Unwetter
Krummhörn: Ergebnisse zu Hagelschäden liegen vor
Nachdem Mitte Juni ein verheerender Hagelschauer vor allem über die Krummhörn zog, mussten sich die Versicherer erst einmal einen Überblick verschaffen. Nun teilen sie uns ihre Schadensbilanz mit.
Was und warum
Darum geht es: Mehrere Versicherer vermitteln einen Eindruck davon, wie groß der Schaden in Ostfriesland ist, der Mitte Juni durch einen Hagelschauer verursacht worden war.
Vor allem interessant für: Diejenigen, die selbst durch die Unwetterschäden in dieser Nacht betroffen waren oder die sich für das Thema Wetterextreme interessieren
Deshalb berichten wir: Kurz nach dem Unwetter hatten uns die Versicherungen gebeten, dass wir uns noch einmal ein paar Wochen später zurückmelden sollen, um einen genaueren Überblick zu bekommen. Den Autoren erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Bernd Edeler ist der Bezirksdirektor der Vereinigten Hagelversicherung in Münster, die kürzlich vor allem in der Krummhörn eine sogenannte Gemeinschaftstaxe durchgeführt hatte. Dabei ging ein rundes Dutzend Sachverständige von Feld zu Feld. Sie schauten sich die Ackerfrüchte an und bewerteten die Schäden. Ein paar Wochen später folgte noch eine Nachkontrolle. Laut Edeler verwaltet seine Versicherung alleine in Ostfriesland 966 Feldstücke, auf denen Ackerfrüchte mit einem Wert von knapp zehn Millionen Euro stehen. An diesen sei nun ein Schaden von rund 1,5 Millionen Euro entstanden. „Die Entschädigungen werden zur Zeit den Landwirten ausgezahlt, damit die Betriebe weiter die nötige Liquidität behalten“, erklärt der Bezirksdirektor. Die Ostfriesische Versicherungsbörse GmbH, ein weiterer, jedoch kleinerer Anbieter von Hagelversicherungen, sagte unserer Zeitung kürzlich, dass zehn eigene Kunden betroffen seien. Eine Schadenshöhe nannte der Geschäftsführer Tom Janzen da noch nicht.
Für Fahrzeug-Begutachtung wurde Halle gemietet
Der Hagel hat jedoch nicht nur Landwirte, sondern auch die übrige Bevölkerung hart getroffen. So vermeldet Signe Foetzki, Sprecher der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse, einen Gesamtschaden von rund 2,6 Millionen Euro allein für die direkten Kunden. Rund 1150 Meldungen seien eingegangen – vor allem aus der Gemeinde Krummhörn (90 Prozent). Dazu kämen unter Umständen noch weitere, da beispielsweise Zweitwohnungsbesitzer aus Nordrhein-Westfalen, die längere Zeit nicht in Ostfriesland waren, die Schäden an ihrem Eigentum erst später als ihre Nachbarn bemerkten. Beschädigt oder zerstört worden seien durch den Hagel vor allem Carports, Terrassen, Jalousien und Rollläden, Dachschrägen und Fotovoltaikanlagen. Unter dem Regen hätten zudem die Gebäude als Ganzes sowie das Mobiliar gelitten.
Neben den direkten Kunden vermittelt die Brandkasse aber auch noch Autoversicherungen für ihren Kooperationspartner, die VGH. Von dort seien weitere rund zwei Millionen Euro an Schäden gemeldet worden, so Foetzki. Man bedenke aber, dass es sich nur um einen Anbieter handelt. „Hier waren mehr als 600 Fahrzeuge betroffen.“ Um möglichst viele von ihnen auf einmal mit mehreren Sachverständigen begutachten zu können, habe man in Emden eine ehemalige Werkstatt angemietet. „Im Durchschnitt kam eine Schadenshöhe von 2350 Euro pro Fahrzeug raus.“
Nicht der erste große Schaden in diesem Jahrtausend
Insgesamt bewertet die Brandkasse das Ausmaß als „heftig“ – auch wenn derzeit Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durch die dortigen Unwetter stärker betroffen seien. „Zum Glück handelte es sich hier nur um eine einzelne Superzelle und es war nicht ganz Ostfriesland betroffen“, so die Sprecherin.
Wie sie unserer Zeitung bereits zuvor gesagt hatte, war der Vorfall vom Juni bereits der dritte in diesem Jahrtausend, bei dem Hagel in Ostfriesland größere Schäden angerichtet hat. Anfang August 2008 habe die Brandkasse etwa 600.000 Euro an Versicherungsschäden begleichen müssen, ein paar Monate später, im Juni, seien es noch einmal 3,7 Millionen Euro gewesen. Zuletzt sorgte ein starker Hagelschauer im Mai 2015 im Bereich Ihlow, Großefehn und Wittmund für Schäden in Höhe von 1,7 Millionen Euro. „Und das sind nur unsere Zahlen“, so Foetzki.