Osnabrück
VW und die Currywurst: Herbert Grönemeyer wusste es besser!
Klimawandel, Corona-Pandemie oder auch das Afghanistan-Debakel: Es gibt genügend Themen, die Deutschland in diesem Wahlkampf-Sommer beschäftigen könnten. Aber über was wird diskutiert? Currywurst!
Herbert Grönemeyer hat es ja schon immer gewusst: „Kommste vonne Schicht“, singt der Ruhrpott-Poet in einem seiner Lieder, „wat schönret gibt es nich‘; als wie Currywurst.“ Hätten sie beim Wolfsburger Weltkonzern Volkswagen nur auf Grönemeyer gehört, dann wäre ihnen viel Ärger erspart geblieben.
Noch einmal von vorne: Anfang der Woche kündigte Volkswagen an, die Currywurst vom Speiseplan streichen zu wollen - in einer einzigen seiner zahlreichen Kantinen. Was darauf folgte, war eine digital befeuerte Empörung, die gefühlt der Entrüstung über den Abgasskandal der Wolfsburger seinerzeit in nichts nachsteht.
Der Konzern opferte, so scheint es, das kulinarische Statussymbol des sogenannten kleinen Mannes einem imaginierten Zeitgeist, der eben diesen kleinen Mann bevormundet. Und das bis auf den Teller. Nur gut, dass die Currywurst dann doch noch echte Schutzpatrone in der Politik hat.
Politik schaltet sich ein
Alt-Kanzler und Ex-VW-Aufsichtsrat Gerd Schröder teilte mit, zu seiner Zeit hätte es das nicht gegeben, dass der „Kraftriegel des Facharbeiters“ vom Speiseplan gestrichen werde. Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) nannte die Entscheidung bei einem Termin im Landkreis Emsland „unerhört“. Schröders Aufsichtsrat-Erben Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) - das Bundesland Niedersachsen entsendet stets zwei Vertreter - sollten ihren Einfluss geltend machen, forderte die Ministerin.
Na, denn. Deutschland, deine Probleme müsste man haben! Fast scheint es, das Land flüchtet sich angesichts der großen, bedrohlichen Probleme der Gegenwart (Klimawandel, Pandemie, Afghanistan, …) ins Kleine, ins Belanglose. Daran könnte man verzweifeln. Oder hält es so, wie Grönemeyer rät: „Biste richtig down; Brauchste wat zu kau'n; 'Ne Currywurst“.