Umwelt

Schadstoff-Angst: Umweltministerium gibt Entwarnung

Michael Hillebrand
|
Von Michael Hillebrand
| 14.08.2021 17:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In dieser Produktionsstätte aus den 1970er Jahren wird Siliziumkarbid hergestellt. Gebraucht wird es unter anderem als Schleifmittel in der Mechanik, der Optik sowie bei der Herstellung von Halbleitern für Solarzellen. Foto: ESD-SiC
In dieser Produktionsstätte aus den 1970er Jahren wird Siliziumkarbid hergestellt. Gebraucht wird es unter anderem als Schleifmittel in der Mechanik, der Optik sowie bei der Herstellung von Halbleitern für Solarzellen. Foto: ESD-SiC
Artikel teilen:

Im September will das Umweltministerium mit der Auricher Kreispolitik über eine mutmaßliche Schadstoffbelastung aus Richtung Niederlande sprechen. Unsere Zeitung bekam aber schon eine Stellungnahme.

Was und warum

Darum geht es: Vor einiger Zeit geriet die seit den 70er Jahren bestehende SiC-Produktion in Delfzijl in der ostfriesischen Öffentlichkeit in die Kritik. Laut dem Umweltministerium ist diese jedoch unberechtigt.

Vor allem interessant für: Leute, die in der Region leben und sich um die Luftqualität sorgen

Deshalb berichten wir: Die Norder Grünen hatten uns jetzt ein Antwortschreiben vom Auricher Landrat weitergeleitet. Wir haben das zum Anlass genommen, um noch einmal genauer nachzufragen.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Delfzijl/Ostfriesland - Die Diskussion über potenziell gesundheitsschädliche Siliziumkarbid-Fasern (SiC), die angeblich von einer Fabrik im niederländischen Delfzijl aus in Richtung Ostfriesland geweht werden, geht weiter. So hat der Norder Ortsverband der Grünen unserer Redaktion nun ein Antwortschreiben von Olaf Meinen (parteilos) weitergeleitet, in dem der Landrat des Landkreises Aurich Stellung zu der Sache nimmt. Sein Fazit nach Rücksprache mit dem niedersächsischen Umweltministerium: In Ostfriesland muss man sich keine Sorgen machen.

Das gehe aus den Messungen des lufthygienischen Überwachungssystems Niedersachsen (LÜN) hervor, das im Auftrag des Ministeriums vom staatlichen Gewerbeaufsichtsamt (GAA) Hildesheim betrieben wird. An der Messstation „Ostfriesland“, die sich am Emder Eisenbahndock befindet, seien demnach „keine Hinweise auf besondere Belastungssituationen erkennbar“ gewesen. „Eine Bewertung für die Krummhörn am 20.06.2018 ergab die Schlussfolgerung, dass eine Überschreitung der Luftschadstoffgrenzwerte nicht zu erwarten sei, sich die Immissionsbelastung eher im großen Abstand zu den Grenzwerten bewege.“

„Keine erkennbaren Einflüsse aus westlicher Richtung“

Darüber hinaus sei eine „windrichtungsbezogene Auswertung“ vorgenommen worden, die „keine erkennbaren Einflüsse aus westlicher Richtung zeigte“. Zusammengefasst könne man sagen, „dass in Deutschland kein Anlass zur Besorgnis durch grenzüberschreitende Luftschadstoffe bestand beziehungsweise besteht“, so Meinen weiter.

Das Umweltministerium will voraussichtlich auch noch am 8 September einen Vertreter nach Ostfriesland schicken, der mit den Mitgliedern des Auricher Kreisausschusses für Kreisentwicklung und Umwelt spricht. Auf Nachfrage unserer Zeitung ging das Umweltministerium aber schon jetzt weiter ins Detail und schickte einen vierseitigen Bericht. Demnach gab es sowohl auf deutscher sowie auch auf niederländischer Seite Messungen in unmittelbarer Nähe zu der betroffenen Fabrik ESD-SiC.

Umweltministerium bestätigt Angaben der SiC-Produzenten

Die niederländischen Angaben, die vom dortigen Nationalen Institut für Volksgesundheit und Umwelt (RIVM) ermittelt wurden, bestätigen dabei die Angaben, die uns zuvor bereits der ESD-Geschäftsführer Marco Moreno zukommen lassen hatte. Demnach liegen die an verschiedenen Orten gemessenen SiC-Werte deutlich unter den zugelassenen Grenzwerten. Laut dem Umweltministerium lag der Messzeitraum zwischen dem 10. Oktober 2018 und dem 31. Dezember 2019.

Für die deutsche Seite hingegen gibt das Umweltministerium keine SiC-Messwerte an, sondern nur Umweltbelastungen durch Arsen, Blei, Cadmium und Nickel, die zuletzt an den Messstationen in Emden und Wilhelmshaven ebenfalls deutlich unter den Grenzwerten gelegen hätten. Diese Stoffe gehören zum Standard-Messportfolio des LÜN, wie das Umweltbundesamt auf Nachfrage dieser Redaktion schreibt.

Ministerium: „Beschwerden gab es immer mal wieder“

Ministeriums-Sprecher Matthias Eichler ergänzt: „Sowohl aus den Gemeinden östlich des Dollarts als auch östlich des Jadebusens wurden in der Vergangenheit immer wieder Befürchtungen über eine unzulässige Belastung der Luft durch die in westlicher Richtung in den Niederlanden beziehungsweise in Wilhelmshaven ansässige Industrie sowie über Schiffsemissionen durch die stark befahrenen Schifffahrtsrouten geäußert.“ Darum habe man auch im April 2011 die Messungen von Luftschadstoffen an der Küste ausgeweitet.

„Neben den vorhandenen vier Messstationen des LÜN wurden zusätzlich sechs Messstellen zur Aufnahme von Passivsammlern eingerichtet und über einen einjährigen Zeitraum vom 01.04.2011 bis zum 31.03.2012 im Hinblick auf die Erfassung küstennaher Immissionen betrieben.“ Man habe sowohl den Staubniederschlag als auch die Luftschadstoffe Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Benzol erfasst. Auch bei diesen Überprüfungen seien keine Grenzwerte überschritten worden. Die regulären Küsten-Messstationen des LÜN stehen in Emden, am Jadebusen, an der Wesermündung und im Alten Land. Die Standorte der Passivsammler sind unter anderem im Norder- und im Harlingerland.

Ähnliche Artikel