Kommunalwahl

Persönlichkeit und Diplomatie sind das A und O

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 15.08.2021 17:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Heinz Trauernicht staunte in der ersten Zeit im Remelser Rathaus nicht schlecht, wie vielfältig die Aufgaben sind, um die sich der Bürgermeister und die Verwaltung kümmern müssen. Foto: OZ-Archiv
Heinz Trauernicht staunte in der ersten Zeit im Remelser Rathaus nicht schlecht, wie vielfältig die Aufgaben sind, um die sich der Bürgermeister und die Verwaltung kümmern müssen. Foto: OZ-Archiv
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Am 12. September werden in vielen Kommunen neue Bürgermeister gewählt. Welches Rüstzeug müssen sie für ihre neue Aufgabe mitbringen? Zwei, die es wissen müssen, erzählen über ihre Erfahrungen.

Weener/Remels - Viele der Männer oder Frauen, die nach der Kommunalwahl am 12. September erstmals auf den Chefsesseln der Rathäuser im Landkreis Leer Platz nehmen, betreten beruflich völliges Neuland. Ist es hilfreich, wenn man mit Verwaltungsabläufen vertraut ist oder spielen solche Vorkenntnisse tatsächlich eine eher untergeordnete Rolle? Der Uplengener Bürgermeister Heinz Trauernicht und Weeners scheidender Verwaltungschef Ludwig Sonnenberg berichten von ihren Erfahrungen.

Eine überraschende Aufgabenvielfalt

Heinz Trauernicht ist am 24. September 2017 in Uplengen zum neuen Bürgermeister gewählt worden. Mit 51 Prozent aller Wählerstimmen hatte sich der Polizeihauptkommissar damals deutlich gegen seine fünf Mitbewerber durchgesetzt. „Ich glaube, es ist kein Nachteil, wenn jemand von außen Chef einer Kommunalverwaltung wird“, zieht er nach vier Amtsjahren Bilanz. Außenstehende hätten einen anderen Blick auf Problemlösungen und vielleicht auch eine etwas andere Herangehensweise als reine Verwaltungs-Profis. „Die Vielschichtigkeit der Aufgaben, um die sich die Verwaltung kümmern muss, hat mich aber doch etwas überrascht“, blickt er auf seine ersten Wochen im Rathaus zurück. Und: „Das Bürgermeisteramt ist eine Herausforderung und geht schonmal an die Belastungsgrenze.“ Von einer 40-Stunden-Woche müsse man sich verabschieden. „Da kommt schon mal das Doppelte zusammen.“ Drei bis vier Termine am Wochenende seien keine Seltenheit. Um selbst mit den Grundzügen der Verwaltung vertraut zu werden, habe er mehrere Schulungen besucht – zum Beispiel zum Baurecht. „Das ist sehr interessant und wichtig Bereich, aber gleichzeitig sehr komplex und vielschichtig.“

Persönlichkeit und Diplomatie

Als Bürgermeister komme man nicht überall in die „Sachtiefe“ wie die Spezialisten in den Fachbereichen hinein – nicht nur im Baurecht. „Da muss man Verantwortung auch auf die Mitarbeiter verlagern, die ja Experten auf dem jeweiligen Gebiet sind“, erklärt er. Für die Bürger sei man der erste Ansprechpartner. „Das merke ich oft, wenn ich nach Feierabend mit dem Fahrrad nach Hause fahre“, berichtet Trauernicht. Nicht selten trifft er auf dem Heimweg Menschen, die ihn mit unterschiedlichsten Problemen oder Fragestellungen ansprechen. Er nehme alle ernst – „Und wenn es nur eine Beschwerde über versackte Gehwegplatten ist.“

Ein gewisses Maß an Persönlichkeit, Diplomatie und Lebenserfahrung müsse ein Bürgermeister nach seiner Auffassung mitbringen. „Um gewisse Sachverhalte beurteilen zu können, braucht man das einfach.“ In seiner 35-jährigen Dienstzeit als Polizeibeamter habe er viele Erfahrungen im menschlichen Miteinander gesammelt – im Streifendienst, später aber auch bei der Personalführung. „Davon profitiere ich.“ Als Bürgermeister ist der 55-Jährige immerhin für rund 250 Mitarbeiter verantwortlich. „Wenn man nie mit der Führung von Mitarbeitern zu tun hatte, kann das schwierig werden“, glaubt er.

Ludwig Sonnenberg hat seine Erfahrungen in der Finanzverwaltung in seiner Zeit als Bürgermeister von Weener als hilfreich empfunden. Foto: OZ-Archiv
Ludwig Sonnenberg hat seine Erfahrungen in der Finanzverwaltung in seiner Zeit als Bürgermeister von Weener als hilfreich empfunden. Foto: OZ-Archiv
Für Ludwig Sonnenberg geht Ende Oktober die Amtszeit im Rathaus von Weener zu Ende. Bei der Kommunalwahl 2014 hatte er sich mit 56,7 Prozent der Wählerstimmen deutlich gegen seine drei Mitbewerber durchgesetzt. Seinen beruflichen Werdegang bei der Finanzverwaltung habe er bei der Amtsausübung als hilfreich empfunden. „Ich habe die Zeit zwischen der Wahl und dem Amtsantritt genutzt und verschiedene Lehrgänge besucht“, so Sonnenberg. Ins Kommunalrecht habe er sich aber erst einmal einfinden müssen. Mitunter seien die Verwaltungsabläufe auch für ihn ein Lernprozess gewesen. „Viele Projekte lassen sich nicht einfach von heute auf morgen umsetzen.“ Als Beispiel nennt Sonnenberg neue Einzelhandelsansiedlungen in Weener. „Einzelhandelskonzept, Bauleitplanung, Anpassung des Bebauungsplans – dass sich das über mehrere Jahre erstreckt, musste ich auch erst lernen.“

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