Unwetter

Krummhörn: Ergebnisse zu Hagelschäden liegen vor

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 04.08.2021 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Anhand der Ein-Euro-Münze ist zu sehen, wie groß die Hagelkörner waren, die in der Nacht zum 19. Juni in der Gemeinde Krummhörn eingeschlagen sind. Archivfoto: Wagenaar
Anhand der Ein-Euro-Münze ist zu sehen, wie groß die Hagelkörner waren, die in der Nacht zum 19. Juni in der Gemeinde Krummhörn eingeschlagen sind. Archivfoto: Wagenaar
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Nachdem Mitte Juni ein verheerender Hagelschauer vor allem über die Krummhörn zog, mussten sich die Versicherer erst einmal einen Überblick verschaffen. Nun teilen sie uns ihre Schadensbilanz mit.

Was und warum

Darum geht es: Mehrere Versicherer vermitteln einen Eindruck davon, wie groß der Schaden in Ostfriesland ist, der Mitte Juni durch einen Hagelschauer verursacht worden war.

Vor allem interessant für: Diejenigen, die selbst durch die Unwetterschäden in dieser Nacht betroffen waren oder die sich für das Thema Wetterextreme interessieren

Deshalb berichten wir: Kurz nach dem Unwetter hatten uns die Versicherungen gebeten, dass wir uns noch einmal ein paar Wochen später zurückmelden sollen, um einen genaueren Überblick zu bekommen.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Krummhörn - Dass der Schaden in die Millionen gehen würde, war von vornherein klar. Immerhin schlugen in der Nacht zum 19. Juni golfballgroße Hagelkörner in der Gemeinde Krummhörn ein, während in Emden viele Keller mit Regenwasser vollliefen. Manche Versicherer konnten das genaue Ausmaß unserer Zeitung gegenüber bislang jedoch nur schätzen, da noch Rückmeldungen ausstanden und im Falle der Landwirtschaft Nachuntersuchungen nötig geworden sind. Nun jedoch meldeten sich vier von ihnen auf unsere Anfragen zurück. Das Ergebnis: Alleine bei ihren eigenen Kunden sind Schäden von insgesamt rund 6,1 Millionen Euro zusammengekommen. Das Ausmaß könnte insgesamt aber noch viel größer sein. Ein Grund dafür ist, dass nicht alle Landwirte eine Hagelversicherung abschließen.

Bernd Edeler ist der Bezirksdirektor der Vereinigten Hagelversicherung in Münster, die kürzlich vor allem in der Krummhörn eine sogenannte Gemeinschaftstaxe durchgeführt hatte. Dabei ging ein rundes Dutzend Sachverständige von Feld zu Feld. Sie schauten sich die Ackerfrüchte an und bewerteten die Schäden. Ein paar Wochen später folgte noch eine Nachkontrolle. Laut Edeler verwaltet seine Versicherung alleine in Ostfriesland 966 Feldstücke, auf denen Ackerfrüchte mit einem Wert von knapp zehn Millionen Euro stehen. An diesen sei nun ein Schaden von rund 1,5 Millionen Euro entstanden. „Die Entschädigungen werden zur Zeit den Landwirten ausgezahlt, damit die Betriebe weiter die nötige Liquidität behalten“, erklärt der Bezirksdirektor. Die Ostfriesische Versicherungsbörse GmbH, ein weiterer, jedoch kleinerer Anbieter von Hagelversicherungen, sagte unserer Zeitung kürzlich, dass zehn eigene Kunden betroffen seien. Eine Schadenshöhe nannte der Geschäftsführer Tom Janzen da noch nicht.

Ende Juni untersuchten Gutachter im Auftrag der Vereinigten Hagelversicherung die landwirtschaftlichen Schäden. Dieses Bild entstand in Visquard. Archivfoto: Hillebrand
Ende Juni untersuchten Gutachter im Auftrag der Vereinigten Hagelversicherung die landwirtschaftlichen Schäden. Dieses Bild entstand in Visquard. Archivfoto: Hillebrand

Für Fahrzeug-Begutachtung wurde Halle gemietet

Der Hagel hat jedoch nicht nur Landwirte, sondern auch die übrige Bevölkerung hart getroffen. So vermeldet Signe Foetzki, Sprecher der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse, einen Gesamtschaden von rund 2,6 Millionen Euro allein für die direkten Kunden. Rund 1150 Meldungen seien eingegangen – vor allem aus der Gemeinde Krummhörn (90 Prozent). Dazu kämen unter Umständen noch weitere, da beispielsweise Zweitwohnungsbesitzer aus Nordrhein-Westfalen, die längere Zeit nicht in Ostfriesland waren, die Schäden an ihrem Eigentum erst später als ihre Nachbarn bemerkten. Beschädigt oder zerstört worden seien durch den Hagel vor allem Carports, Terrassen, Jalousien und Rollläden, Dachschrägen und Fotovoltaikanlagen. Unter dem Regen hätten zudem die Gebäude als Ganzes sowie das Mobiliar gelitten.

Neben den direkten Kunden vermittelt die Brandkasse aber auch noch Autoversicherungen für ihren Kooperationspartner, die VGH. Von dort seien weitere rund zwei Millionen Euro an Schäden gemeldet worden, so Foetzki. Man bedenke aber, dass es sich nur um einen Anbieter handelt. „Hier waren mehr als 600 Fahrzeuge betroffen.“ Um möglichst viele von ihnen auf einmal mit mehreren Sachverständigen begutachten zu können, habe man in Emden eine ehemalige Werkstatt angemietet. „Im Durchschnitt kam eine Schadenshöhe von 2350 Euro pro Fahrzeug raus.“

Nicht der erste große Schaden in diesem Jahrtausend

Insgesamt bewertet die Brandkasse das Ausmaß als „heftig“ – auch wenn derzeit Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durch die dortigen Unwetter stärker betroffen seien. „Zum Glück handelte es sich hier nur um eine einzelne Superzelle und es war nicht ganz Ostfriesland betroffen“, so die Sprecherin.

Wie sie unserer Zeitung bereits zuvor gesagt hatte, war der Vorfall vom Juni bereits der dritte in diesem Jahrtausend, bei dem Hagel in Ostfriesland größere Schäden angerichtet hat. Anfang August 2008 habe die Brandkasse etwa 600.000 Euro an Versicherungsschäden begleichen müssen, ein paar Monate später, im Juni, seien es noch einmal 3,7 Millionen Euro gewesen. Zuletzt sorgte ein starker Hagelschauer im Mai 2015 im Bereich Ihlow, Großefehn und Wittmund für Schäden in Höhe von 1,7 Millionen Euro. „Und das sind nur unsere Zahlen“, so Foetzki.

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