Neue Regeln für Ungeimpfte
Alles andere als unsozial
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Schluss machen mit der Gleichbehandlung von Genesenen, Geimpften und Getesteten.
Falls die Zahlen der Covid-19-Patienten in den Kliniken im Herbst stark ansteigen, sollen die Ungeimpften von Veranstaltungen und aus Restaurants ausgesperrt werden – Lockdown light für Nichtgeimpfte. Wäre das extrem unsozial, wie FDP-Mann Wolfgang Kubicki wütet? Unsozial ist es eher, das Impfangebot auszuschlagen, wenn keine medizinischen Gründe gegen eine Immunisierung sprechen. Dass die Zahlen in Großbritannien trotz Lockerungen sinken, wird auch darauf zurückgeführt, dass dort fast 70 Prozent der Bürger zumindest einmal geimpft sind.
Ob auch bei weiter niedrigen Infektionszahlen schon ab September landesweit nur noch Genesene, Geimpfte oder negativ Getestete in Hotels, Restaurants, ins Kino oder zum Friseur gelassen werden sollten, ist eine andere Frage. In manchen Bundesländern wurde diese Pflicht gar nicht aufgehoben.
Spahns Plan als neuen Lockdown für alle zu brandmarken, schießt weit übers Ziel hinaus. Auch das Festhalten am Maskentragen in Bussen, Bahnen und beim Einkaufen ist eine verkraftbare Freiheitseinschränkung. Schlimm wäre es, wenn wegen einer rasanten Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante wieder harte Kontaktbeschränkungen verhängt werden müssten. In Israel wurde die Bevölkerung schon darauf eingeschworen, falls die Infektionszahlen nicht sinken. Soweit muss es bei uns nicht kommen.
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