Osnabrück

Brüder Z. aus Ostercappeln: Erste Haftstrafen stehen im Raum

Lucie Wittenberg
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Von Lucie Wittenberg
| 29.07.2021 15:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Der Prozess gegen die Brüder Z. aus Ostercappeln könnte früher enden. Am Donnerstag stand plötzlich zwischen der Staatsanwaltschaft und den Anwälten eine Einigung im Raum. Und damit mögliche Haftstrafen.

Es war ein zäher Prozesstag am Donnerstag am Osnabrücker Landgericht. Eine Stunde nach Beginn, musste die Verhandlung bereits zum vierten Mal unterbrochen werden. Nicht nur weil das Gericht auf Zeugen warten musste, sondern vor allem weil die Anwälte von Hadi und Osman Z. sowie die der zwei weiteren Angeklagten etwas zu besprechen hatten. Aus den vereinbarten 15 Minuten wurden 20. Selbst die Staatsanwaltschaft musste währenddessen vor dem Gerichtssaal warten.

Einigung mit Staatsanwaltschaft

Erst zu Ende des 11. Prozesstages am Landgericht wird klar, worauf die Gespräche abzielten: Es soll eine Einigung zwischen der Staatsanwaltschaft und den Anwälten geben. „Es gibt noch keine konkrete Einigung, aber wir sind uns nähergekommen“, sagt der anwesende Staatsanwalt.

Dass sich Staatsanwaltschaft und die Anwälte der Z. Brüder überhaupt näher kommen, ist nach den vergangenen Prozesstagen eine Überraschung. So beantragte Arabella Pooth, Verteidigerin von Hadi Z., noch vor wenigen Prozesstagen die vorzeitige Entlassung aus der U-Haft. Handydaten hätten belegt, dass Z. bei einem Raub in Braunschweig gar nicht als möglicher Täter in Frage käme. Trotzdem sei er dafür angeklagt worden. Der Raub stellt die schwerwiegendste der insgesamt 23 angeklagten Straftaten dar.

Die Staatsanwaltschaft widersprach damals der Schilderung der Verteidigung. Der Vertreter führte aus, dass der Haftbefehl gerechtfertigt sei. Hadi Z. habe in abgehörten Gesprächen gegenüber einer Freundin erklärt, fliehen zu wollen, sobald es möglich ist. 

Bis zu sechs Jahre Haft für Osman Z.

Auch die Kammer wies den Antrag wenig später ab, Hadi Z. aus der Untersuchungshaft zu entlassen, in der er seit einer niedersachsenweiten Razzia im Dezember vergangenen Jahres sitzt. 

Durch die mögliche Einigung könnte es nun aber doch eine Haftstrafe für Hadi Z. und die drei weiteren Angeklagten geben. Die Staatsanwaltschaft spricht vor dem Gericht dann das erste Mal mögliche Haftstrafen aus: Drei bis dreieinhalb Jahre für Hadi Z., fünf bis sechs Jahre für Osman Z., sowie dreieinhalb bis viereinhalb Jahre und fünfeinhalb bis sechseinhalb Jahre für die beiden weiteren Angeklagten.

Ob alle Beteiligten sich darauf einlassen, ist unklar. So gebe es der Staatsanwaltschaft zufolge unterschiedliche Auffassungen darüber, ob der Raub in Braunschweig allen nachzuweisen ist.

Hadi Z., seinem Bruder Osman und zwei weiteren Männern werden insgesamt 23 Straftaten zur Last gelegt, die sie in unterschiedlichen Konstellationen begangen haben sollen. Neben dem Raub in Braunschweig sind das diverse versuchte und vollendete Einbrüche in Geschäfts- und Wohnräume. Die Brüder Z. werden von den Ermittlern dem Bereich der sogenannten Clankriminalität zugeordnet.

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