Osnabrück
Negativzinsen: Warum parken Banken ihr Geld überhaupt bei der EZB?
Wenn Banken Geld bei der EZB parken, müssen sie dafür Negativzinsen zahlen. Warum also lagern sie die ihnen anvertrauten Gelder nicht einfach auf eigene Konten? Und welche Optionen haben die Institute sonst noch?
In punkto Gebühren und Entgelte drehen immer mehr Banken und Sparkassen an diversen Stellschrauben. So gibt es etwa kaum noch wirklich kostenlose Girokonten, wie eine aktuelle Untersuchung von Finanztest zeigt. Auch erheben zunehmend mehr Geldhäuser Negativzinsen - sogenannte Verwahrentgelte − auf Tagesgeld- sowie Girokonten. Das heißt: Banken kassieren Zinsen vom Guthaben ihrer Kunden. Damit wollen sie Sparer davon abhalten, größere Beträge anzulegen.
Mit ein Grund für diese Entwicklung ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB): Die Banken müssen selbst 0,5 Prozent negative Zinsen zahlen, wenn sie wiederum Geld bei den Euro-Wächtern einlegen.
Warum aber parken die Finanzhäuser überhaupt Geld bei der EZB und wohlmöglich nicht auf eigenen Konten?
Banken haben keine eigenen Konten für überschüssiges Geld
Bei dem Geld handelt es sich um die Differenz aus den Einlagegeldern der Kunden und den an Kunden herausgegebenen Krediten. „Für dieses überschüssige Geld haben die Banken keine eigenen Konten − auf wen sollten die auch laufen“, sagt Jürgen Moormann, Professor für Bank- und Prozessmanagement an der Frankfurt School of Finance & Management. „Das Geld gehört schließlich den Bankkunden und kann daher nicht nochmal auf anderen Konten gebucht werden. Davon abgesehen dürfen die Banken auch keine eigenen Konten führen, außer für Abrechnungszwecke.“
Zudem sind Banken verpflichtet, die sogenannte Mindestreserve von 1 Prozent der Kundeneinlagen bereitzuhalten. Um „flüssig“ zu sein für den Fall, dass viele Kunden gleichzeitig Geld von den Girokonten abziehen oder doch kurzfristig Kredite beantragen. Diese Reserve liegt ebenfalls auf einem Konto bei der Zentralbank.
Investieren, verleihen, als Bargeld horten oder bei der EZB parken
Die EZB verwaltet für jede Einzelbank ein Konto. Die einzelnen Institute können sich aussuchen, ob sie das Geld dorthin bringen, etwa dann, wenn keine Kredite nachgefragt werden, oder es einer anderen Bank, Privatpersonen oder Unternehmen leihen.
„Prinzipiell kann die Bank auch Wertpapiere kaufen und in den Eigenbestand nehmen, aber nur mit ihren eigenen Mitteln. Sie kann nicht die Mittel auf den Einlagekonten ihrer Kunden nehmen und dafür Wertpapiere kaufen“, sagt Moormann.
Darüber hinaus können die Banken das überschüssige Geld noch in einer anderen Form aufbewahren - als Bargeld. Doch auch die Verwahrung im Geldspeicher kostet Geld. „Das Problem ist, dass Banken kaum noch über Tresore verfügen und es sich um große Mengen an physischen Scheinen handeln würde“, sagt Moormann. Zudem entstehen Kosten für den Transport und die Versicherung. „Attraktiv ist das also nicht, auch wenn diese Idee in Bankenkreisen bereits diskutiert wurde.“
Die Lagerung bei der Zentralbank ist hingegen die sicherste und für viele Banken auch die bequemste Lösung. Wenngleich sie kostspielig ist: Im Jahr 2020 haben die Banken in der Eurozone insgesamt 8,5 Milliarden Euro an Negativzinsen auf ihre Einlagen bei den nationalen Notenbanken gezahlt, so viel wie nie zuvor.