Starkregen

Gruß vom Klimawandel: Burhafe ging zweimal baden

Imke Oltmanns
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Von Imke Oltmanns
| 17.08.2021 12:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Klimawandel, Starkregen – der Weltklimarat hat dringendes Handeln gerade wieder angemahnt. In der Ortschaft Burhafe sitzt man bei diesem Problem sogar in der ersten Reihe. Mit nassen Füßen.

Was und warum

Darum geht es: um zunehmenden Starkregen und das Problem, das Wasser schnell wieder loszuwerden.

Vor allem interessant für: Hausbesitzer, die Angst vor Überschwemmungen haben.

Deshalb berichten wir: Die Wittmunder Ortschaft Burhafe wurde zweimal nacheinander stark von Regen überflutet.

Die Autorin erreichen Sie unter: i.oltmanns@zgo.de

Burhafe - Passenderweise kommt es bei diesem Besuch nass von oben runter, wenn auch nicht annähernd so nass wie am 29. Juni: 113 Liter Regen pro Quadratmeter seien an jenem Dienstag innerhalb einer Stunde runtergekommen, berichtet Bernhard Gerdes aus Burhafe. Das habe er selbst in seinem Garten gemessen. Ach was, Garten, an jenem Mittwoch sei das eine durchgehende Wasserfläche gewesen, sagt der 68-Jährige, die Fische aus seinem Teich seien durch den ganzen Garten geschwommen, „wo mein Koi abgeblieben ist, weiß ich bis heute nicht“.

Beim überschwemmten Garten ist es nicht geblieben: Das Wasser drang ins Haus ein, machte sich in Stube und Flur breit, Gerdes und seine Frau mussten ausziehen. Sie leben jetzt in einer Ferienwohnung im selben Ort. Von dort beobachtete Gerdes auch den nächsten Starkregen gut fünf Wochen später, „da kriegt man schon Schiss“, sagt er im Nachhinein. Gerade war sein Haus einigermaßen trocken, nun drohte neues Ungemach. Diesmal ging es aber gut; zwar ließ der Regen das Wasser auf den Straßen wieder ansteigen, in sein Haus im Erlenhain drang es aber nicht wieder ein. Gerdes und seine Frau haben noch Glück: Sie haben eine Elementarversicherung, auf den Renovierungskosten werden sie nicht sitzenbleiben.

Der Starkregen

Die Angaben zu den Regenmengen an jenem Junitag variieren. Gerdes spricht von 113 Liter pro Quadratmeter, auch andere Zahlen aus der direkten Umgebung machten die Runde, 120 Liter, 140 Liter – südlich der Stadt Wittmund, in Tjüchen, maßen die Anwohner zwischen 65 und 100 Liter pro Quadratmeter. So jedenfalls schildert es Wittmunds Obersielrichter Udo Hinrichs, der in Tjüchen lebt. Auch die 113 Liter in der Straße Erlenhain hält er für wahrscheinlich. „Der Starkregen war punktuell sehr unterschiedlich“, sagt Hinrichs. In jedem Fall gelte: „Das war eine Monatsmenge Regen, die da innerhalb einer Stunde runtergekommen ist.“

Die Stube von Bernhard Gerdes nach dem Starkregen im Juni. Foto: Gerdes
Die Stube von Bernhard Gerdes nach dem Starkregen im Juni. Foto: Gerdes

Die nächste Angabe, die der Deutsche Wetterdienst (DWD) machen kann, bezieht sich übrigens auf Wittmund-Abens. 70,9 Liter pro Quadratmeter seien dort am 29. Juni runtergekommen, teilt der Dienst auf Nachfrage mit. Bei dem Regen fünf Wochen später seien es dann 25,4 Liter in Wittmund-Abens gewesen, und 35 Liter in Wittmundhafen. Der DWD kennt drei verschiedene Starkregen-Kategorien, die insgesamt zwischen 15 und mehr als 40 Liter Regen pro Quadratmeter und Stunde liegen.

