Freizeit

Beim Bliede-Park wollen Emder Schützen wieder Flagge zeigen

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 17.08.2021 15:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf dem Emder Schützenplatz soll es im September beim Bliede-Park wieder rundgehen. Foto: J. Doden/Archiv
Auf dem Emder Schützenplatz soll es im September beim Bliede-Park wieder rundgehen. Foto: J. Doden/Archiv
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Die Schausteller planen eine Neuauflage des Pop-up-Jahrmarktes in Emden. Dafür holen die Emder Schützen nach zwei Jahren ihre Trachten aus der Mottenkiste. Einen jungen Emder freut das besonders.

Was und warum

Darum geht es: Das Emder Schützencorps hat sein großes Volksfest erneut abgesagt. Die Schausteller werden ihre Geschäfte trotzdem auf dem Schützenplatz aufbauen.

Vor allem interessant für: Alle, die sich gern auf Jahrmärkten vergnügen, und Leute, die sich für das Schützenwesen interessieren

Deshalb berichten wir: Das Emder Schützencorps hat in dieser Woche seine Mitglieder zu internen Feiern eingeladen. Wir haben den amtierenden Schützenkönig, die Vereinsführung und die ostfriesischen Schausteller zur gegenwärtigen Situation befragt.

Die Autorin erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Emden/Ostfriesland - Diese Zeit wird Stefan Esderts wohl sein Leben lang nicht vergessen: Er wird als erster Schützenkönig der Nachkriegsgeschichte in die Chronik des Emder Schützencorps eingehen, dessen Amtszeit drei Jahre und möglicherweise noch länger dauert. Denn mittlerweile steht fest: Angesichts der Corona-Pandemie wird es auch in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge kein Schützenfest in der gewohnten Form in Emden geben. Bislang galt es als das größte dieser Art in Ostfriesland.

Auch das traditionelle Königsschießen, bei dem sich die Traditionsschützen um die höchste Würde bewerben, fällt flach. Das bestätigte der Vereinsvorsitzende Alfred Lüppen, der im Corps als Hauptmann bezeichnet wird, am Dienstag auf Nachfrage dieser Zeitung. „Das Risiko ist einfach groß“, sagte er mit Blick auf größere Veranstaltungen mit Umzügen oder in einem Festzelt.

König im dritten Jahr

Seine neue Tracht, die er bislang kaum getragen hat, wird Stefan Esderts dennoch aus dem Kleiderschrank holen. Denn die Schützen wollen vom 17. bis zum 19. September zumindest im internen Kreis ein „Kleines Schützenfest“ feiern, allerdings ohne richtig auf die Pauke zu hauen. Das Programm sieht zwei kleinere Zusammenkünfte in Lokalen der Innenstadt sowie einen Frühschoppen mit Musik und Gegrilltem im und am vereinseigenen Schützenhof vor.

Dabei werden die Schützen in ihren Trachten auftreten. „Wir wollen zumindest zeigen, dass es uns noch gibt“, sagte der amtierende König, der mit 25 Jahren auch einer der jüngsten Würdenträger in der mehr als 500-jährigen Geschichte des Emder Schützenwesens ist.

Schausteller warten noch ab

Das Corps will aber auch auf dem Schützenplatz Präsenz zeigen. Dort planen die ostfriesischen Schausteller vom 11. bis zum 19. September eine Neuauflage des Bliede-Parks. Die Genehmigung der Stadt liege vor, sagte Jonny Eden dieser Zeitung auf Anfrage. Er ist Sprecher des Vereins reisender Schausteller Ostfriesland, in dem 110 selbstständige Unternehmen zusammengeschlossen sind. Es handelt sich zum größten Teil um Familienbetriebe, denen die Corona-Pandemie nach wie vor zu schaffen macht.

Der Ersatz-Jahrmarkt in Emden soll ähnlich ablaufen wie im vergangenen Jahr - mit Hygiene- und Abstandsregeln sowie Registrierungen der Besucherinnen und Besucher am Eingang. Genaueres lasse sich gegenwärtig aber noch nicht sagen, so Eden, zumal seine Branche sich fast wöchentlich auf neue Situationen einstellen und vieles ad hoc entschieden werden müsse. „Wir warten im Moment noch ab“, sagte der Sprecher.

Zusätzliche Kosten belasten Branche

Die Schausteller wollten aber jede Chance nutzen, um sich zu präsentieren. Die sogenannten Pop-up-Freizeitparks seien zwar „keine Flopps“ und gut besucht, allerdings erforderten die Sicherheitsmaßnahmen „immense Zusatzkosten“. Hinzu komme, dass die Abstände, die zwischen einzelnen Geschäften eingehalten werden müssen, dazu führten, dass nicht alle Stammbeschicker kommen könnten und diese Betriebe deshalb keine Umsätze machen könnten.

Das Gastspiel in Emden passt in den Zeitplan der Schausteller, denn vier Tage vor dem „Bliede-Park“ endet am 7. September in Esens die fünftägige „Schützenwiese“, die eine abgespeckte Form des sonst großen und stark besuchten Schützenfestes in dieser Stadt ersetzt. Zuvor sind viele ostfriesische Schausteller beim „Bliede-Park“ in Papenburg vertreten, der am kommenden Sonnabend beginnt und zehn Tage lang dauert. Dazwischen liegt am letzten August-Wochenende noch das Schützenfest auf dem Schützenplatz in Friedeburg.

Hoffnungen ruhen auf 2022

„Das sind einige Lichtblicke“, sagte Eden mit Blick auf die aufeinander folgenden Jahrmärkte in der Region. Längerfristige Perspektiven gebe es aber noch nicht.

So wie bei den Schaustellern ruhen auch die Hoffnungen des Emder Schützenkönigs auf dem nächsten Jahr. Seine lange Amtszeit hat er in zwei Jahren, in denen das Traditionswesen und der Schießsport in Ostfriesland praktisch stillstanden, nicht richtig genießen können. „Man will schon ein bisschen davon haben“, sagt der angehende Fachinformatiker, der einer Schützenfamilie entstammt und der seit seiner Kindheit auch als Sportschütze aktiv ist. Er wolle sein Amt nämlich „noch würdig feiern“ und danach „vernünftig abdanken“.

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