Engagement

Ostfriesische Bauern helfen Kollegen in Ahrweiler

Jens Schönig
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Von Jens Schönig
| 01.08.2021 15:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Über 1200 Rundballen Tierfutter sammelten die Landwirte von LsV für betroffene Kollegen im Flutgebiet Ahrweiler. Foto: privat
Über 1200 Rundballen Tierfutter sammelten die Landwirte von LsV für betroffene Kollegen im Flutgebiet Ahrweiler. Foto: privat
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Die Flutkatastrophe Anfang Juli hat auch viele landwirtschaftliche Betriebe schwer getroffen. Der Verein Land schafft Verbindung hat angepackt, um den Kollegen schnell zu helfen.

Was und warum

Darum geht es: Nach der Flutkatastrophe stehen auch viele Landwirtschaftsbetriebe vor dem Ruin. Aus dem Norden bekommen sie Hilfe.

Vor allem interessant für: Alle, die sich für Landwirtschaft und für das Engagement bäuerlicher Betriebe interessieren.

Deshalb berichten wir: Land schafft Verbindung hat uns von der Aktion erzählt.

Den Autor erreichen Sie unter: j.schoenig@zgo.de

Wiesmoor - Die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz hat nicht nur Städte und Wohnsiedlungen schwer getroffen. Auch viele landwirtschaftliche Betriebe in der Region stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Als Sara Collmann aus Wiesmoor im Fernsehen die ersten Bilder von der Katastrophe in der Region Ahrweiler sah, war für sie und ihre Mitstreiter beim Verein Land schafft Verbindung (LsV) Ostfriesland klar, dass den Betroffenen vor Ort schnell geholfen werden müsse.

„Wir haben sofort versucht, Kontakt zu den Landwirten aufzunehmen, die wir dort kennen“, erzählt Collmann. „Das ging zunächst nicht, weil in vielen Gebieten zunächst auch die Telefonverbindungen gestört waren. Erst nach ein paar Tagen konnten sich viele uns bekannte Landwirte melden.“ Und was sie erzählten, bestätigte die Befürchtungen Collmanns. „Die aktuellen Ernten sind vernichtet und Ernten, die schon eingefahren waren, sind weggeschwemmt worden“, erzählt sie. „Und womöglich ist alles, was mit dem verschmutzten Wasser in Berührung gekommen ist, nicht mehr nutzbar. Teilweise liegen auch noch Autoreifen, Straßenschilder und alle möglichen anderen Schrott- und Trümmerteile auf den Feldern herum. Viele Kollegen wissen nicht mehr, wie es weitergeht.“

Über 1200 Rundballen gesammelt

LsV Ostfriesland setzte sein Netzwerk in Bewegung und rief die Bauern in der Region über die sozialen Medien zu Spenden auf. Und die kamen schnell – nicht nur aus der Region. Die Resonanz war überwältigend“, sagt Collmann. „Wir hätten nicht gedacht, was das für Kreise zieht. Uns erreichen E Mails aus dem Alten Land, aus Stade und aus den Niederlanden.“ Vor allem Futter für die Tiere wurde dringend gebraucht. Über 1200 Rundballen, hauptsächlich Heu und Silage, sammelten die Landwirte. „Andere Betriebe haben zum Beispiel Zaunmaterial gespendet, damit die Tiere schnell wieder aus den Ställen können“, so Collmann weiter.

Tag und Nacht waren die Landwirte im Einsatz, um zu helfen. Foto: privat
Tag und Nacht waren die Landwirte im Einsatz, um zu helfen. Foto: privat
Um die Hilfsgüter an ihre Bestimmunsorte zu bringen, wurden Speditionen kontaktiert. „Insgesamt elf Unternehmen haben uns inzwischen ihre Lkws zur Verfügung gestellt“, sagt Collmann. Besonders engagiert hat sich ein Unternehmen aus dem Emsland, das Auflieger mit beweglichem Böden, sogenannten Schubböden, einsetzt. „Die haben ihren Regelbetrieb komplett eingestellt und fahren seit einer Woche nur für uns“, sagt Collmann. „Sie bringen Rundballen in die Eifel und transportieren auf dem Rückweg gleich noch Sperrmüll von dort ab. Die Leute vor Ort bejubeln jeden Lkw, der mit Sperrmüll das Dorf verlässt.“ Die Dankbarkeit Kollegen aus dem Süden geht indessen auch Sara Collmann zu Herzen. „Viele weinen am Telefon, weil sie nicht mit soviel Hilfe gerechnet haben, und sagen immer wieder, sie wollen das auch alles bezahlen.

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