Corona-Impfungen in Friesland
Sabotage-Verdacht: Polizei bildet Ermittlungsgruppe „Vakzin“
Jetzt soll eine Ermittlungsgruppe der Polizeidirektion Oldenburg klären, ob im Impfzentrum Friesland Spritzen manipuliert wurden. In einer Pressemitteilung ist von „sich verdichtenden Hinweisen“ die Rede.
Oldenburg/Friesland - Die Polizeidirektion Oldenburg hat am Dienstag eine Ermittlungsgruppe namens „Vakzin“ eingerichtet, die den Sabotage-Verdacht bezüglich des Impfzentrums in Friesland untersuchen soll. Eine – inzwischen entlassene – Krankenschwester hatte angegeben, am 21. April sechs Spritzen nur mit Impfstoff-Resten befüllt zu haben. Soweit bisher öffentlich bekannt, war das viel zu Impfstoff für sechs Spritzen.
Die strafrechtlich ermittelnde Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland ist zwischenzeitlich auch unter gefahrenabwehrrechtlichen Gesichtspunkten aktiv geworden: „Über weitere Vernehmungen hat sich die Erkenntnislage, dass die Mitarbeiterin des DRK über die bislang bekanntgewordenen Fälle hinaus für weitere Fälle verantwortlich sein könnte, ab dem 22.07.2021 soweit verdichtet, sodass nach einer Gesamtbewertung [...] der Landkreis Friesland am 02.08.2021 über diese Gefahrenlage durch die Polizei informiert wurde.“ In der Folge hat der Landkreis Friesland 10.183 „Geimpfte“ zu Nachimpfungen aufgefordert.
Polizeivizepräsident bewertet Hinweise als „ernstzunehmend“
„Wir haben ernstzunehmende Hinweise darauf, dass mehr Bürgerinnen und Bürgern als zunächst angenommen keine ordnungsgemäße Impfung gegen Covid-19 erhalten haben“, so Polizeivizepräsident Andreas Sagehorn in einer Pressemitteilung vom Dienstag: „Deswegen konnten wir nicht bis zum Abschluss der Ermittlungen warten und haben dem Landkreis Friesland unverzüglich die veränderte polizeiliche Gefährdungsbewertung mitgeteilt.“ Um was für Hinweise es sich konkret handeln soll, ist weiterhin unbekannt.
Die Polizeidirektion Oldenburg schreibt in ihrer Pressemitteilung vom Dienstag, dass die Ermittlungen „in Anbetracht der besonderen Bedeutung und der gewachsenen Komplexität weiter intensiviert“ würden und daher eine Ermittlungsgruppe eingerichtet worden sei. Die Polizei berichtet von „sich verdichtenden Hinweisen, dass seitens der Beschuldigten weitere Manipulationen von Impfungen vorgenommen worden sein könnten“. Und: „Eine kritische Haltung zum Thema Impfungen“ könne als Motiv „nicht ausgeschlossen werden“.
Achtköpfige Ermittlungsgruppe, weil der Sachverhalt komplexer wurde
Polizeivizepräsident Sagehorn: „Durch die in den vergangenen Wochen und Monaten gewonnenen Hinweise und Erkenntnisse haben sich Umfang und Komplexität der Ermittlungen deutlich erhöht. Daher ist es notwendig, die Inspektion Wilhelmshaven/Friesland zu unterstützen und die Ermittlungsarbeit breiter aufzustellen.“
Die achtköpfige Ermittlungsgruppe „Vakzin“ werde vom Ersten Kriminalhauptkommissar Andreas Hettwer geleitet. Sie setze sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland sowie Ermittlerinnen und Ermittlern verschiedener Inspektionen und Fachbereiche zusammen – darunter Leute vom Staatsschutz und aus dem Bereich Rohheitsdelikte, wozu Körperverletzungen zählen.
So werden die Piekse von sechs Spritzen strafrechtlich eingeordnet
Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt wegen „Gefährlicher Körperverletzung in mittelbarer Täterschaft“. „Mittelbar“ deshalb, weil die Beschuldigte nur die Spritzen aufgezogen habe, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, und sie dann jemand anderes – in der Annahme, da sei genug Impfstoff drin – verabreicht habe. „Der Pieks“ der Spritze sei als Körperverletzung anzusehen, wenn damit nicht der Impfstoff verabreicht werde, wegen dem der Betroffene dieser Behandlung zugestimmt habe.
„Wir nehmen 360 Grad-Ermittlungen vor und schauen mit unseren Fachexpertinnen und -experten in alle Richtungen, die relevant sind“, erläuterte Ermittlungsgruppen-Leiter Andreas Hettwer laut der Pressemitteilung vom Dienstag: „Wir nehmen unsere Arbeit noch heute auf und werden festlegen, welche Schritte als nächstes folgen.“
Bezüglich der angestrebten Nachimpfung von 10.183 Personen merkt Polizeivizepräsident Sagehorn an: „Die Anzahl der erneut zur Impfung aufgerufenen Personen entspricht nicht der Anzahl der Verdachtsfälle. Aber Fakt ist eben auch, dass wir derzeit nicht genau beziffern können, wie viele Menschen betroffen sein könnten. Wir müssen weiter Licht ins Dunkel bringen.“