Corona
Wendung im Friesland-Fall: Gab es gar keine Kochsalz-Impfung?
Die Anwälte einer Krankenschwester, die Spritzen für Corona-Impfungen in Friesland nur mit Kochsalzlösung gefüllt haben soll, gehen in die Offensive. Die Polizei hat ein Geständnis der Frau verfälscht.
Friesland/Hannover - „Unsere Mandantin handelte weder aus einer politischen Motivation heraus, noch hat sie Impfwilligen lediglich Kochsalzlösung verabreicht“, teilt die Wilhelmshavener Kanzlei Osterloh & Klatt mit. Sie vertritt die Krankenschwester, die beschuldigt wird, sechs Spritzen im Impfzentrum Friesland nur mit Kochsalzlösung befüllt zu haben.
Die Kanzlei bestätigt, dass der Frau eine Biontech-Ampulle kaputtgegangen sei. Sie habe „eine falsche Entscheidung getroffen, als sie den Verlust des Impfstoffs zu verheimlichen versuchte“. Aber: „Unzutreffend ist, dass durch das Verhalten unserer Mandantin jemals Impfdosen verabreicht wurden, die lediglich aus Kochsalzlösung bestanden.“ Den Impfstoff-Verlust habe sie auszugleichen versucht, „indem sie in die Spritzen mehrere Ampullen Restimpfstoff injizierte, der übrig bleibt, wenn eine Ampulle auf sechs Spritzen verteilt wird“. Sechs Spritzen pro Ampulle sind die Regel.
Polizei und Kreis Friesland verfälschen Geständnis der Beschuldigten
Eine Biontech-Ampulle ergibt laut Europäischer Arzneimittel-Agentur EMA 2,25 Milliliter – 0,3 müssen in jede Spritze. Nach sechs Spritzen können also bis zu 0,45 Milliliter übrig sein – manche ziehen daher sowieso sieben Spritzen auf.
Die Beschuldigte habe der Polizei von Anfang an gesagt, dass sie Restimpfstoff verwendet habe, sagt Rechtsanwalt Christoph Klatt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg bestätigt nach Akteneinsicht, dass das „in der ersten Vernehmung tatsächlich angeklungen ist“.
Die Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland und der Kreis Friesland behaupten hingegen seit dem 25. April, als sie eine Pressemitteilung veröffentlichten, die bis heute im Internet steht: „Seitens der Mitarbeiterin erfolgte eine Einlassung, in der sechs mit Kochsalzlösung aufgezogene Spritzen bestätigt wurden.“