Wetter

Juliwetter beschert Sommer mit angezogener Handbremse

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 04.08.2021 15:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Urlauber auf der Promenade der Insel Borkum. Der Sommer in Ostfriesland glänzt bislang selten mit Badehosenwetter. An vielen Tagen ist man besser mit einem warmen Pullover beraten. Foto: Heidtmann
Urlauber auf der Promenade der Insel Borkum. Der Sommer in Ostfriesland glänzt bislang selten mit Badehosenwetter. An vielen Tagen ist man besser mit einem warmen Pullover beraten. Foto: Heidtmann
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Die große Hitze bleibt in diesem Sommer in Ostfriesland bislang aus. Im Juli kletterten die Temperaturen keinmal über 30 Grad. Und im August? DWD-Mitarbeiter Jörg Deuber stellt eine Prognose.

Emden - Das war noch nichts: Wer in diesem Sommer wegen der Pandemie lieber daheim in Ostfriesland bleibt und auf heiße Badewettertage hofft, wurde bislang enttäuscht. Mit gerade einmal vier meteorologischen Sommertagen, Tagen also, an denen die Lufttemperatur auf mehr als 25 Grad steigt, zeigte sich der Juli von seiner milden Seite. Im Gegensatz zu den Hitzerekorden der Vorjahre ist es verhältnismäßig kühl. „Das ist mal ein typischer ostfriesischer Sommer“, sagt Jörg Deuber.

Der Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hat für die Redaktion die Daten der DWD-Station in Emden ausgewertet. Während aus anderen Regionen in Deutschland Extreme gemeldet wurden und ganze Landstriche gefährlich geflutet wurden, landeten im Messbecher am Emder Flugplatz und gerechnet auf einen Quadratmeter im gesamten Monat lediglich 71,3 Liter Regen. Zum Vergleich: Normal wären nach den Durchschnittswerten der Jahre 1961 bis 1990 exakt 82,9 Liter gewesen. Was wenige wissen dürften: Der Juli ist von allen zwölf Monaten statistisch gesehen üblicherweise der regenreichste in Ostfriesland. „Es kommt bei uns in dieser Zeit vermehr zu Schauern und Gewittern“, erklärt Deuber.

Große lokale Unterschiede

Dass in Emden relativ wenig Niederschlag gefallen ist, heißt allerdings nicht, dass es überall zu trocken gewesen sein muss. Wie sehr Schauer das Bild verschieben können, zeigt ein Blick auf andere Orte in der Region. So wurde aus Neermoor in der Gemeinde Moormerland im Landkreis Leer im gleichen Zeitraum die doppelte Niederschlagsmenge gemeldet. Dort fielen im Juli 142,6 Liter pro Quadratmeter. Erhebliche Abweichungen von der DWD-Wetterstation in Emden gab es mit 121,3 Litern auch in Aurich-Wiesens. Ursächlich dafür war vor allem der 15. Juli. Alleine an diesem Tag prasselten in Wiesens 47,1 Liter Regen auf den Quadratmeter.

Der wärmste Tag des Monats war ein Montag. Am 26. Juli kletterte die Thermometeranzeige in Emden auf 25,7 Grad. Die 30-Grad-Marke blieb im Juli unangetastet. Gut für alle Wetterfühligen: Es mangelte nicht nur an sehr heißen Tagen. Es gab auch keine Ausreißer nach unten. Der Temperatur-Tagesmittelwert pendelte sich über den Monat konstant zwischen 16 und 21 Grad ein. „Da war nicht viel Buntes drin“, sagt Deuber.

Ein laues Lüftchen

Die geringen Temperaturschwankungen begründet er unter anderem mit einer stabilen Großwetterlage und dem schwachen Wind. Die stärkste gemessene Böe erreichte auf der Beaufort-Skala gerade einmal eine 6. Ansonsten wehte im Juli meist eher ein laues Lüftchen.

Dazu machte sich auch die Sonne rar. Sie schien auf alle 31 Tage verteilt insgesamt 164,7 Stunden, was einem Minus von 34 Stunden entspricht. Gewöhnlicherweise sind es in einem Standard-Juli fast 200 Sonnenstunden.

War es das schon mit dem Sommer?

War es das also mit dem Sommer? Oder ist da noch ein bisschen was zu erwarten? Jörg Deuber ist kein Freund von Langzeitprognosen, wagt für die Redaktion aber eine Vorhersage für die nächsten beiden Wochen: „Der August“, prophezeit er, „wird wie der Juli bleiben“. Er rechnet mit einer Fortsetzung des Wechselspiels aus Wolken, Sonne und Schauerwetter.

Ganz abschreiben solle man den Sommer aber noch nicht, so Deuber. „Es ist nicht auszuschreiben, dass wir noch ein paar Tage über 30 Grad bekommen“, sagt der DWD-Mitarbeiter. Sonnenhungrige Ostfriesen müssen sich dafür allerdings gedulden. „Das kann auch noch im September passieren“, so Deuber.

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