Literatur

Warum ein Kommissar Ostfriesland verlässt

Karin Eden
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Von Karin Eden
| 12.08.2021 16:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Peter Gerdes schickt Kommissar Stahnke in einen neuen Kriminalfall. Foto: Eden
Peter Gerdes schickt Kommissar Stahnke in einen neuen Kriminalfall. Foto: Eden
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Der Leeraner Autor Peter Gerdes hat einen neuen Stahnke-Krimi geschrieben – und der spielt nicht mehr in Ostfriesland. Im Interview verrät er, warum er diesmal mit grausamen Details nicht gespart hat.

Leer - Im Juli erschien ein neuer Krimi des in Leer lebenden Autors Peter Gerdes. „Verrat verjährt nicht“ lautet der Titel des 18. Falls für Kommissar Stahnke. Der führt ihn zurück in die dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte. Im Interview berichtet Gerdes, warum ihm das Thema wichtig ist, warum er diesmal mit grausamen Details nicht gespart und warum er die Handlung nach Oldenburg verlegt hat.

Frage: Worum geht es diesmal in Ihrem Krimi mit Kommissar Stahnke?

Gerdes: Es ist eine Geschichte über Verrat und Rache, auch den Verzicht auf Rache – und die dramatischen Folgen. Die Handlung erstreckt sich über drei Generationen, es ist eine sehr komplexe Geschichte, die sich auf verschiedenen Zeitebenen abspielt. Die Erzählung geht bis in die Zeit des Nationalsozialismus und der Arisierung jüdischen Eigentums zurück und zeigt, wie sich diese bis in die Gegenwart auswirkt. Es kommen neue Charaktere ins Spiel, eine Oldenburger Lokaljournalistin spielt eine zentrale Rolle.

Frage: Der Roman konfrontiert den Leser mit vielen grausamen Details von Misshandlungen. Muss man in der Darstellung so konkret werden?

Gerdes: Ja, wenn es für die Handlung erforderlich ist. Die Schilderungen sind wichtig für das Gesamtverständnis, das darf natürlich keine voyeuristischen Züge annehmen. Was Menschen anderen Menschen im Dritten Reich und bis heute angetan haben und antun, das ist wirklich grausam. Angesichts der jetzt wieder aktiven rechten Bewegung in unserem Land sehe ich diese gefährlichen Tendenzen wieder erstarken. Jeder sollte sich klar machen, was da auf uns zukommen kann. Ich möchte den Leuten durch meinen Roman dafür die Augen öffnen.

Frage: Schreckt die Thematik nicht viele Leser ab?

Gerdes: Das kann sein, aber ich hoffe, dass ich durch die Spannung des Krimis die Leser fesseln kann, und sie deshalb das Buch trotzdem lesen. Jeder meiner Romane enthält eine Botschaft – der eine unterschwelliger, der andere deutlicher. Mal sind es politische, mal eher leichtere Themen. Die Leser wollen immer etwas Ähnliches, aber bei mir weiß man vorher nicht, was kommt. Mal ist es lockerer, mal ernst.

Frage: Der Roman spielt in Oldenburg, viele Lokalitäten sind genau beschrieben und es gibt auch Insider-Wissen, etwa über den Streit um die Benennung der „Carl-von Ossietzky-Universität“. Woher kommt dieses Wissen?

Gerdes: Ich habe ab 1976 in Oldenburg studiert. Später habe ich dort bei der NWZ volontiert und als Sportredakteur gearbeitet. Als sich die CDU-Landesregierung gegen die Benennung der Uni nach Carl von Ossietzky stellte, habe ich mitgeholfen, einen entsprechenden Schriftzug am Uniturm zu befestigen, und mich auch sonst schon damals politisch engagiert.

Frage: Hat Oldenburg das gleiche Potenzial für Regionalkrimis wie Leer oder Ostfriesland?

Gerdes: Ja, das denke ich schon. Oldenburg ist ja eine wesentlich größere Stadt, mit einer geschichtlichen Dimension und der Universität Außerdem gibt es mehr Einwohner, somit auch mehr potenzielle Leser. Das macht es wett, dass es dort vielleicht weniger Urlauber gibt, die gerne Regionalkrimis lesen. Über Ostfriesland gibt es auch mittlerweile schon viel zu viele Krimis, und die Qualität ist, gelinde gesagt, sehr unterschiedlich. Einen Bezug zu Ostfriesland werden aber auch meine Oldenburg-Krimis immer haben.

Der Krimi „Verrat verjährt nicht“ von Peter Gerdes ist im Gmeiner-Verlag mit Sitz in Meßkirch (Baden-Würtemberg) erschienen. Der Roman hat 378 Seiten und kostet 14 Euro. ISBN 978-3-8392-0089-6.

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