Tierschutz
Stoppelkatze ade: Kittenschwemme mittlerweile ganzjährig
Die Tierschutzvereine im Rheiderland schlagen Alarm: Ihre Pflegestellen sind fast voll. Immer mehr Katzen warten auf Besitzer. Schuld daran ist auch der Klimawandel.
Was und warum
Darum geht es: Die Tierschutzvereine im Rheiderland schlagen Alarm: Es gibt mal wieder zu viele Kätzchen. Die Würfe werden immer häufiger.
Vor allem interessant für: Tierschützer und Katzenbesitzer.
Deshalb berichten wir: Die Streunerhilfe Rheiderland hat sich mit einem Appell an uns gewendet. Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de
Und dabei bleibt es nicht. Der Verein verzeichnet eine außergewöhnliche Katzenschwemme in diesem Jahr. Hatten die Tierschützer im Frühjahr noch gedacht, dass es dieses Jahr mit der Vermehrung der Streunerkatzen nicht ganz so schlimm wie in den Vorjahren sei, mussten sie sich in den vergangenen Wochen eines Besseren belehren lassen. Aufgrund des sehr langen kalten und nassen Frühlings sind viele Katzenbabies erst später geboren und nun reißt die Flut des ungewollten Nachwuchses nicht mehr ab. „Ständig erreichen Andrea Pastoor, die 1. Vorsitzende der Streunerkatzen Rheiderland, Anrufe von Menschen, die Kätzchen in Maisfeldern, Äckern oder an Straßenrändern gesichtet oder gefunden haben, mit oder ohne verwilderter Mutter, oft in gesundheitlich erschreckendem Zustand“, erläutert Dams-Ostendorp die dramatische Lage im Rheiderland.
Tiere leiden an Krankheiten
Die Tiere leiden elendig: „Katzenschnupfen, Pilz und stark entzündete Augen, die unglaubliche Schmerzen verursachen, gehören dabei fast zum täglichen Bild“, so die Tierschützerin. Der Verein stemmt seine Arbeit mit Hilfe von Spenden. Nach eigenen Angaben seien im vergangenen Jahr 32.000 Euro an Tierarztkosten angefallen.
Auf mehr als 75 Kitten kann auch der Tierschutz Rheiderland in seinen Pflegestellen und im Tierheim Stapelmoor derzeit schauen. „Die Zahlen sind explosionsartig nach oben gegangen“, sagt Iris Holzapfel, Vorsitzende vom Tierschutz Rheiderland. Das sei in ganz Niedersachsen so. Ein Grund sei wohl der Klimawandel: „Dadurch, dass es wärmer wird, werfen die Katzen nicht mehr nur zweimal im Jahr“, sagt sie. Katzen würden mittlerweile bis zu vier Mal im Jahr werfen. Das Ergebnis sehe man in den Tierheimen.
Mehr Würfe
Sowohl beim Tierschutz als auch bei den Streunerkatzen verweisen die Verantwortlichen auf die Kastrationspflicht im Landkreis Leer. Seit 2013 müssen Katzen kastriert werden. Geschlechtsreif sei eine Katze im Alter von acht bis neun Monaten. „Vorher sollte ein Kitten ohnehin nicht allein nach draußen“, sagt Holzapfel. Doch auch daran hielten sich viele Katzenbesitzer nicht. Dams-Ostendorp verweist auch auf die Katzen in landwirtschaftlichen Betrieben, die nicht kastriert würden. Ein großes Problem seien auch die sogenannten Vermehrer, die im Internet Katzen für kleines Geld verkaufen würden. „Sie erweisen dem Tierschutz einen Bärendienst“, erklärt Dams-Ostendorp.
Während im vergangenen Jahr die Tierheime wegen der Corona-Pandemie ihre Katzen gut vermitteln konnten, hat sich dieser Trend wieder gewandelt. „Im letzten Jahr riefen andere Tierheime an und fragten, ob wir noch Kitten hätten. Nun rufen sie an, ob wir noch Platz für diese hätten“, sagt Holzapfel.
Stadt Weener kontrolliert streng
Sie appelliert daran, die Kastrationspflicht einzuhalten und auch Verstöße zu melden. „Die Stadt Weener geht Hinweisen sehr stark hinterher“, lobt sie die Verwaltung. Das bestätigt auch Kerstin Beier, Sprecherin der Stadt Weener. „Das Ordnungsamt der Stadtverwaltung geht seriösen Hinweisen auf nicht kastrierte Katzen nach. Hierfür setzt die Verwaltung ein Chiplesegerät ein.
In mehreren Fällen wurden Bußgeldverfahren erfolgreich abgeschlossen“, sagt sie. Jegliche Hinweise könnten dem Ordnungsamt auch mitgeteilt werden, betont Beier. Aus Sicht der Stadt habe die Kastrationspflicht auch schon Wirkung gezeigt: „Es konnten auf Grundlage der Verordnung der Stadt Weener über die Kastrations- und Kennzeichnungspflicht von Katzen bereits einige Erfolge erzielt werden“ , so Beier.