Mein Garten und ich

Was andere rausreißen, pflanzen sie ein

Nora Kraft
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Von Nora Kraft
| 09.08.2021 18:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Rene-Johanne Kahrels und Erwin Kahrels in ihrem Garten in Emden Foto: Kraft
Rene-Johanne Kahrels und Erwin Kahrels in ihrem Garten in Emden Foto: Kraft
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Familie Kahrels aus Emden hat aus einem verwilderten Garten eine Oase für Insekten geschaffen. In Nutz- und Staudenbeeten pflanzen sie Gemüse und verschiedene Sorten Rosen an.

Emden - Vorbei an Rhododendren, Herzblattlilien und Hortensien, über Steinplatten und Rindenmulch, entlang an einem üppigen Weigela-Strauch, gelangt man durch den Vorgarten in das Pflanzenparadies der Familie Kahrels in Emden. Das überzeugt auf den ersten Blick mit einer geschickten Kombination aus Nutz- und Staudenbeeten.

Das Tagpfauenauge fühlt sich auf dem Schmetterlingsflieder besonders wohl Foto: Kraft
Das Tagpfauenauge fühlt sich auf dem Schmetterlingsflieder besonders wohl Foto: Kraft
Das Ehepaar ist vor zwei Jahren aus Pewsum nach Emden gezogen, um sich räumlich zu verkleinern. Auch die Gartenfläche hat sich reduziert. So musste Erwin Kahrels sich von seinem 20 Quadratmeter großem Gewächshaus, das er 40 Jahre lang in seinem alten Garten bewirtschaftet hat, verabschieden. Doch der 69-Jährige baut auf einem Hochbeet in einem abgetrennten Bereich hinter der Terrasse sein Gemüse weiter an und nutzt die drei Quadratmeter große Beetfläche für das Pflanzen von Gurken, Tomaten, Paprika und Peperoni. „Not macht erfinderisch“, sagt er und schmunzelt. Auch wenn er den Traum an ein neues, kleineres Gewächshaus noch nicht aufgegeben hat, dürfe die Gartenarbeit schließlich nicht zur Last werden. Der Spaß müsse immer dabei bleiben, sind die Hobbygärtner sich einig.

Beete bringen Ordnung in den neuen Garten

Der Garten, den sie vor zwei Jahren im Norden von Emden beim Einzug vorgefunden haben, sei schön gewesen, aber sehr verwildert. „Vom ursprünglichen Garten ist nichts mehr, wie es vorher war“, sagt Rene-Johanne Kahrels. Das Paar habe den Garten von Staunässe befreien müssen und eine Firma für Gartenlandschaftsbau hinzugezogen. Die Nutzbeete entstanden. Heute säumt sie grauer Stein. „Durch diese Beetumrandung konnten wir verschiedene Höhen erreichen“, sagt der Hobbygärtner. Heute tummeln sich zwischen den Gemüsepflanzen, Obststräuchern und Stauden zahlreiche Insekten.

„Wir ernähren uns sehr bewusst und regional“, sagt die 65-Jährige. Sie lebten mit den Jahreszeiten. In den Beeten pflanzten sie dieses Jahr Porree, Mohrrüben, rote Beete, zwei Sorten Bohnen, Kräuter und Früchte wie Stachelbeeren, Erdbeeren und besondere Arten der Johannisbeere. Kartoffeln und Erbsen konnten dieses Jahr bereits geerntet werden.

Von klein auf mit der Erntearbeit vertraut

Der eigene Obst- und Gemüseanbau sei auch für die Enkelkinder des Paares besonders schön. Noch letztes Jahr hatten sie zwei Bienenstöcke beherbergt. „Das war toll, den Enkelkindern die Honigherstellung zu zeigen“, sagt die 65-Jährige. Kahrels stamme aus einer ländlichen Familie. Da sei es ganz normal gewesen, schon im Kindesalter beim Einholen der Ernte mit anzupacken. „Man ist da so reingewachsen“, sagt ihr Ehemann. Heute freuen sie sich, ihre Pflanzenfürsorge und Liebe zum Gärtnern an ihre Enkelkinder weiterzugeben. So hat auch ein kleines Hochbeet der Enkeltochter und die angezüchtete Sonnenblume aus dem Kindergarten Platz im Beet.

