Wahlen
Botschaften sucht man auf Wahlplakaten oft vergebens
Plakate sind ein zentrales Element im Wahlkampf. Was macht ein gutes Plakat aus und wie schlagen sich die Banner der Bürgermeister-Kandidaten in Südbrookmerland? Wir haben Experten gefragt.
Was und warum
Darum geht es: Gute Wahlplakate setzen nicht nur auf Kandidaten, sondern auch auf eine Botschaft.
Vor allem interessant für: alle Wähler.
Deshalb berichten wir: Die Kommunalwahlen stehen kurz bevor, sichtbar auch an den zahlreichen Wahlplakaten. Wir wollten wissen, ob die Banner heutzutage noch wichtig sind und was sie bieten müssen. Die Autorin erreichen Sie unter: i.kluth@zgo.de
Eine klare Meinung zu der Bedeutung der Banner hat Albrecht von Lucke, Politikwissenschaftler und Redakteur der Monatszeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik“ in Berlin. Er sagt: „Wahlplakate sind in diesem Jahr wichtiger denn je, weil wir einen Ausfall des klassischen Wahlkampfs auf Marktplätzen erleben.“ Die Vorstellung, dass die Plakate überholt sind, gehe an der Realität vorbei. „Die Möglichkeit, einen direkten Eindruck der Kandidaten vor Ort zu bekommen, ist in diesem Coronamasken-Jahr ausgesprochen erschwert.“ Der Gedanke, dass man Wahlkampf nur über digitale Medien betreiben könne, sei falsch. „Gerade die älteren Wählerinnen und Wähler sind die relevanten, da weit größeren Schichten, und sie sind zum Teil noch gar nicht digitalisiert“, sagt von Lucke. Fände ein Wahlkampf mit Plakaten nicht mehr statt, wäre das nach Ansicht des Politikwissenschaftlers ein Verlust der Präsenz von Parteien und Politik vor Ort.
Präsenz zeigen und Botschaft vermitteln
Es gebe grundsätzlich zwei Möglichkeiten, Wähler mit Plakaten zu erreichen. Gerade im regionalen Raum sei das Werben mit der Persönlichkeit sehr wichtig. Das sehe man den Plakaten der Bürgermeisterkandidaten in Südbrookmerland auch an, sagt von Lucke. Unsere Zeitung hatte dem Politikwissenschaftler exemplarisch Bilder der Banner von Stefan Hiller (parteilos), Konke Wienekamp (SPD) und Thomas Erdwiens (FWG) zur Analyse geschickt. Die Plakate der drei Politiker seien „primär dadurch gekennzeichnet, dass sie mit ihrem Konterfei werben“, so von Lucke. „Die Leute wollen sich bekannt machen. Da immer mehr Leute politikfern sind, müssen die Kandidaten zum Teil überhaupt einen ersten Eindruck von sich vermitteln.“ Es gehe darum, Präsenz zu zeigen, Vertrauen zu gewinnen und sich als Teil der Gemeinschaft darzustellen.
Im besten Fall werde auch eine Botschaft vermittelt. Hier sieht von Lucke die drei Wahlplakate kritisch. „Diese Plakate sind für mich in ganz erstaunlichem Maße inhaltsschwach.“ Der eine sage ,Hand in Hand‘, der andere ,Zukunft gemeinsam gestalten‘ und der dritte ,Mitnanner‘. Das habe laut von Lucke „etwas Beliebiges“. „Miteinander in Ostfriesland ist quasi überall die Botschaft. Das ist gut gemeint, aber das transportiert keinen großen Inhalt.“ Bisschen mehr „Butter bei die Fische“ wäre nicht schlecht, so der Politikwissenschaftler. Bei einem guten Plakat müsse die „Trias von Person, Partei und Programm“ stimmen.
Emotionale Themen ziehen
Auch Verena Köttker, Geschäftsführerin der PR-Agentur Köttker Kommunikation und Consulting in Berlin, sieht die Kandidaten und Themen als die zentralen Kriterien für ein gelungenes Wahlplakat. „Menschen wählen Menschen. Entscheidend dabei sind Authentizität und Nahbarkeit. Die gewählten Themen sollten relevant für die Wählerinnen und Wähler sein – optimalerweise emotional und in aller Kürze verpackt“, teilt Köttker mit. Themenplakate böten eine schnelle, oft emotionale Einordnung zu einem relevanten Thema. „Umso emotionaler ein Thema ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass man damit Wahlverhalten beeinflusst“, so die Kommunikationsexpertin.
Entscheidend bei den Bannern sei zudem die Gestaltung. „Plakate werden innerhalb weniger Sekunden beurteilt. Das Design muss darauf abgestimmt sein“, meint Köttker. Farben weckten Emotionen, die Typografie könne selbstbewusst, sachlich oder schüchtern sein. Albrecht von Lucke ist das Orange der Plakate von Hiller und Erdwiens aufgefallen. „Das ist eine lustige Farbe. Die 70er-Jahre kommen offensichtlich zurück“, sagt der Politikwissenschaftler. Was laut Verena Köttker bei Wahlplakaten absolut nicht geht, ist eine ungepflegte Erscheinung des Kandidaten. „Schlechte Lesbarkeit, zu viel Text oder zu blasse oder wilde Farben gehen auch nicht.“ Ebenfalls sollten Bild und Aussage miteinander in Verbindung stehen und sich nicht widersprechen.