Integration

Sprache ist der Schlüssel zur Integration – für alle Menschen

Christine Schneider-Berents
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Von Christine Schneider-Berents
| 07.08.2021 13:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die VHS-Mitarbeiterinnen Marion Weber (links) und Maria Leinweber begleiten die Integrationskurse für Zugewanderte und Geflüchtete. Foto: privat
Die VHS-Mitarbeiterinnen Marion Weber (links) und Maria Leinweber begleiten die Integrationskurse für Zugewanderte und Geflüchtete. Foto: privat
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Zugewanderte und Geflüchtete, die nicht deutsch sprechen, jedoch dauerhaft in Deutschland bleiben wollen, müssen einen Integrationskurs besuchen. Wer biete diese im Kreis Leer an?

Leer - Sprache ist ein Schlüssel zur Integration. Das gilt für alle Menschen, die sich in einem fremden Land aufhalten. Kann man sich verständlich machen, erleichtert einem das die Suche nach Arbeit und das Ausfüllen behördlicher Formulare. Man kann seinem Kind bei den Schulaufgaben helfen und leichter neue Freunde finden. Deshalb müssen Zuwanderinnen und Zuwanderer aus sogenannten Drittstaaten ohne Deutschkenntnisse, die ihre Aufenthaltserlaubnis nach dem 1. Januar 2005 bekommen haben, einen Integrationskurs besuchen. Die Ausländerbehörde des jeweils zuständigen Landkreises stellt die Teilnahmeverpflichtung fest.

Auf einem Zettel stehen die Wörter links in arabischer Schriftsprache. Sie müssen übersetzt werden. Foto: Wolf/dpa
Auf einem Zettel stehen die Wörter links in arabischer Schriftsprache. Sie müssen übersetzt werden. Foto: Wolf/dpa

Wer bietet im Landkreis Leer Integrationskurse an?

Unter anderem die Volkshochschule in Leer. Ein Sprachlehrgang umfasst 600 Unterrichtsstunden. „Darüber hinaus gibt es den sogenannten Orientierungskurs, in dem Alltagswissen vermittelt wird. Es geht um unsere Rechtsordnung und Kultur und um die Geschichte unseres Landes. Ganz wichtig sind Kenntnisse über unser demokratisches Staatswesens, unser Demokratieverständnis, die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit, die Gleichberechtigung. Auch Toleranz und Religionsfreiheit werden thematisiert“, erläutert Marion Weber von der Leeraner Volkshochschule. Zudem gebe es spezielle Integrationskurse, zum Beispiel für Analphabeten und für Menschen, die die arabische, aber nicht die lateinische Schrift beherrschten.

Gibt es eine Prüfung?

Der Integrationskurs wird mit einer Sprachprüfung und einem Test „Leben in Deutschland“ abgeschlossen. Das Lernziel ist das Sprachniveau B1 (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen) und das Bestehen des Tests „Leben in Deutschland“. Die Kosten werden in der Regel übernommen, beispielsweise vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) oder vom Jobcenter.

Wie viele Menschen nahmen bisher teil?

Deutschlandweit waren es bisher rund 2,1 Millionen, davon rund eine Million seit 2015. Seinerzeit war der allgemeine Integrationskurs auf Grundlage des Zuwanderungsgesetzes in Deutschland eingeführt worden, teilt die Behörde mit. Allein 2018 starteten bundesweit etwa 15.000 Integrationskurse, unter anderem mit Zugewanderten, Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern sowie Asylbewerberinnen und Asylbewerbern, die eine gute Bleibeperspektive haben. „Letzteres betrifft aktuell vor allem Geflüchtete aus Syrien, Somalia und Eritrea“, sagt Marion Weber. Außerdem stünden die Kurse auch integrationsbedürftigen Deutschen offen. Zugewanderte aus Staaten der Europäischen Union, die nicht durch die Ausländerbehörde, das Jobcenter oder die Sozialbehörde zur Teilnahme verpflichtet seien, könnten den Unterricht freiwillig besuchen.

Ein Lehrbuch liegt in einem Deutschkurs für Flüchtlinge vor einem jungen Mann auf der Schulbank. Foto: Schmidt/dpa
Ein Lehrbuch liegt in einem Deutschkurs für Flüchtlinge vor einem jungen Mann auf der Schulbank. Foto: Schmidt/dpa

Wie viele Teilnehmer gab es in Leer und woher stammen sie?

„2019 nahmen 446 Frauen und Männer in der VHS Leer an der Prüfung „Deutschtest für Zuwanderer“ teil. Im vergangenen Jahr waren es 267“, sagt VHS-Mitarbeiterin Marion Weber. Rund die Hälfte von ihnen sei aus Syrien nach Deutschland gekommen. „2019 stellten Menschen aus Eritrea die zweitgrößte Gruppe. Seit zwei Jahren wird die Zusammensetzung in den Integrationskursen deutlich vielfältiger. Neben Syrern und Eritreern sitzen Migranten aus Afghanistan, Iran, Irak, Somalia, aus der Türkei und vielen anderen Ländern in den Kursen. Ebenso Zugewanderte aus Rumänien und Polen“, so Weber.

Was bringt einem die Kursteilnahme?

„Das Zertifikat Integrationskurs bescheinigt den Teilnehmenden ausreichende Deutschkenntnisse und dass ihnen wichtige Grundkenntnisse über die deutsche Gesellschaft bekannt sind“, erklärt Marion Weber. Das könne die Einbürgerung erleichtern. Mit dem Zertifikat könne man die deutsche Staatsbürgerschaft schon nach sieben Jahren eines rechtmäßigen Aufenthalts in Deutschland beantragen. Normal seien acht Jahre. Mit der erfolgreichen Teilnahme am Orientierungskurs könnten Zuwanderer aus Drittstaaten zudem ihre Grundkenntnisse der deutschen Rechts- und Gesellschaftsordnung nachweisen. Diese seien bei einem Antrag auf Erteilung einer Niederlassungserlaubnis erforderlich.

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