Aus einer alten Kuhtränke fließt Wasser in einen Trog voller Seerosen Foto: Kraft
Aus einer alten Kuhtränke fließt Wasser in einen Trog voller Seerosen Foto: Kraft
Neben dem Obst- und Gemüseanbau gibt es noch so einiges im Emder Garten zu entdecken. An einer kleinen Wasserstelle an der Hauswand ist als Wassergeber eine alte Kuhtränke aus dem Kuhstall der Eltern von Rene-Johanne Kahrels angebracht. Die Tränke sei mit umgezogen und heute fließt, angetrieben von einem Solarpanel, Wasser aus ihr in einen Trog, der mit Seerosen dicht bewachsen ist. Einen Schritt weiter findet auch eine Erinnerung aus der Kindheit ihres Ehemanns Platz. Hier ziert ein bewachsener Kalksandstein aus dem Garten seiner Mutter in Braunschweig den Rand eines Beets.

Ein Paradies für Insekten

Während man in dem grünen Idyll sitzt, summt und brummt es aus allen Richtungen. Die kleinen Tierchen kommen auch aus dem benachbarten Kleingartenbauverein zu den Kahrels geflogen und gekrabbelt. „Die Insekten lieben unseren Garten“, sagt die Hobbygärtnerin. Und sie liebe die Tiere. An unterschiedlichen Stellen sind zahlreiche Insektenhotels angebracht. Auch die sonst lästigen Brennnesseln sind absichtlich zwischen den Pflanzen platziert. „Was andere rausreißen pflanzen wir ein“, sagt der Hobbygärtner. Das Unkraut biete einen wichtigen Lebensraum für Schmetterlinge, sei aber dennoch aufwendig kleinzuhalten. Auch an größere Tiere haben sie gedacht: Die Aronia sei bei den Vögeln besonders beliebt. Die Früchte der sogenannten Apfelbeere sind auch für Menschen essbar und schmecken süßlich-herb.

Im Hochbeet baut Erwin Kahrels Gurken, Tomaten, Paprika und Peperoni an Foto: Kraft
Im Hochbeet baut Erwin Kahrels Gurken, Tomaten, Paprika und Peperoni an Foto: Kraft
Neben den Gemüsebeeten und den vielen insektenfreundlichen Pflanzen wie dem weißen Phlox oder Exoten wie der japanischen Zaubernuss, die sich durch ihre bizarre Verzweigung auszeichnet, zieren den Garten etliche Rosengewächse. Die Königin der Blumen ist das Steckenpferd von Rene-Johanne Kahrels. Edelrosen wie Augusta Luise und Comtessa, Kletterrosen und Pfingstrosen verwandelten den Garten in den Frühlingsmonaten in eine herrliche Farbpracht. Flieder, Rhododendren und prächtige Hortensien, die in diesem Jahr aufgrund des vielen Regens in voller Blüte stehen, machen das Farbenspiel perfekt.

Trotz der guten Pflege der Rosen gelänge Kahrels aber auch nicht alles. Mit dem Rittersporn habe sie einfach kein Glück. Da müsse sie noch Tipps von den Nachbarn einholen. Denn bis jetzt habe sie die empfindliche Pflanze jedes Jahr neu kaufen müssen. Aber das sieht sie gelassen. Denn schon nächstes Jahr könne der Garten ganz anders aussehen, da das Ehepaar stets am umgestalten sei. „Und wenn man etwas falsch macht, macht man es im nächsten Jahr besser“, ergänzt ihr Mann. Nur nicht zu aufwendig dürfe es werden, denn verreisen wollen sie schließlich auch. Aber das heben sie für den weniger arbeitsintensiven September auf. Und wenn es nicht in den Urlaub geht, genießen sie die Zeit im heimischen Garten. Im Sommer spiele sich alles im Freien ab. „Alles passiert bei uns draußen. Das ist unser Wohngarten“, sagt sie.

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