Einsatzkräfte

Elektroautos als Brandgefahr auf Fähren

Enno Heidtmann
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Von Enno Heidtmann
| 08.08.2021 18:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Bei dem Brand der polnischen Fähre Lisco Gloria im Oktober 2010 war auch das Havariekommando im Einsatz Fotos: Havariekommando
Bei dem Brand der polnischen Fähre Lisco Gloria im Oktober 2010 war auch das Havariekommando im Einsatz Fotos: Havariekommando
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Das Löschen von Elektroautos stellt die Feuerwehr schon an Land vor neue Herausforderungen. Was aber passiert, wenn ein E-Fahrzeug an Bord eines Schiffes brennt?

Borkum - Immer häufiger kommen Gäste auch mit Elektrofahrzeuge nach Borkum. Kein Kraftstoff, keine Abgase, es wird nur Strom benötigt, um voran zu kommen. Allerdings sind auch in diesen Fahrzeugen viele Teile verbaut, die in Brand geraten können. Ein kleiner Kurzschluss an den Batterien oder in der Stromleitungen kann dann zu einer gefährlichen Situation führen. Ein generelles Problem für Reedereien, die Fahrzeuge transportieren. Was aber passiert, wenn es an Bord einer Fähre zum Ernstfall kommt und sich diese zwischen dem Festland und den ostfriesischen Inseln befindet?

Hier wird die Außenhaut des brennenden Schiffes weiter gekühlt. Foto: Havariekommando
Hier wird die Außenhaut des brennenden Schiffes weiter gekühlt. Foto: Havariekommando
„Wenn es auf einer Fähre zu einem Brand kommt und die Besatzung einen Notruf absetzt, würde dieser von der Seenotleitung Bremen Maritime Rescue Co-Ordination Centre (MRCC) der Deutschen Gesellschaft zur Seenotrettung (DGzRS) aufgenommen werden“, schreibt Patrick Testa-Kreitz, Pressesprecher der DGzRS.

Havariekommando übernimmt Kommando zur Rettung

Dann übernimmt das Havariekommando des Bundes die Einsatzleitung. „Die DGzRS ist dann Teil des Einsatzstabes und koordiniert die Rettung von Menschen. Im Rahmen der Amtshilfe unterstützen Einheiten der Seenotretter bei der Brandbekämpfung oder beispielsweise beim Transport von Brandbekämpfungseinheiten der Feuerwehren, im Rahmen ihrer Möglichkeiten“ betont Testa-Kreitz. Seenotrettungskreuzer wie etwa die „Hamburg“ auf Borkum, die auf Norderney stationierte „Eugen“ oder die „Hermann Marwede“ der Station Helgoland sind mit sogenannten Löschmonitoren, den Wasserwerfern ausgerüstet.

Der Seenotrettungskreuzer Hermann Rudolf Meyer von der Station Bremerhaven war im Juni 2021 im Einsatz für eine brennende Motoryacht. Foto: DGzRS
Der Seenotrettungskreuzer Hermann Rudolf Meyer von der Station Bremerhaven war im Juni 2021 im Einsatz für eine brennende Motoryacht. Foto: DGzRS
„Im zweiten Schritt werden wir über die zuständigen Wasserschifffahrtsämter alarmiert“, sagt Timo Paechnatz, Pressesprecher vom Havariekommando in Cuxhaven. Sie würden alarmiert werden, wenn es sich auf See zu einer größeren Notlage entwickelt und die Seenotrettung allein die Rettung oder Bergung übernehmen könne. „Wir können als maritimes Lagezentrum dann auf Einsatzmittel von Bund und Länder zugreifen“, betont Paechnatz. Das wären zum Beispiel ein Spezialflugzeug der Bundeswehr, welches unter anderem auch mit Wärmebildkameras ausgestattet sei. Außerdem würden speziell für Feuer auf See ausgebildete Feurwehrmänner mit Hubschraubern der Bundespolizei zu dem havarierten Schiff gebracht. Das Havariekommando sei eine gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer und hat am 1. Januar 2003 seinen Dienst aufgenommen und übernehme das Unfallmanagement auf Nord- und Ostsee.

Noch kein brennendes E-Fahrzeug auf Borkum

„Die Borkumer Feuerwehr hat derzeit keine Möglichkeiten, bei einer solchen Situation, die Havarie zu unterstützen“, sagt Michael Apfeld, Stadtbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Borkum. Das Problem bei E-Fahrzeug Bränden sei, dass sich der Akku eines E-Autos immer wieder neu entzünden kann – auch ganz ohne Vorankündigung und ohne vorherigen Unfall. „Nach Bränden fällt viel Sondermüll an und auch das Löschwasser ist kontaminiert. Für diesen Fall berät die Stadt derzeit, dass ein spezieller zertifizierter Container angeschafft werden soll“, sagt Apfeld, denn diesen bräuchte man, um das Fahrzeug weiterhin zu kühlen, damit sich der Akku nicht wieder entzünde. „Erfahrungen mit einem brennenden E-Auto haben wir hier auf Borkum zum Glück noch nicht machen müssen“, erklärt Apfeld. Sollte es zu einem Brand an Bord eines Schiffes kommen, wäre die Feuerwehr Borkum bei einer Rettung nicht involviert.

Falls es unterwegs auf einem Schiff brennt, egal ob ein Auto an Bord oder das Schiff selbst, sei zuallererst die Besatzung gefragt, denn die Evakuierung auf dem Meer sei kompliziert, so Weege und Fred Meyer, Sprecher der AG Reederei Norden-Frisia.

„Soweit mir bekannt ist, wird gerade eine Vorgabe über den Verband Deutscher Reeder erarbeitet, da es eine einheitliche Handlungsweise für alle Reedereien in Deutschland geben soll“, sagt Corina Habben, Pressesprecherin der AG Ems. Weiterhin sei vorgesehen, im kommenden Winter im Rahmen einer gemeinsamen Übung mit Feuerwehren ein entsprechendes Szenario zu proben. Ob es in Emden, Eemshaven oder auf Borkum stattfinde, sei noch nicht bekannt. „Solche Übungen finden bei uns regelmäßig statt und dienen der Vorbereitung für den Ernstfall und dem Austausch mit den örtlichen Einsatzkräften“, betont Habben.

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