Corona in Ostfriesland

Ostfriesland sitzt auf mehr als 10.000 Dosen Astrazeneca

| | 11.08.2021 15:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Die Ostfriesen wollen kein Astrazeneca, aber mehr als 10.000 Dosen liegen noch in den örtlichen Kühlschränken. Damit der Stoff nicht vernichtet werden muss, ist jetzt Schnelligkeit gefragt.

Ostfriesland/Hannover - Ostfrieslands Impfzentren haben noch mehr als 10.000 Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs über, dem Vakzin, das sich nach und nach zum absoluten Ladenhüter entwickelt hat. Dass die drei Landkreise und die Stadt Emden die Spritzen noch unters Volk bekommen, ist nahezu ausgeschlossen. „Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca werden nicht nachgefragt“, teilt Lena Frieden aus der Pressestelle des Landkreises Wittmund in aller Deutlichkeit mit. Auch bei den Zweitimpfungen sieht es laut der Emder Pressesprecherin Theda Eilers schlecht aus: Nur zehn Prozent der Astra-Erstgeimpften nähmen auch die zweite Spritze dieses Herstellers. Alle anderen ließen sich mit mRNA-Impfstoffen zweitimpfen.

Die für Ostfriesland gedachten Astra-Fläschchen laufen je nach Impfzentrum im Oktober oder November ab – müssten also in zwei bis drei Monaten weggeschüttet werden. Weil eine Verimpfung bis dahin aussichtslos ist, muss ein Plan her, um den Impfstoff vor dem Verfall zu schützen: Das Land Niedersachsen hatte bereits angekündigt, 120.000 Dosen an den Bund zurückzugeben, der den Impfstoff unter anderem Ländern in Afrika spenden will. Aus Berlin hatte es zunächst geheißen, dass nur Impfstoff zurückgegeben werden dürfe, der noch nicht an Impfzentren ausgeliefert worden sei. Zu groß waren offenbar die Zweifel, ob die Kühlkette überall eingehalten werden könne.

Bei Astra muss es jetzt schnell gehen

Inzwischen hieß es aus Hannover allerdings, dass in einem zweiten Schritt doch die ausgelieferten Dosen zurückgeschickt werden könnten. Wann und wie das genau passieren soll, ist allerdings noch unklar. Annika Smit, Pressesprecherin des Landkreises Leer, teilt dazu mit: „Der Bund gewährleistet, dass Impfstoff zurückgenommen wird, der noch mindestens zwei Monate haltbar ist und ordnungsgemäß gelagert wurde.“ Das bedeutet: Beim Astra-Vakzin, das im Oktober abzulaufen droht, muss es jetzt recht schnell gehen. Eilers schreibt hoffnungsfroh: „Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass das Impfzentrum Emden den nicht verwendeten Impfstoff (…) nach der Außerbetriebnahme des Impfzentrums Emden vernichten muss.“

Außerbetriebnahme? Ja, die niedersächsischen Impfzentren stellen ihren Betrieb Ende September ein. Damit gibt das Land die Fortführung der Impfkampagne in die Hände der Haus- und Betriebsärzte. Rainer Müller-Gummels, Pressesprecher des Landkreises Aurich, ist unglücklich: „Die Schließung wird im Hinblick auf eine eventuelle Auffrischungsimmunisierung kritisch gesehen.“ Die Impfzentren hätten sich bei der Massenimpfung als sehr gute Ergänzung zu den Arztpraxen erwiesen, die dadurch Entlastung erfahren hätten „und neben dem Impfen auch noch ihre Patienten weiter behandeln konnten“. Ohne die Zentren „wäre ein solch schneller Impffortschritt wahrscheinlich nicht möglich gewesen“.

60 Prozent Erstimpf-Quote

Im Zusammenhang mit der baldigen Schließung weist der Landkreis Leer darauf hin, dass Erstimpfungen mit Biontech- oder Moderna-Spritzen im Impfzentrum nur noch bis einschließlich 3. September und solche mit dem Astra-Vakzin nur noch bis zum 13. August durchgeführt werden – damit auch die zweite Dosis noch dort gespritzt werden kann. Das Intervall zwischen den zwei Impfungen der mRNA-Impfstoffe wird ab dem 30. August auf drei Wochen verkürzt. Das Johnson-&-Johnson-Präparat, das nur einmal verimpft wird, gibt es noch bis einschließlich 24. September, also bis zum letzten Freitag des Monats. Alle Landkreise und die Stadt Emden teilen mit, dass derzeit frei aus mRNA- und Vektor-Impfstoffen gewählt werden könne – es sei alles vorrätig.

Mit Stand von Mittwoch haben in Ostfrieslands Impfzentren und Arztpraxen 284.592 Personen ihre Erstimpfung bekommen, vollständig geimpft sind 234.473 Menschen. Dem Landesamt für Statistik Niedersachsen zufolge lebten mit Stichtag 31. Dezember vergangenen Jahres 468.919 Personen in Ostfriesland. Rechnerisch gelten damit rund 60,7 Prozent der Ostfriesen als erst- und 50 Prozent als durchgeimpft. Zum Vergleich: Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am Mittwoch für Niedersachsen eine Erstimpf-Quote von 65,5 und eine Durchimpf-Quote von 55,8 Prozent gemeldet. Deutschlandweit waren es 62,7 beziehungsweise 55,6 Prozent. Eine Erklärung für die Abweichungen könnten die Betriebsärzte sein: Deren Impfzahlen werden an die örtlichen Gesundheitsämter nicht gemeldet, fließen also nicht in die Statistik ein. Das RKI berücksichtigt sie auf Landes- und Bundesebene allerdings schon – zumindest so weit die Ärzte ihre Spritzen melden.

Am häufigsten wurde in den ostfriesischen Impfzentren der Impfstoff von Biontech gespritzt, je nach Impfzentrum in rund 61 bis 67 Prozent der Impfungen. Auf Platz zwei ist Astra mit Quoten von rund 16 bis 25 Prozent. Moderna wurde in etwa 9 bis 17 von 100 Fällen gespritzt. Schlusslicht ist Johnson & Johnson mit einer Quote von 1 bis 5 Prozent.

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