Wahlen

Naturbursche möchte ins Rathaus-Biotop einziehen

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 19.08.2021 17:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Zustand der Gewässer in Moormerland liegt Torsten Bruns besonders am Herzen. Foto: Lüppen
Der Zustand der Gewässer in Moormerland liegt Torsten Bruns besonders am Herzen. Foto: Lüppen
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Torsten Bruns kennt die Gewässer in der Gemeinde Moormerland wie wenige andere. Mit Unterstützung der Wählergruppe Löwen kandidiert der bei der Bürgermeisterwahl.

Was und warum

Darum geht es: In Moormerland wird am 12. September ein neuer Bürgermeister oder eine neue Bürgermeisterin gewählt. Torsten Bruns bewirbt sich um das Amt.

Vor allem interessant für: Wählerinnen und Wähler.

Deshalb berichten wir: Wir stellen alle Kandidaten und die Kandidatin vor.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

Moormerland - Ein windiger Morgen an der Hookswieke. Der Wind rauscht durch das hohe Schilf, irgendwo über uns ruft ein Bussard. Torsten Bruns hat diese Stelle für unser Treffen ausgesucht, weil es dort „am schlimmsten ist“. Er meint damit den Zustand der Hookswieke.

Um das zu verdeutlichen, schiebt der 51-Jährige die hohen Halme zur Seite. Unten sollte Wasser sein – ist es aber nicht. Der Wasserlauf verlandet, an anderen Wieken in Moormerland sehe es genauso aus. „Dabei hat die Bundesrepublik laut EU-Recht für einen guten Zustand der Gewässer zu sorgen“, sagt Bruns und schüttelt den Kopf. Es passiere das Gegenteil.

Kenner der Kanäle

Kaum jemand kennt die Wieken und Kanäle in Moormerland und umzu so gut wie Torsten Bruns. Er ist Gewässerwart des Bezirksfischerei-Verbands Ostfriesland (BVO), aber er habe schon als Kind und Jugendlicher viel Zeit am Wasser beim Angeln verbracht: „Die Ems kannte ich schon, als sie noch in Ordnung war.“ Die Naturschutzbehörden kümmerten sich vor allem um Pflanzen und Tiere über dem Wasserspiegel, aber nicht um das, was darunter liegt. Ein Fehler, findet er.

Wo viel Schilf wächst, wird das Überleben für Fische schwierig, sagt der Gewässerwart Torsten Bruns. Foto: Lüppen
Wo viel Schilf wächst, wird das Überleben für Fische schwierig, sagt der Gewässerwart Torsten Bruns. Foto: Lüppen

Um das zu ändern, hatte Bruns den Wiekenverein gegründet, nachdem im Sommer 2016 die Wieken in Jheringsfehn ausgetrocknet waren und Fische starben. „Es war wohl auf meinen Druck hin, dass die Bürgermeisterin zu der Wiekenkonferenz mit Umweltminister Olaf Lies eingeladen hat“, sagt Bruns. Der Erfolg sei gering. „Die schwingen immer große Reden, aber es passiert nichts“, findet er.

Wie es um die Gewässer bestellt ist, weiß Bruns, weil er für den BVO regelmäßig Wasserproben zieht. „Jedes Jahr fahre ich tausende Kilometer an den Kanälen entlang“, sagt er. Das macht er in seiner Freizeit, im Hauptberuf ist Bruns Soldat beim „Richthofen“-Geschwader in Wittmund. Dort ist er für IT zuständig, außerdem als Vertrauensperson, was einem Personalrat entspricht. Er liebe das feste Gefüge bei der Bundeswehr.

Jacke bleibt im Auto

Seine Lebensgefährtin Tanja Veentjer teile seine Interessen, sie leite die Jugendarbeit im BVO. Beide haben sieben kleine Katzen samt Muttertier „adoptiert“. Weil die Katze ihnen zugelaufen war, hätten sie selbst erfahren, wie desolat die Situation in den Tierheimen ist. „Deshalb möchte ich den Aufbau eines regionalen Tierschutzzentrums unterstützen“, sagt Bruns, Mitglied im Tierschutzverein Bunte Kuh.

Das Jackett, das Bruns für das Foto am Kanal angezogen hat, landet wieder im Auto, beim nächsten Foto beim Schöpfwerk am Ende der Hookswieke, in Sichtweite des Boekzeteler Meers, vergisst er, es wieder anzuziehen. Inzwischen ist die Sonne rausgekommen. Der 51-Jährige ist immer noch dabei, seine politischen Stationen und Ziele zu beschreiben. Er hat sich vorgenommen, als Bürgermeister endlich die Kurbelfähre am Fehntjer Tief zu verwirklichen. „Gemeinsam mit meinem Freund Arno Ulrichs“, sagt Bruns. Der Simonswolder kandidiert nämlich für das Bürgermeisteramt in Ihlow, er setzt sich seit ewigen Zeiten für die Überquerung an der Ippenwarf ein.

Laufbahn in mehreren Parteien

Bruns und Ulrichs kennen sich vom Friesischen Forum, beide sind im Vorstand. Diese Organisation ist überparteilich. Bruns tritt als Parteiloser bei der Bürgermeisterwahl an, wird aber unterstützt von der Moormerländer Wählergruppe Löwen. Auf deren Liste kandidiert er zudem für den Gemeinderat.

Diesem Gremium hatte Bruns von 2011 bis 2016 für die Grünen angehört. Von denen trennte er sich jedoch, als Grüne und Linke in mehreren Landesregierungen koaliert haben. „Das lehne ich ab“, sagt Bruns, und „vielleicht ziehe ich eher als andere die Konsequenzen.“ Bevor er zu den Grünen stieß, hatte er als Jugendlicher den Jusos angehört, trat aus der SPD aber wieder aus, weil sie „junge Leute links liegen“ ließ. Später habe er es mit der CDU versucht, aber dort sei es genauso gewesen.

Ob Torsten Bruns künftig weniger Zeit für seine Aufgaben als Gewässerwart hat, entscheiden am 12. September die Wählerinnen und Wähler in Moormerland.

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