Wald im Wort „Waldschule“ sei dann nichts mehr übrig. Nicht alle toten Bäume wolle er fällen, am Denkmal etwa habe man einen stehen lassen – „als Habitat für Tiere“.
Deren Lebensraum sei am Montagabend zum Teil tatsächlich zerstört worden, sagt Jan Schürings, Ostfriesland-Chef des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Glücklicherweise sei die Brutzeit der Vögel größtenteils vorbei, aber der Tornado könne die Zweit- oder Drittbrut erwischt haben. „Die hatten dann keine Chance“, sagt der Nabu-Experte. Unter den zerstörten Bäumen litten beispielsweise auch Eichhörnchen und im Falle alter Bäume möglicherweise auch Fledermäuse. „In Höhlen und Rindenabspaltungen richten sie gerne ihr Tagesquartier ein“, so Schürings. Es sei wichtig, dass diese Lebensräume jetzt wieder neu geschaffen würden. „Die Gemeinde sollte unbedingt auf einheimische Arten zurückgreifen und nicht auf amerikanische oder asiatische Zierhölzer“, sagt er. Sobald es neue Bäume geben, kämen auch die Tiere schnell zurück, erwartet er. „Die sind da in der Regel nicht so wählerisch und sobald die mitbekommen, dass es wieder etwas gibt, nutzen sie das auch“, sagt Schürings.
Mit der Gemeinde Großheide sammelt das Hilfswerk „Ein Herz für Ostfriesland“ der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO), zu der unsere Zeitung gehört, Spenden für die Gemeinde. Das Konto lautet: „Ein Herz für Ostfriesland gGmbH“, IBAN: DE28 2859 0075 0011 1112 01 bei der Ostfriesischen Volksbank eG, Leer. Bitte geben Sie als Verwendungszweck „Tornado Großheide“ an. Gespendet werden kann hier auch direkt über PayPal. Wer nicht möchte, dass sein Name in der Zeitung veröffentlicht wird, muss das auf der Überweisung vermerken. Jeder einzelne Spenden-Euro geht nach Großheide. Die Verwaltungskosten der „Ein Herz für Ostfriesland gGmbH“ werden komplett von der Zeitungsgruppe Ostfriesland getragen. Es gibt keinerlei Verrechnungen oder Abzüge. Bis zu einer Spende von 199 Euro erkennt das Finanzamt den Einzahlungsbeleg an. Bei höheren Beträgen können Spendenquittungen ausgestellt werden. Nähere Informationen gibt es per E-Mail.