Wahlen
Im Emder Wahlkampf geht’s auch um die Bratwurst
Die heiße Phase des Emder Kommunalwahlkampfes hat begonnen. Für die Parteien und Wählergemeinschaften geht es um die Wurst – aber nur eine schmeißt den Grill an.
Was und warum
Darum geht es: Bei den Emder Parteien und Wählergemeinschaften könnte es Streit um die Bratwurst im Wahlkampf geben.
Vor allem interessant für: Wahlberechtigte in Emden und alle, die sich für Politik und den Gesundheitsschutz interessieren
Deshalb berichten wir: Bei einem Bummel durch die Innenstadt war mir am Sonnabend aufgefallen, dass es nur am Wahlkampfstand der GfE Bratwurst gab. Sonst gab es die Fleisch-Spezialität immer auch an den Ständen von SPD und CDU. Wir haben nachgehakt, was es damit auf sich hat. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Daraus könnte sich ein Politikum entwickeln, denn die Konkurrenz sieht das kritisch. Von einem „Bratwurst-Krieg“ will allerdings noch niemand reden. Schließlich wird auch nichts so heiß gegessen, wie es gegrillt wird.
SPD und CDU schließen Abkommen
SPD und CDU, deren Bratwürste bei vorausgegangenen Wahlkämpfen in der Gunst der Wähler oben standen, hatten zum Auftakt des Straßenwahlkampfes am Sonnabend das Nachsehen. Nach eigenen Angaben hatten beide Parteien angesichts der Corona-Pandemie, damit verbundener Risiken und Hygiene-Vorgaben zunächst unabhängig voneinander darauf verzichtet, die Grills anzuschmeißen. Auf dem kleinen Dienstweg habe man sich am Sonnabend schließlich darauf verständigt, es auch vorerst dabei zu belassen, heißt es übereinstimmend aus beiden Parteien. .
„Eine schwarze Wurst wird es bei uns diesmal nicht geben“, scherzte CDU-Kreisvorsitzende Andrea Risius auf Nachfrage dieser Zeitung und spielte damit auf die Farbe ihrer Partei an. Die Union sei dem Rat ihres Mitglieds Uwe Hellmann gefolgt, der den Wahlkampfstand organisiert und Erfahrungen als Marktmeister der Innenstadt-Feste habe. Auf die Bratwurst verzichte man auch mit Rücksicht auf die gebeutelte Schausteller-Branche, für die nach wie vor strenge Auflagen gelten.
Die Bratwurst hat Tradition
„Wir hätten liebend gerne Würstchen gegrillt“, sagte die SPD-Fraktionschefin im Emder Rat, Maria Winter, dieser Zeitung. Denn das habe in ihrer Partei Tradition. Aber sie hält den Verzicht bei steigender Corona-Zahlen und der Angst vor einer neuen Welle aber für vernünftig. Zudem habe man zunächst abwarten wollen, „was die anderen machen.“
Zu den „anderen“ gehört auch die GfE. Deren Ratsfraktionschef Jochen Eichhorn stand selbst am Sonnabend am Grill derr Wählergemeinschaft und wendete fleißig die Würstchen. „Das kam gut an, und wir werden weiter grillen“, sagte er auf Nachfrage. Knapp 100 Bratwürste seien in gut zwei Stunden gegen eine freiwillige Spende zugunsten des Museumsfeuerschiffs weggegangen. Probleme wegen der Hygiene sehe er nicht: „Wir haben alle Maßnahmen eingehalten“.
Der GfE-Grill bleibt heiß
Dem „Verzichtsabkommen“ von CDU und SPD will sich die GfE laut Eichhorn nicht anschließen. Zwar sei die Wählergemeinschaft am Sonnabend von der CDU darauf angesprochen worden, so Eichhorn. Das sei aber „deren Bier und das der SPD“, sagte er.
Für die Grünen sind Bratwürste aus Fleisch sowieso nicht angesagt „Wenn wir so etwas anbieten würden, dann eher auf pflanzlicher oder vegetarischer Basis - schon aus Gründen des Klimaschutzes“, sagte Kreisvorsitzender Sebastian Borchers dieser Zeitung. Derzeit nehme seine Partei angesichts der Corona-Pandamie aber Abstand davon.
FDP: Wurst ist „ausgelutscht“
Ebenfalls außen vor bleibt die Emder FDP. Sie will laut ihres Kreisgeschäftsführers und Vorstandsmitglieds Henning Meyer erst vom 21. August an mit einem Stand in die Innenstadt gehen. Die Liberalen setzen laut Meyer und dem Kreisvorsitzenden Albert Ammermann ohnehin nicht auf Bratwurst, um damit Leute zu locken. „Die ist doch längst ausgelutscht“, so der Parteichef. Hingegen habe man es vor einigen Jahren schon einmal erfolgreich mit Matjes-Häppchen versucht. In diesem Jahr werde die FDP aber am Stand auf die Ausgabe von Lebensmitteln verzichten.
Auch die Wählergemeinschaft „Unsere Neue Stadt“ (UNS), die erstmals bei der Kommunalwahl antritt, hatte nach Angaben ihres Vorsitzenden Frank Wallasch „schon im Vorfeld“ entschieden, nicht mit Essbaren potenzielle Wählerinnen und Wähler zu locken. Es sei „einfach zu riskant und nicht sinnvoll, so etwas zu machen.“
Beim Impfen zieht sie
Mit Bonbons müssen sich hingegen Besucherinnen und Besucher des Wahlkampfstandes der Partei Die Linke in Emden begnügen. Kreisschatzmeister Lars Mennenga verwies auf generelle Absprachen mit den Behörden, die Ausgabe von anderen Lebensmitteln möglichst zu vermeiden.
Bei einem anderen aktuellen Thema zeigt sich allerdings, dass man sprichwörtlich mit Speck Mäuse fangen kann: Im thüringischen Sonneberg hatte nämlich vor Wochen eine Bratwurst als Belohnung einen Ansturm auf Covid-19-Impftermine beschert. Bei der Aktion waren vor gut zwei Wochen Hunderte gekommen, um sich sich neben der Spritze auch die Fleisch-Spezialität abzuholen. Eine solche Wurstaktion auch im Erzgebirge - ebenfalls mit großem Zulauf. Das könnte den Bratwurst-Skeptikern unter den Wahlkämpfern in Emden zumindest zu Denken geben.