Der Einsatz

Der 29. Juni war ein Großkampftag für die Wittmunder Kreisfeuerwehr: Zwölf Ortswehren waren nur im Wittmunder Stadtgebiet im Einsatz; Burhafe ist ein Ortsteil der Stadt Wittmund. Dazu kam das Technische Hilfswerk aus Varel mit Hochleistungspumpen. Außerdem waren zahlreiche Landwirte herbeigeeilt, die Wasser von der Straße in ihre Güllewagen pumpten und abtransportieren.

Mehr als 200 Einsatzkräfte waren beschäftigt, das Ganze dauerte rund zwölf Stunden. Fünf Wochen später dann das gleiche wieder: Feuerwehren, Landwirte und pumpen, pumpen, pumpen. Obwohl das Ausmaß an jenem 6. August nicht mehr ganz so schlimm war.

Die Straße Erlenhain in Burhafe stand am 29. Juni innerhalb kurzer Zeit unter Wasser. Foto: Gerdes
Die Straße Erlenhain in Burhafe stand am 29. Juni innerhalb kurzer Zeit unter Wasser. Foto: Gerdes

Der Ortsvorsteher

Holger Kirchhoff ist Ortsvorsteher in Burhafe und hat sich bei beiden Starkregenereignissen durch die überschwemmten Straßen gearbeitet. „Den Zusammenhang mit dem Klimawandel kann man nicht leugnen“, sagt er bei dem Besuch im Erlenhain. Bernhard Gerdes nickt dazu. Zwar liege seine Wohngegend etwas tiefer und auch früher sei öfter mal Wasser abgepumpt worden, sagt der noch. Aber diese Mengen? Nein, noch nicht dagewesen.

Könnte jetzt aber öfter passieren: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Episoden mit Starkniederschlägen in den meisten Regionen mit einer weiteren Klimaerwärmung intensiver und häufiger werden“, heißt es etwa im jüngsten Bericht des Weltklimarats IPCC. Ortsvorsteher Kirchhoff will seinen Ort dem Starkregen aber nicht einfach überlassen. „Es müssen technische Lösungen her, um das künftig zu verhindern“, fordert er.

Das Entwässern

Und dann müssten auch die Entwässerungsgräben in Angriff genommen werden, findet Kirchhoff. Ein paar Schritte von Gerdes’ Haus entfernt macht er seinen Punkt deutlich: Die Vegetation ist üppig, der Entwässerungsgraben ist vor lauter Schilf kaum zu erkennen. Ein schnelles Ableiten großer Wassermengen – offensichtlich unmöglich. Der Graben soll nun gereinigt werden, per Sondergenehmigung, sagt Kirchhoff. Denn eigentlich verbiete der Naturschutz das Reinigen der Gräben zwischen März und Oktober. Zwischen den Zeilen wird mehr als deutlich, was der Ortsvorsteher von solch einem Verbot hält.

Holger Kirchhoff vor einem völlig zugewachsenen Entwässerungsgraben am Rande von Burhafe. Foto: Oltmanns
Holger Kirchhoff vor einem völlig zugewachsenen Entwässerungsgraben am Rande von Burhafe. Foto: Oltmanns

Alfons Coordes arbeitet bei der Unteren Wasserbehörde im Landkreis Wittmund und hat die jüngsten Starkregenereignisse nach eigenem Bekunden intensiv miterlebt. Auch er verweist auf das Bundesnaturschutzgesetz, das nun mal regele, wann die Vegetation in den Gräben abgemäht werden dürfe. Tatsächlich gebe es aber eine Reihe von Ausnahmen für die Sielachten. Das bestätigt auch Wittmunds Obersielrichter Hinrichs. Wenn es allerdings nach dem Burhafer Ortsvorsteher ginge, müssten das noch sehr viel mehr sein.

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