Berlin
SPD überholt Grüne in Umfrage: Das Rennen wird spannend
Der Wahlkampf geht in die heiße Phase – und wird spannender als gedacht. Ein Kommentar.
Wer Olaf Scholz (SPD) in diesen Tagen trifft, erlebt einen entspannten Kanzlerkandidaten. Kein Wunder: Nachdem es lange so aussah, als müssten die Grünen nur noch wählen welche Ministerien sie in einer schwarz-grünen Regierung beanspruchen sollen, scheint nun alles wieder offen zu sein. Erstmals seit einem Jahr haben die Sozialdemokraten die Grünen in einer Umfrage überholt, sind nicht einmal mehr weit weg von der Union. Und nachdem der SPD-Kanzlerkandidat lange abgeschlagen war, sind seine Beliebtheitswerte aktuell doppelt so hoch wie die seines Unions-Konkurrenten.
Die Gründe sind vielfältig. So machte Armin Laschet (CDU) keine glückliche Figur während der Hochwasserkatastrophe. Annalena Baerbock (Grüne) verlor nach Querelen um Lebenslauf und Veröffentlichungen erheblich an Beliebtheit. Umfragen sind eine Momentaufnahme. Nicht-Vorhersehbares wie Unwetter oder neue Entwicklungen in der Pandemie können Zustimmung oder Ablehnung befeuern, vor allem aber eben auch Fehltritte der Kandidaten. Dazu kommen statistische Unwägbarkeiten wie Nichtwähler, die in einer Umfrage so tun als würden sie wählen wollen.
Der ehemalige SPD-Vorsitzende Kurt Beck kritisierte kürzlich den ungleichen Umgang mit den Kanzlerkandidaten der drei aussichtsreichen Parteien. Es sei so getan worden, als finde ein grün-schwarzer Zweikampf statt. Nun rollt Scholz das Feld von hinten auf und auch dem letzten Beobachter dürfte klar sein, dass im Rennen ums Kanzleramt alles offen ist.
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